
Wie schon aus der Geschichte des Regiments zu lesen ist, waren Teile der 8ème, vermutlich Kompanien des 5. Bataillons im Fort Napoleon stationiert. Sie verteidigten das Fort in Napoleon in Cuxhaven bis zur Kapitulation am 30. November 1813.
Darüber hinaus hat mich der sehr interessante Bericht von Frank Becker über die Napoleonischen Kriege in Norddeutschland (Sehr empfehlenswert!) inspiriert, einen Teil des Forts nachzubauen. Aber zuerst ein kleiner geschichtlicher Abriss über dieses Fort:
Seit dem Jahre 1803 war die deutsche Nordseeküste durch die Truppen Napoleons besetzt. Dieser verbot die Einfuhr englischer Waren und verhängte zu diesem Zweck nach dem Sieg über Preußen am 21. November 1806 die so genannte Kontinentalsperre. Um vor der Elbmündung den Schmuggel mit englischen Waren zu unterbinden, der hauptsächlich von Helgoland ausging, errichteten die Franzosen an den Ufern der Flussmündungen Batterien, die eine Anlandung der Engländer verhindern sollten. So begannen im Jahre 1809 Vorarbeiten für die Batterien an der Kugelbake und Grimmershörn, im Jahre 1812 schließlich wurden auf Weisung Napoleons zwei große Batterien am Leuchtturm, das so genannte Fort du phare (an dieser Stelle befand sich bereits seit 1803 eine Batterie) , und am Osterhörner Stack das Fort Napoleon gebaut. Diese beiden großen Batterien wurden mit jeweils über 100 Mann besetzt und konnten, im Gegensatz zu den bisher vorhandenen, kleineren Batterien, die Mündung der Elbe vollständig bestreichen.

Nach dem verlorenen Russlandfeldzug von 1812 musste sich Napoleon kurzfristig zurückziehen. Mit der neuen, aus dem wahrhaft Boden gestampften Armee, rückten die Franzosen wieder vor. Speziell im Norden nach dem Sieg an der Geestebrücke in Lehe am 25. März 1813 kamen sie dann auch nach Cuxhaven und den Forts zurück. Noch im gleichen Monat landeten vorübergehend englische Truppen erneut in der Elbmündung und zerstörten die Forts. Nach ihrem Abzug setzten die Franzosen jedoch die Batterien erneut in Stand.

Beide Batterien konnten sich nicht mehr halten, als am 22. November 1813 die Engländer von See und gleichzeitig die Russen unter Oberst Rüdiger von Land her angriffen. Am 30. November kapitulierten beide Forts und wurden übergeben. Die Besatzung des Fort, unter anderem Soldaten des 5. Bataillons der 8ème ging in Kriegsgefangenschaft. Brauchbare Materialien wurden zu Gunsten der Sieger verkauft, danach wurden die Reste von den Russen geschleift (Quelle: http://cuxpedia.de/index.php?title=Fort_Napoleon).
Nun aber zum Bau des Dioramas. Grundlage für den Nachbau des Forts war die Karte von 1812. Eine Kopie dieser Karte konnte ich von den netten Mitarbeitern aus dem Stadtarchiv Hamburg gegen eine Gebühr erwerben.

Zunächst war das Problem, die entsprechenden Küstengeschütze zu bekommen. Ich benötigte für mein Projekt nämlich 12- und 24 pfündige Festungsgeschütze von Gribeauval, sowie allerhand Rüstzeug für die französischen Marine-Artilleristen. Dank Peter Schuchardt und seinen tollen 3D-Drucken war das Problem aber sehr schnell beseitigt.

Selbst eine Triqueballe für das 12pfündige Festungsgeschütz hatte er zur Verfügung. Damit konnte ich den Transport eines dieser Geschütze gut darstellen.
Die einzelnen Figuren bestanden aus einem Sammelsurium von den Firmen Zvezda, Strelets, Schilling und Hagen Miniatures. Das Pulverhaus war ein 3D-Druck und der Glühofen ebenfalls von Hagen Miniatures.

Durch ein paar Fotos von anderen Forts aus der Napoleonischen Zeit , die mir Peter Schuchardt freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte, konnte ich mir ein gutes Bild verschaffen.

Diese Fotos waren für mich insofern wichtig, denn von dem Fort Napoleon war nichts mehr vorhanden. Auch verhalfen mir zeitgenössische Bilder einen guten Überblick.


















Herr Dr. Martin Klöffler hat sich die Mühe gemacht, sich mit dem Plan und dem Model des Forts Cuxhaven zu befassen. Freundlicherweise hat er mir seine Ausarbeitung zur Verfügung gestellt, die ich gerne zeigen möchte:
Plan 1812
Vorweg: Ich selbst hatte den schönen zeitgen. Plan von Fort Napoleon leider 2015 nicht zur Verfügung, als ich ganz kurz den Angriff auf das Fort behandelte. Es ist handelt sich um einen Bauentwurf, wobei wie immer nicht klar ist, was davon realisiert wurde.
Orientierung: ungefähr genordet. Windrose fehlt.
Drei Objekte: Grundriss des Forts, Schnitt ABC, Schnitt DEFG HIJKL (im gleichen Maßstab, keine Überhöhung), siehe Abbildung 1 ff.
Zum Material auf dem Plan:
• Gewachsene Erde: blassbraun
• Aufgeworfene Erde: helles braun
• Holz: Gelbbraun im Schnitt, dunkelbraun in Aufsicht
• Ziegelmauerwerk: Karmesin im Schnitt, blassrot in Aufsicht,
• Wasser: hellblau
• Steinpackung: hellbraun mit Struktur
Maßangaben: Maßstabslineal 1 Toise (Klafter) = 6 Fuß. Höhen und Längenangaben in Fuß, nicht in Meter. Die Legende und die Bemaßung sind nur schwer lesbar. Geschätzter originaler Maßstab 1:144?
Auftrag
Auftrag der beiden Forts war die Sperrung der Fahrrinne vor Cuxhaven. Die Land- oder Kehlseite sollte gegen Überfall einer Landungspartei und gegen einen Angreifer mit leichter Artillerie verteidigt werden können. Die Forts waren nicht gegen eine Belagerung, insbesondere gegen
einen förmlichen Angriff, von der Landseite eingerichtet. Dazu fehle es an Tiefe und der notwendigen Besatzung wie bei den ausgebauten Festungen, siehe z.B. Delfzijl. Nur mit einer mobilen Armee ließ sich ein Küstenabschnitt behaupten. Der rückwärtige Seedeich hätte übrigens einem Angreifer hervorragende Deckung verschafft; um dies zu verhindern, hätten weitere flankierende Werke, wie z.B. an der Scheldemündung eingerichtet werden müssen. Die weitere Belagerungsgeschichte 1813-14 in den Niederlanden lehrt, dass isolierte Seebatterien immer schnell eingenommen wurden. Nur Befestigungsgruppen wie der Seekriegshafen den Helder hatten eine Chance, sich länger gegen einen landseitigen Angriff zu behaupten.
Baugeschichte und Belagerung
Im Jahr 1812 wurde das Fort von der Geniedirektion Hamburg geplant und gebaut, wofür sich archivalische Nachweise über Materiallieferungen im Amt Ritzebüttel finden lassen sollten? Im Frühjahr 1813 wurden die Nordsee-Küstenbefestigungen aufgegeben: Die franz. Truppen zogen sich am 16. März aus Cuxhaven zurück. Flüchtige Zerstörung der Küstenbatterien am 17. März 1813
Englische Landungstruppen zerstörten die unbesetzten Batterien am 17. März (s.u.). Es sind keine Detail bekannt; es ist davon auszugehen, dass für die Demolierung nur wenige Stunden verblieben und dass nichts abtransportiert werden konnte. Was hätte also getan werden können?
Artillerie: Geschütze vernageln, Lafetten mit Beilen zerschlagen oder umstürzen, Rohre in den Graben stürzen.
Bauwerke: Pulvermagazin und Kugelofen sprengen, Fachwerkbauten abbrennen, Brücken und Stege zerschlagen oder mit Pechkränzen abfackeln, Böschungen einreißen, Schanzkörbe zerschlagen.
Streitmittel: Pulver und Kugeln mitnehmen oder in den Graben werfen.
Vorräte: Mitnehmen, verkaufen oder verbrennen.
Sonstiges: Werkzeuge mitnehmen, verkaufen oder in den Graben werfen, dito Küchenutensilien. Es blieb wohl keine Zeit, die Wälle zu schleifen, oder wenigstens Schnitte durch den Wall zu
legen.
Retablierung
Dadurch blieben die Wallanlagen des Forts intakt, welches dann retabliert werden konnte. Allerdings muss man sich klarmachen, dass die verfügbaren Ressourcen hauptsächlich in den Ausbau der Campagnefestung Hamburg investiert wurden. Der Plan von 1812 gibt also vermutlich einen angestrebten Idealzustand wieder; leider haben sich keine präzisen Augenzeugenberichte gefunden, die die provisorische Herstellung bestätigen. Während des Waffenstillstands im Sommer 1813 wurden die Batterien wieder instand gesetzt, armiert und mit je 100-150 Mann Besatzung belegt.
Einheiten
Die Forts wurden mit Linieninfanterie und Artilleriekompanien (Fuß- oder Küstenartillerie) belegt. Details sind dem Autor nicht bekannt.
Uniformierung: Im Modell ist die Uniformierung der Fußartillerie gezeigt, ich hätte aber die Uniform der Küstenartillerie (artillerie garde côte) mit grünem Unterzeug erwartet. Gibt es dafür Belege?
Einnahme
Die beiden Forts in Cuxhaven (bei Ritzebüttel) wurden ab dem 28. November 1813 von der Landseite durch russ. Truppen unter Gen. Ridinger angegriffen; die englischen Kanonenboote bombardierten von der Seeseite. Die Besatzung des „Fort du Phare“ (Leuchtturm) beschoss wiederum die Stadt Cuxhaven mit rotglühenden Kugeln, so dass einige Häuser abbrannten. Die englische Flottille setzte Belagerungsgeschütz an Land, und eine Batterie mit 10 Kanonen wurde nur ca. 100 yards (300 Fuß oder knapp 100 m) vor dem „Fort du Phare“ errichtet! Diese bestand aus 6 x 18-Pfündern, 2 x 32-Pfündern sowie 2 x 6-Pfündern und röffnete am nebligen Morgen des 30. November das Feuer. Die Besatzung kapitulierte angesichts der drohenden Breschelegung noch am selben Tage und ging in englische Kriegsgefangenschaft. Die Anlagen
wurden sofort durch die russischen Truppen geschleift. Soweit bekannt, haben sich heutzutage keine Reste des Forts erhalten.
Artillerie
Bewaffnung: Die seeseitige Armierung bestand laut Plan aus 10 x 12- und/oder 24-Pfündern1 auf (traversierender) Küstenlafetten, 2 x 13-zölligen Mörsern und auf der Landseite aus 4 x 12-Pfündern auf Festungslafetten. Bettungen für 8-zöllige Haubitzen sind auf dem Plan nicht erkennbar. Welche Geschütze im Sommer 1814 tatsächlich im Fort standen, ist nicht bekannt.
Bemannung: Bei ca. 100-150 Mann sind ca. 20 Offiziere und allg. Dienste abzuziehen, es verbleiben 80-130 Mann für die Geschützbedienung einschließlich Handlanger von der Infanterie. Es sind also ca. 5-10 Mann pro Geschütz zu rechnen. Etatmäßig wurden bei den französischen
Küstenkanonieren fünf Mann auf das Geschütz gerechnet.
Reichweite und Wirkung: Im Visierschuss konnten die Geschütze etwa 800 m bis zum ersten Aufschlag erreichen, bei ruhiger See konnte die Vollkugel dann noch bis zu 2000 m rikoschettieren. Im Bogenschuss erscheinen bis zu 1.500 m realistisch. Die Batterien konnten mitnichten die ganze untere Elbmündung bestreichen. Glühende Kugeln waren die wirksamsten Geschosse gegen die hölzernen Schiffe. Je näher die Forts an der Küstenlinie standen, desto weiter reichten die Geschütze.
Küstenlafetten: Der Vorteil dieser Konstruktion war der große Streichwinkel und das schnelle Seitenrichten über den Pivot (Drehzapfen). Es wurde direkt über die Bank gefeuert und nicht durch Scharten (Abbildung 4). Der Lafettenunterbau lief auf 2 Rollen auf einer schmiedeeisernen Schiene, die gut auf dem Plan, aber leider kaum klar im Modell erkennbar ist. In den Unterbau konnte ein Langbaum mit Flaschenzug eingesteckt werden, der eine schnelle und kräftesparende Seitenrichtung ermöglichte. Daher auch der Name Langbaumlafette. Fehlte dieser, musste mit Spaken gewuchtet werden.
Festungslafetten (hohe Rahmlafetten) für die Landseitige Verteidigung: Die Flanken bestrichen den Strand auf beiden Seiten gegen Landungsparteien, die 3-4 Geschütze der Kehlseite waren auf den Seedeich und den Fahrdamm gerichtet. Nach Chasseloup-Laubat brauchten die diese Lafetten nur eine flache Scharte in der Brustwehr; die im Modell dargestellte Scharte ist also unzweckmäßig. Das im Modell dargestellte Feuern eines Festungsgeschützes auf ein Schiff macht keinen großen Sinn, denn die Schienen verhinderten eine schnelle Seitenrichtung. Was im Belagerungskrieg zweckmäßig ist, nämlich immer den gleichen Punkt zu treffen, ist bei einer Küstenbatterie hinderlich. Der Raum zwischen Fort und dem rückwärtigen Seedeich wurde am besten durch Kartätschen bestrichen und weit wirkende Geschütze machen hier wenig Sinn.
Auf dem Plan sind lange Kastenlafetten (wie für Wallafetten) angedeutet, aber die artilleristische Armierung war nicht Sache der Ingenieure. Nach meiner Einschätzung hätten es kleinere Kaliber auf einer Feldlafette den Zweck erfüllt, so sind die Festungslafetten für so eine kleine Redoute etwas üppig, d.h. mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Zum Vergleich: Bei ausgewachsenen Festungen war meist nur eine Festungslafette pro Bastion vorgesehen (siehe z.b. Torgau 1813 und die ganzen anderen franz. Festungen 1813-14), zur Abwehr einer förmlichen Belagerung. Für Festungslafetten braucht man i.a. keine Bettung wie im Modell dargestellt. Aber das ist alles eine Frage der Verfügbarkeit: wenn nur schwere Kaliber vorhanden sind, werden sie selbstverständlich eingesetzt. Bei der Kapitulation sollen 26 schwere Kaliber (d.h. 12-, 18- und 24-Pfünder) aus beiden Forts übergeben worden sein.
Bauten laut Plan
Allg. Charakterisierung: Polygonale Redoute, d.h. geschlossene Schanze (auch kurz: Werk, frz. Ouvrage). Das Werk war semipermanent, d.h. die verwendeten Materialien waren überwiegend Steine, Ziegel, Holz und Erde. Die Wallanlagen waren aus Erde geböscht und mussten gegen die
Sturmfluten gesichert werden. Das Werk lag isoliert vor dem rückwärtigen Seedeich und war mit diesem über einen Fahrdamm verbunden.
Eingezeichneter Wasserpegel: Mittlere zu erwartende Tide? Hof ca. 2-3 m über diesem Pegel? Mauerwerk allgemein: Wenn überhaupt, wurden Ziegel, nicht Werksteine verwendet, weil diese an der Küste ein kostbares Material waren. Auf dem Plan sind Backsteine karmesinrot für das Pulvermagazin, den Kugelofen, die Kamine der Öfen, der Abort (?), Laboratorium (?), Zisterne (?), die Fachwerkausmauerung und den Backofen dargestellt.
An der Seeseite und Landseite wurde der Wallfuß durch eine Steinpackung vor dem Unterspülen geschützt. Scharten an der landseitigen Kehle: Die waren garantiert nicht gemauert, sondern mit splitterdämmenden Material ausgekleidet, d.h. z.B.Faschinen, Hurten, Planken, Sandsäcken, Rasenplacken oder Schanzkörben. Wenn die Zeit eilte, fehlte jede Bekleidung. Die Richtung der Scharten deutet an, dass ein Angreifer von der Landseite nur aus einer Richtung erwartet wurde. Mit der Armierung wurden die Scharten von den Artilleristen nach Bedarf neu ausgerichtet und eingeschnitten. Der tiefe Einschnitt der Scharten deutet eher darauf hin, dass hier die wohlfeileren
Walllafetten oder Feldlafetten nach dem Willen des entwerfenden Ingenieurs hätten aufgestellt werden sollten (Abbildung 6).
Tiefe der Brustwehr: Nimmt man den Plan oder die üblichen Regeln für die Tiefen von Abdachung (bis zu 20 Fuß = 6 m, ca.8,5 cm im Modell 1:72), dann hätte die Brustwehr des Modells erheblich tiefer sein müssen. Böschungen und deren Bekleidung: Wenn diese nur mit Sand aufgeschüttet wurden, konnte man bestenfalls eine Neigung von 1:2 (60°) erreichen. In der Regel wurden diese mit Rasen beplackt, weil sie sonst schnell abgesackt wären. Steilere Böschungen wurden i.a. mit Faschinen, Hurten odgl. gesichert, dadurch gewann man mehr Raum im Hof der Batterie. Auf der Feindseite einerseits erschwerte eine steile Böschung die Ersteigung, andererseits war eine steile Böschung bei Beschuss instabiler. Ein kurzzeitiges Bombardement von der Seeseite erreichte allerdings niemals die Wirkung eines mehrtägigen Beschuss wie bei einer förmlichen Belagerung, so dass sich dieser Nachteil leichter in Kauf nehmen ließ. Wählte man eine stärkere Brustwehr von ca. 20 Fuß, konnte diese erst nach vielen direkten Treffern abgekämmt werden.
Anker in der Böschung sicherten die Hurten, Faschinen etc. vor dem Abrutschen. Die obere Hälfte der feindseitigen Wallböschungen ist mit Balken, nicht mit Steinen belegt. Diese Konstruktion erschwerte eine Ersteigung. Weitere Einzelheiten wurden i.a. nicht im Plan aufgenommen, sondern wurden der Bauausführung vor Ort überlassen.
Werkshof, Auftritte, Wallgang: Hier wäre eine Abdeckung mit Rasenplacken typisch, an besonders befahrenen Punkten wurden Planken ausgelegt, alles andere wie Pflasterung war Luxus. Bei den häufigen Niederschlägen hätte sich der Werkshof schnell in einen Schlammpfuhl verwandelt, weil das Wasser nur über die Durchfahrt ablaufen konnte. Bei Sturmfluten war die Durchfahrt der schwache Punkt, durch den Wasser in das Werk eindringen konnte. Denkbar ist der Verschluss durch Sandsäcke.
Pfählungen/Pilotagen: Die in den Schnitten gezeigten Pfählen sind ein Indiz, dass der sandige/morastige Baugrund instabil war und die Böschungen besonders gesichert werden mussten. Die Einfahrt auf der Kehlseite und der Seewall zeigen eine zweifache Verankerung
durch Pfähle (schnitt ABC).
Gemauerter Kugelofen: Zwischen Pulvermagazin und Blockhaus im Schnitt ABC.
Zugang: Über den Fahrdamm führte eine Pfahlbrücke mit Holländerbrücke, welche mit einem ersten Gattertor verschlossen werden konnte. Das eigentliche Werk war gesichert durch einen Tambour mit einem zweiten Gattertor, einer Holländerbrücke und einem dritten Gattertor im Hauptwall. Der senkrechte Einschnitt für die Durchfahrt wurde durch eine Beplankung hergestellt, er also war nicht gemauert.
Rampen: Hier waren reine Erdböschungen üblich. Die Steigung betrug typischerweise 1:4 oder 1:5. Die Maßangaben auf dem Plan sind unlesbar.
Blockhaus oder Reduit: Fachwerkhäuser, die dauerhaft bewohnt werden konnten. Die Balkendecke wurde üblicherweise mit Erde abgedeckt, auf dem Entwurf ist ein zusätzliches Holzschindeldach (?!) vorgesehen: Dies war wohl dem regnerischen Klima geschuldet, weil es die Durchfeuchtung der Erdabdeckung des bombensicheren Blockhauses verhinderte. Eine umlaufende Palisade, eingeschnittenen Schießscharten und ein kleiner Tambour am Eingang machten es defensibel. Der Bretter-Boden lag hoffentlich so hoch, dass er bei Sturmfluten nicht unter Wasser stand.
Annäherungshindernisse auf der Seeseite: Steinpackung, spanische Reiter auf der Berme, Beplankung.
Annäherungshindernisse auf der Landseite: Wassergraben, Steinpackung, oberhalb dieser z.T. Palisaden, umlaufende Fraisierung (Sturmpfähle), spanische Reiter auf der Berme, Beplankung.
Aufzug: Die seeseitige Wallkrone dürft etwa 3 m über dem Hof gelegen haben (vergleiche mit Stockwerkshöhe des Blockhauses). Von der Seeseite dürfte die Abdeckung des Blockhauses sichtbar gewesen sein. Von der Feindseite gesehen hatte das Werk einen relativ hohen Aufzug an der Wattenmeerküste, da das Terreplein ca. 3 m oder mehr über dem Bauhorizont liegen mußte. Der gesamte Aufzug wird also mindesten 6 m betragen haben. Gemauertes Pulvermagazin an der linken Schulter, Schnitt ABC links: Abgedeckt durch Erdpackung, kein Dach.
Literatur
Gassendi 1819 – Jean-Jacques-Basilien de Gassendi, Aide-mémoire, à l’usage des officiers d’artillerie de France, attachés au service de terre, 2 Bände, Édition 5 Paris 1819
Gassendi, J. J. B., Aide-mémoire, à l’usage des officiers d’artillerie de France, attachés au service de terre, 2 Bände, Paris: Magimel, 1801
Klöffler 2026 – Martin Klöffler, Sperrwirkung der Küstenartillerie im Zeitalter der Vorderlader, in: Festungsjournal (2026)
Klöffler, Martin: Die Einnahme der Küstenbefestigungen an Nord- und Ostsee [1813]; S. 476-483, in: Hemmann, Thomas; Klöffler, Martin: Der vergessene Befreiungskrieg – Belagerte Festungen zwischen Memel und Rhein in den Jahren 1813-1814; Norderstedt, BOD (Books on Demand GmbH) (2018) 632 Seiten
Montalembert 1793 – Marc René, de Montalembert, Nouvelle manière de disposer l’Artillerie sur les remparts des places de guerre, devant les places assiégées, & sur les côtes: avec des constructions de forts & de batteries, capables de donner les plus grands avantages à l’Artillerie, L‘ Art défensif, supérieur à l’offensif, tome 5, Paris 1793
Scheel, H.-O., Mémoires d’artillerie, contenant l’artillerie nouvelle, ou les changemens faits dans l’artillerie Françoise en 1765; Paris: Magimel, 17








Dank der sehr detailreichen Ausführungen von Herrn Dr. Klöffler, an dieser Stelle nochmals vielen Dank, kann man sich gut vorstellen, wie das Fort Napoleon damals ausgesehen hat. Zum Zeitpunkt der teilweisen Rekonstruktion in Form des Modells lagen mir diese Details leider nicht vor, zumal nur dieser Plan existiert. Und wahrscheinlich, wie wir gesehen haben, könnte es es sich bei diesem Plan auch nur um einen Entwurf handeln. Selbst Herr Dr. Klöffler ist sich da nicht ganz sicher.
Ich denke aber, dass man anhand des Modells sich trotzdem einen guten Überblick über die Beschaffung des Forts machen kann.
Zuletzt möchte ich noch einige zeitgenössische Zeitungsberichte präsentieren, die zeigen sollen, wie wichtig der Standort von Cuxhaven damals für Frankreich während des Krieges mit Großbritannien war. Cuxhaven gehörte zum Departement Elbmündungen.
An dieser Stelle vielen Dank an Peter Schuchardt, der die Texte ausfindig gemacht hatte.
1807.
Ein Vorgang, der sich am 25. May zu Kuxhaven ereignete, erregt bey jedem rechtlichen Menschen ein unangenehmes Gefühl. Die englische, die Elbe blockirende, Fregatte erhielt durch einige Deserteurs der holländischen Besatzung von Kuxhaven, vom Ufer her, ein Zeichen, sie aufzunehmen; der Fregattenkapitain setzte sein mit 60 Mann und zwey Drehbassen *) besetztes Langboot aus, um sie abzuholen. Als die Engländer keine Truppen in der Ufergegend fanden, stiegen sie aus, und wagten sich landeinwärts. Die kuxhavener Besatzung schlug Lärm, und rückte 200 Mann stark gegen die Gelandeten aus. Diese zogen sich nach dem Langboot zurück, fanden es aber, bey der eben eingetretenen Ebbe, auf den Watten festsitzend. Sie wandten das Boot, stellten sich dahinter, und bückten sich nieder, wenn die Holländer auf sie feuerten. Hierauf schossen sie ihrer Seits mit Kartätschen aus den Drehbassen auf die Landtruppen, welche retirirten, uns sich hinter die Deiche und kleinen Verschanzungen niederlegten. Von der Fregatte wurden unterdessen andere Böte gesandt, welche die Engländer einnahmen und zurückführten. Die Holländer bemächtigten sich nun der beyden zurückgelassenen kleinen Kanonen, und zogen damit ab, nachdem sie das Boot in Brand gesteckt hatten. Hierüber entrüstet, steuerte der Fregattenkapitain gegen das Ufer, legte sich dicht vor den Hafen, und schoß mit ganzen Lagen von 12- bis 24Pfündern — nicht auf den Feind, denn dieser war nirgends mehr sichtbar — sondern auf die hamburgischen Hafenwerke, Schiffsmagazine und Häuser! 150 Kugeln flogen anderthalb Stunden lang in den offenen Ort, verbreiteten Schrecken unter den unschuldigen Bewohnern, und richteten nicht geringen Schaden an. Besonders litten die Tonnen- und Taumagazine, und die Häuser der Hafenbeamten. Sogar der schöne, erst vor einigen Jahren erbaute, Leuchtthurm blieb nicht verschont; die Kupferdecke seiner Kuppen ward durchlöchert und zum Theil herabgeworfen. Es ist nun zu erwarten, wie die englische Regierung dieses nicht zu entschuldigende Verfahren des Kapitains, worüber der hamburgische Magistrat sich bey ihr beklagt hat, ansehen wird.
- *) Drehbassen sind kleine leichte, auf eisernen Gabeln ruhende Kanonen.
1808.
Hanseestädte.
Den Ort Cuxhafen, der jetzt bey der gehemmten Schifffahrt ohnedies sehr leidet, hat ein neuer Unfall betroffen: Am 4. May verfolgte eine Englische Fregatte ein Schiff, welches in die Elbe segeln wollte, und suchte es durch blinde Schüsse zum Beylegen zu bringen. Die Französische Batterie zu Cuxhaven wollte das Schiff unter ihre Protekzion nehmen, und feuerte scharf auf den Engländer. Dieser stellte sich darauf mit seiner Fregatte und einer Brigg vor Cuxhaven, und beschoß die Französische Batterie, und zugleich den Ort, worin mehrere Häuser beschädigt, auch ein Mädchen, die Tochter des Lootsenkapitains, getödtet, und ein anderes verwundet wurde. Von Hamburg sind darauf gestern 150 Mann zur Verstärkung der Garnison nach Cuxhaven abgegangen.
Nachrichten von Kuxhafen.
Schon einmal hatten die Engländer den Leuchtthurm bei Kuxhafen durch Kanonenschüsse beschädigt, jetzt aber, ist der Ort selbst etwas heimgesucht worden. Die Nachrichten von daher sind verschieden, aber in der Hauptsache nicht widersprechend. Man sagt, daß einige Fahrzeuge, die von Englischen Kriegsschiffen verfolgt worden, sich nach Kuxhafen retten wollen, bei welcher Gelegenheit die dasigen Batterien auf die Engländer gefeuert, die nun mit der Fluth weiter herauf gesegelt, sich ruhig verhalten, mit der Ebbe aber unvermuthet zurück gekommen, und im Vorbeifahren auf Kuxhafen eine so volle Ladung gegeben, daß viele Häuser, besonders aber das dasige Tonnenmagazin stark beschädigt wurden. Ein Mädchen wurde durch eine Kugel getödtet, und mehrere Personen verwundet.
Nach einigen Nachrichten soll der Schade den die Engländer hier angerichtet, nicht unbedeutend seyn.
Quelle: https://von-bastille-bis-waterloo.fandom.com/de/wiki/Cuxhaven