Wie der Bataillonschef Vigo-Roussillon den Feldzug in Spanien erlebte – Vierter und letzter Teil – Vom Feldzug in Andalusien bis zur Rückkehr

 

Francois Vigo-Roussillon, Kommandeur des 2. Bataillons der 8ème.

Der Feldzug von Andalusien 1811

Während das 1. Armeekorps unter Marschall Victor allein die Belagerung oder eher die Blockade von Càdiz fortsetzte, war es in Spanien zu ernsten Schwierigkeiten gekommen.  Napoleon, der immer noch entschlossen war, die Engländer vor allem aus Portugal zu verjagen, hatte diese Aufgabe im Mai 1810 Marschall Masséna anvertraut. Masséna hatte rund 80.000 Mann zur Verfügung. Im Oktober nach anfänglichen Erfolgen war Marschall Masséna mit seinen drei Armeekorps von 65.000 Mann vor den Linien von Torres-Vedras (Torres-Vedras deckte den Zugang nach Lissabon) zum Stillstand verdammt. Die Verteidigungslinien waren einfach durch weitere Hilfe nicht zu durchbrechen. Hinzu kamen grosse Versorgungsschwierigkeiten seiner Armee, denn die Engländer und Portugiesen hatten auf ihren Rückzug nach Torres Vedras die umliegenden Häuser in Brand gesteckt, alles Essbare mitgenommen und die Brunnen vergiftet. Mittlerweile bestand seine Armee nur noch aus rund 36.000 Mann. Sechs Monate sollte nun Masséna vor Torres Vedras ausharren ohne nennenswerte Erfolge zu erzielen..

Karte über die Verteidungslinien von Torres Vedras. Die errichteten Linien von Torres Vedras bildeten ein Rückzugsgebiet für die britisch-portugiesische Armee und sollten den Vormarsch des Marschalls Masséna endgültig aufhalten. Der Marschall wartete vergeblich auf Verstärkung. Nach einem glücklosen Versuch bei Sobral de Monte Agraço am 14. Oktober 1810 wagte er dabei keine weiteren Angriffe auf die Stellungen. Anfang Mai 1811 zogen die Angreifer entmutigt ab und wurden schließlich von Wellington im Oktober 1811 endgültig hinter die portugiesischen Grenzen gedrängt.

Zu Beginn des Jahres 1811 wollte er nochmals die gewaltigen Befestigungen angreifen und die Engländer ins Meer werfen, wenn eine andere französische Armee vom linken Ufer des Tejo her Lissabon angreifen würde. Der Kaiser hatte für diese Operation die Armee von Andalusien, also das 1. Armeekorps unter Marschall Victor dazu bestimmt und Marschall Soult entsprechende Befehle erteilt. Aber Soult gab nur Marschall Mortier den Befehl vorzurücken (Das Scheitern der portugiesischen Kampagne war zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Undisziplin des Marschalls Ney mit Marschall Masséna und den Generälen in Bezug auf die Marschälle enstanden ist. Das Gleiche galt für Marschall Soult, der sich absolut weigerte, Marschall Masséna zu Hilfe zukommen – Anmerkungen des Autors). Schon bald ließ er aber Mortier halten unter dem Vorwand, die Festung von Badajoz zu belagern. Die Festung wurde am 11. März von den Spaniern an Marschall Mortier übergeben. Für Marschall Massèna kam jedoch keine Hilfe. Noch vor der Übergabe der Festung Badajoz ereignete sich jedoch ein Unglück in Andalusien, von dem wir nun berichten wollen.

Die Engländer hatten währendessen zu Anfang des Jahres die Gefahr des Zusammenschlusses der Armeen Massèna´s  und Soult´s vor Lissabon erkannt, die auf beiden Seiten des Tejo´s operierten. Sie beschlossen deshalb, die andalusische Armee unter Marschall Victor im Süden massiv unter Druck zu setzen, in dem sie die Orte Murcia, Granada, Gibraltar und Cadiz weiter verstärkten. So konnte Soult, nachdem er mit Mortier die wichtige Festung Badajoz eingenommen hatte , Massèna nicht unterstützen. Es drohte sonst eine Invasion!

In Italien, um die Eroberung seines Königreichs abzuschließen, musste Murat Sizilien erobern, welches von den Engländern besetzt wurde. Leider gab Murat Anfang Februar 1811 diese Expedition auf. Die Engländer hatten, nach dem sie davon wind bekommen hatten sofort aus Sizilien 4.000 oder 5.000 Männer von ihren besten Truppen nach Gibraltar verschifft.  Diese Truppen vereinigten sich mit anderen Verbänden, die sich bereits in Gibraltar befanden. Im Lager von San Roque kamen noch 12.000 Spanier hinzu , so daß die anglo-spanische Armee  auf eine Gesamtstärke von 20.000 Männer anwuchs.

Lassen wir nun wieder Vigo-Roussillon zu Wort kommen: “ Unser Korps (Gemeint ist das 1. Armeekorps unter dem Befehl von Marschall Victor), welches allein die Belagerung der Stadt Càdiz oblag)  war durch die Belagerung selbst und den Krankheiten des vorhergehenden Sommers stark geschwächt worden. Es konnte nur noch eine Kampfkraft von 8.000 Männern aufweisen.

Das 4. Armeekorps unter General Sébastiani, welches sich zwischen den Städten Granada, Sevilla und Càdiz versammelt hatte, sollte uns unterstützen. Die Engländer, die uns dieser Hilfe berauben wollten, schickten nun das spanische Armeekorps unter General Blake in Richtung Murcia. Zu unserem Unglück konzentrierte Sébastiani sofort sein gesamtes Korps und marschierte gen Murcia und ließ uns allein“.

Am 1. März 1811 befanden sich somit die beiden Marschälle Soult und Mortier vor Badajoz und das 4. Armeekorps unter Sébastiani war in Murcia. Das 1. Armeekorps unter Victor war vor Càdiz. Die andalusische Armee, wie auch das 1. Armeekorps nun genannt wurde, war über eine Länge von 150 lieues (ca. 600 km) verstreut. Es war nun ganz offensichtlich, dass  die andalusische Armee allein der starken Garnison in Càdiz, unterstützt von einer großen Flotte und der anglo-spanischen Armee in San Roque gegenüber stand. Marschall Soult hatte, wenn auch spät, die Gefahr in der sich die andalusischen Armee nun befand, erkannt. Er versuchte nun, die Belagerung von Badajoz voranzutreiben um Marschall Victor zu Hilfe zu kommen.

Plan der Belagerung von Cadix. Neue militärische Zeitschrift. Wien, 1811. Gedruckt bei Anton Strauss. Quelle: http://www.napoleonwiki.de/index.php?title=Plan_der_Belagerung_von_Cadiz

Es war also zu erwarten, dass unmittelbar bei dieser Lage der Franzosen ein Angriff der Alliierten über das Meer erfolgen würde um den Belagerungsring von Càdiz aufzubrechen. „Wir waren sehr besorgt um den wertvollen Belagerungspark, den wir ein Jahr lang mühsam aufgebaut hatten und um das immense Belagerungsmaterial. Der gesamte Generalsstab bangte nun um den Ausgang der Belagerung bei Badajoz“, wie Vigo-Roussillon in seinem Tagebuch treffend formulierte.

Die anglo-spanische Armee marschierte nun am 1. März mit einer Stärke von ungefähr 20,000 Mann von San Roque in Richtung Medina-Sidonia. Sie zog dann zum Ufer des Meeres  durch die Stadt Conil und gelangte schließlich zu dem alten Turm von Barrosa. Hier sollte eine Verbindung zu der Garnison in Càdiz hergestellt werden. Am 3. März in der Frühe hatte eine Vorausabteilung der Garnison aus Càdiz eine Brücke über den Sancti-Petri-Kanal geschlagen und anschließend den Kanal überquert.  Aber der Vormarsch kam zu früh. Die gegnerische Vorausabteilung wurde von Soldaten der Division Vilatte überrascht, die sich auf der Insel Léon befanden. Schnell wurde der Gegner wieder zurückgetrieben. Dieser erfolglose Vorstoß hatte  den Engländern mindestens 500 Mann an Verlusten gekostet, die im Gefecht umkamen oder ertranken.

Am 4. März erfuhr Marschall Victor, dass die anglo-englische Armee in Vejer de la Frontera angekommen sei und beschloss mit seinem Korps direkt nach Chiclana zu marschieren um den Gegner dort anzugreifen.  Lassen wir Vigo-Roussillon wieder zu Wort kommen:  „Nachdem der Herzog von Belluno (Marschall Victor) die Verteidigungsanlagen und Batterien vor Càdiz ausreichend geschützt hatte, versammelten sich die restlichen Soldaten seines Korps, die noch verfügbar waren. Unsere 2. Division war so stark reduziert und umfasste nur die Regimenter der 8ème, der 54ème  und vier Kompanien der 45ème. Wir übernachteten in der Nähe der Farm Guéra, hinter dem Ort Medina-Sedonia“.

Das riesige Gut Cortijo de Guerra welches Vigo-Roussillon in seinem Tagebuch erwähnt hat. Hier biwakierte die 2. Division Leval am 4. März 1811. Später wurde das Gut als Militärlager von den Franzosen genutzt. Quelle: https://es.airbnb.com/rooms/16567100

Die Schlacht bei Barrosa/Chiclana

Die in der Geschichte zitierten Schlachten sind im Allgemeinen diejenigene, in denen sich die größten Kräfte gegenüberstehen. Diese sind aber nicht immer die umstrittensten, die blutigsten und die furchtbarsten in ihren Ergebnissen. In Barrosa (Chiclana)  machten die Franzosen und die Engländer etwa ein Drittel der beteiligten Streitkräfte aus.  Trotz der Niederlage rettete unser erbitteter Widerstand immerhin uns vor der Demütigung, den grosses Belagerungsring ringsum Càdiz mit seinem Material aufzugeben und zu verlassen (Den genauen Ablauf der Schlacht bei Barrosa / Chiclana am 5. März 1811 können Sie sich gern hier ansehen).

Hier kommt nun wieder Vigo-Roussillon zu Wort: „Am 5.  März verließen wir unser großes Morgenbiwak. Wir machten uns auf den Weg zu der Stadt Chiclana, mit dem Befehl, den Zugang zur Stadt zu sichern. Wir kamen eilig dorthin und hatten die Stadt schon eingenommen, als wir zu unserer Rechten Schüsse vernahmen auf der Seite des Santi-Petri-Kanals. Wir marschierten weiter, bis wir auf den Weg  „Conil-Pinienwald“ stiessen und schwenkten dann rechts in Richtung Pinienwald ab.  Wir fanden dort Truppen aus der 1. Division Ruffin, die sich bereits mit den Briten beschäftigten. Ohne anzuhalten, formierten wir uns in Divisionskolonnen und gingen weiter vor. Wir haben die Engländer vor uns wahrgenommen. Sie waren ca. 5.000 oder 6.000 Mann stark (Englisch oder Englisch-Portugiesisch). Es war die Nachhut der anglo-spanischen Armee. Das war so ziemlich das Einzige, was wir im Moment zu sehen bekamen.

Die Feinde waren ebenfalls in Bewegung und steuerten auf eine Brücke zu, die die Garnison von Càdiz am Tag zuvor auf Santi-Petri geworfen hatte. Ebenfalls  haben dort zwei Kompanien Voltigeure von unserer 3. Division ein Bataillon der spanischen Königsgarde gefangengenommen.

Die spanische Armee war bereits in der Nähe dieser Brücke eingetroffen. Sie zählte etwa 14.000 Mann. Die Truppen der beiden Nationen schienen auf die Insel Leon übersetzen zu wollen. Da sich eine große Distanz zwischen den Spaniern und der Nachhut der Engländer befand,  glaubte Marschall Victor,  so meine Einschätzung, die Engländer getrennt schlagen zu können, bevor sie von den Spaniern unterstützt wurden. Er eilte und wollte angreifen, ohne auf seine Artillerie zu warten.  Diese konnte jedoch so schnell nicht folgen, denn alle Pferde der Artillerie waren bei diesen Wegen sehr erschöpft. Außerdem war unsere Artillerie gezwungen worden, einen großen Umweg zu machen, um einen sumpfigen Bach zu überqueren. Von der ersten Demonstration der Engländer gegen Medina-Sidonia getäuscht, hatte Marschall Victor am 3. März seine  gesamte Kavallerie und 3.000 Mann bester Infanterie dem Feind entgegen geschickt. So waren wir ohne Artillerie und Kavallerie nun auf uns alleine gestellt und der Herzog von Belluno traf in seiner Eile die schlimmsten Befehle.

Nachdem  die 1. Division Ruffin einen Sumpf umgehen musste, marschierte sie nun auf den Bauernhof namens La Casa-Blanca zu. Sie verfolgte die Engländer, die nun zum Meer zurückgingen. Ruffin griff nun den dazwischenliegenden Hügel (Cerro del Puerco) an, auf den sich mehrere feindliche Bataillone und Artillerie Stellung bezogen hatte. Auch unsere Division ging direkt auf diesen Hügel zu.

Der Herzog von Belluno, der vor uns eine Schwadron englischer Kavallerie entdeckte, nahm nun an, dass dies die Spitze feindlicher Kavallerie war. Er ließ unser 8. Règiment de Ligne und ein Bataillon der 54ème de Ligne sofort in Bataillonskarrees formieren (Insgesamt 3 Karrees). Während wir dieses Manöver durchführten, ging der englische linke Flügel (Brigade Wheatley) auf uns zu. Die feindliche Artillerie (4 Geschütze) feuerte indessen auf unsere Karrees. Der Marschall sah dies und war dann plötzlich verschwunden. 

Der General Laplane, Kommandeur 1. Brigade, war ebenfalls nicht auffindbar. Unser Regiment war in Unordnung geraten. Die englische Infanterielinie marschierte auf uns zu. Ich sagte zu unserem Colonel, Herrn Autié, dass wir in der Karreeformation Gefahr laufen, überflügelt zu werden und wir uns dann kaum verteidigen könnten. Der Colonel antwortete, dass ihm ein General entprechende Befehle geben solle. Wir konnten allerdings keinen finden.  Schließlich befahl der Colonel, die Karrees aufzulösen und Divisionskolonnen zu bilden. Dies sollte so schnell wie möglich geschehen. Kaum war unser 1. Bataillon (Lanusse) in Bewegung, als der Colonel rief „À Droite en bataille“ (Rechts zur Schlacht formieren!). Dieser Befehl war für mein Bataillon und das das dahinterliegende Bataillon der 54ème de Ligne unmöglich auszuführen. So entstand eine gewisse Unordnung.  

Schwere Kämpfe während der Schlacht von Barrosa/Chiclana am 5. März 1811.

Ich hatte während des Beschusses kaum mein Bataillon unter den größten Schwierigkeiten in die gewünschte Postion gebracht, als portugiesische Tirailleurs uns ebenfalls unter Feuer nahmen. Sie gingen einem Verband (20. Portugiesisches Infanterieregiment) voraus um uns anzugreifen. Ich blieb bei meinem Bataillon und befahl alle zehn Schritte Salvenfeuer auf den Feind abzugeben. Die Portugiesen erlitten so große Verluste, dass sie kurzerhand flohen.

Ich rannte einem Offizier zu Pferd hinterher, den ich retten wollte. Ich hatte ihn bald erreicht. Es war der Colonel des 20. Regiments (Portugiesisches Infanterieregiment). Der Name war Mr. Busch, ein Engländer. Er wurde durch zwei Schüsse verletzt. Ich übergab ihn einem Unteroffizier von meinem Bataillon, der selbst verwundet war und empfahl ihm, den Engländer zu versorgen.

Soldat des 20. Portugieschen Regiments, 1811

Eine neue Infanterie-Linie, diesmal eine englische (2. Bataillon vom 67. Linienregiment), rückte auf unser Regiment zu. Die Engländer kamen nur langsam auf uns zu, da sie häufig anhielten um sich wieder zu formieren. Die feindliche Artillerie beschoss uns nun mit Kartätschen. Das 1. Bataillon unseres Regiments geriet in schweres Feuer.  Ich befahl meinem Bataillon noch nicht zu feuern. Erst als die Engländer nahe an uns heran waren, befehligte ich eine Bataillonssalve abzugeben. Die Reste des feindlichen Regiments zogen sich nach der Salve augenblicklich zurück.

Ich schlug dem Colonel Autiè nun vor, dass ich mit meinen Voltigeuren die feindlichen Kanonen angreife, während mein restliches Bataillon die feindliche Infanterie, die sich gerade wieder formierte, mit dem Bajonett   fortjagen sollte. Der Angriff wäre sicherlich gelungen, aber der Colonel wagte nicht, den Befehl dazu zu geben. So erhielt mein Bataillon durch das Kartätschenfeuer Verluste ohne das wir entsprechend antworten konnten. Endlich, aber viel zu spät, befahl Colonel Autiè den Angriff.

Die Briten erwarteten nun unseren Angriff. Ich legte die Pistole auf meine Schulter, um sicherzustellen, dass niemand vor meinem Kommando feuern würde. Das 1. Bataillon unseres Regiments (Unter dem Befehl von Lanusse) und ein Bataillon der 54ème de Ligne kamen langsam, aber in Unordnung voran. Ich bemerkte schnell, dass die beiden Bataillone nicht mit mir Schritt halten konnten, da sie bereits sich ein schweres Gefecht mit der feindlichen Infanterie lieferten. Ich musste also anhalten und auf sie warten. Mittlerweile bildete sich vor meinem Bataillon eine Angriffssäule. Ich hatte geplant, diesen Angriff auf mich zukommen zu lassen. Aber dazu hätten auch meinen Flanken entsprechend gedeckt sein müssen.

Einbruch in das 1. Bataillon der 8ème de Ligne. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

In diesem Moment ging der gesamte linke Flügel der Engländer zum Angriff über und ich sah plötzlich das 1. Bataillon, das auf meiner linken Seite stand, in dem ich an der rechten Flanke vorbeimarschierte und nun plötzlich hinter meinem Bataillon agierte. Ich fragte Kommandant Lanusse, was diese Bewegung denn bedeuten sollte. Er antwortete, dass es so gewollt wäre und der Colonel getötet wurde. Ich verstand nun unsere verzweifelte Situation. Ein sofortiger Angriff auf die feindlichen Reihen hätte uns die Möglichkeit gegeben, zu widerstehen. Aber ein entsprechender Befehl wurde nicht gegeben.

Ich hatte mein Bataillon nach den Verlusten seit Beginn der Schlacht leidlich wieder geordnet. Meinen Soldaten hatte ich den Befehl gegeben, dass sie sich für einen Bajonettangriff bereit halten sollten. Zuerst sollten sie nach 10 Schritten eine Salve abgeben und dann ohne erneut wieder die Musketen zu laden, angreifen. Sie versprachen mir, diese Reihenfolge einzuhalten.

Ich sah die englische Linie auf der Höhe von etwa sechzig Schritt auf uns langsam zukommen ohne dass gefeuert wurde. Es schien unmöglich, dem Feind zu widerstehen, da ich nicht genügend Männer hatte. In meiner Verzweiflung wollte ich mit meinem Pferd zu einem englischen Offizier reiten, der wie ich glaubte, der Colonel des Regimentes war. Mit meinem Degen wollte ich ihn vor den Augen seiner Soldaten durchbohren, aber ich gab den Versuch auf. Dieser Offizier hielt seinen Hut in der Hand und sprach mit seinen Soldaten. Seine Gelassenheit hatte eine gewisse Ruhe und Würde, so das ich wieder zu meinem Bataillon zurück ritt.

An der Spitze meiner Männer näherte ich mich dem Feind als plötzlich ein englischer Jäger auf mich schoß. Die Kugel durschlug meine Ferse am rechten Fuß und trat zwischen dem großen und meinem nächsten Zeh wieder heraus. Mein ganzer Fuß war dadurch in seiner gesamten Länge gebrochen.     

Ich blutete stark. Mein rechter Steigbügel war von der Kugel durchtrennt. Lange konnte ich mich daher nicht mehr auf meinem Pferd halten. Ich ließ mich deshalb zur Seite hinabgleiten und landete mit meinem linken Fuß auf dem Boden. Nun versuchte ich zu meinem Bataillon zu kommen um den Feuerbefehl zu geben zu können. Aber das Gelände war mit hohen Gräsern bedeckt und erschwerte mein Fortkommen. Die Schmerzen ärgerten mich und ich versuchte mich selber anzufeuern. Schließlich war ich doch erst 36 Jahre. Aber es half nichts. Die Schmerzen waren doch zu groß und ich konnte somit mein Bataillon nicht erreichen. Ich setzte mich nun auf den Boden und befahl „Feuer!“ Der Rauch hielt meine Soldaten davon ab, mich zu sehen. Ich blieb nun inmitten des furchtbarsten Bajonettkampfes, den ich je gesehen hatte, auf dem Boden sitzen. Ich rief verzweifelt mir zu helfen, bis endlich zwei meiner Soldaten auf mich zukamen. Sie nahmen mich unter meine Arme, aber einer von ihnen wurde sofort getötet, der andere verwundet. Die Reste meines Bataillons, die Gefahr liefen umgangen zu werden, rückten nun zurück. Nach einer kräftigen Salve, wiederum von dem 87. englischen Regiment, brach mein Bataillon zusammen und flüchtete.

Ich hatte zuletzt auf dem Schlachtfeld unter den Toten und Verwundeten gestanden, mein Schwert in der Hand. Ein englischer Unteroffizier, der nicht bemerkt hatte, dass ich verwundet war, bemühte sich, mich mit seinem Sponton zu durchbohren. Er schien betrunken zu sein. Ich bemerkte seine schwankenden Bewegungen. Ich hätte ihn leicht töten können. Ich beschränkte mich aber darauf, ihn mit meiner Dragonne (Quaste) meines Degens ins Gesicht zu schlagen, was ihn allmählich ernüchtert hatte. Ein englischer Offizier, der dies sah, sagte zu mir auf Französisch:

„Sire, Sie können sich nicht mehr verteidigen. Sie sind allein. Ich bitte Sie, sich zu ergeben.“

„Ich tue es“, antwortete ich ihm. „Und zum Beweis, hier ist mein Schwert, aber sag dem Teufel da, dass er mich in Ruhe lässt.“ Das tat er.

Als der Sergeant sah, dass ich schwer verwundet war, bat er herzlich um Verzeihung. Er rief Soldaten an, ließ mich aufstehen und wollte mich behandeln. Schließlich setzten sie mich auf zwei Musketen und brachten mich so zu einem Ambulanzwagen der Engländer, um verbunden zu werden. Die Schlacht war beendet. Die beiden Armeen hatten sich getrennt.

Eine Vivandiére versorgt einen französischen Grenadier.

Was ich befürchtet hatte, war eingetreten. Das 1. Bataillon unseres Regiments, welches sich hinter meinem Bataillon befand, stieß, nachdem es mit den Briten gekämpft hatte, mit meinen Männern zusammen und es entstand dadurch das größte Chaos. Beim letzten Angriff der Engländer wurde der Adlerträger des 1. Bataillons getötet und dessen Adler genommen. Viele tapfere Männer unseres Regiments versuchten den Adler wieder zu entreißen und fanden so einen glorreichen Tod. Dieser Adler wurde von den Engländern teuer erkauft. Viele ihrer Offiziere zahlten mit der Wegnahme mit ihrem Leben. Aber schließlich gewannen sie die Oberhand.

Einen ähnlichen Rückschlag hatte auch unsere die 1. Division erlitten. Sie war erschöpft und zog sich vom Schlachtfeld zurück. General Ruffin, der sie befehligte, General Chaudron-Rousseau und viele andere waren tot. Zahlreiche Verletzte, fünf Kanonen mit Ausrüstung sind in die Hände der Engländer gefallen.

Später als Gefangener erfuhr ich dann, wie hoch die Verluste meines Regiments in der Schlacht von Barrosa waren. Es zählte, am Morgen 1.200 Mann. Der Colonel Autiè und der Bataillonschef Lanusse vom 1. Bataillon wurden getötet, ich wurde verwundet und gefangen genommen. 17 Offiziere und 934 Unteroffiziere und Soldaten wurden getötet oder verwundet. Was für eine Katastrophe!

Gefangenschaft

Als ich am englischen Ambulanzwagen ankam, war ich ziemlich überrascht, Colonel Busch anzutreffen. Es war der Colonel, den ich zu Beginn der Schlacht gefangen genommen hatte. Er erzählte mir, dass er zwei Wunden erhalten hatte und daher sehr müde gewesen sei. Den  Unteroffizier, den ich angewiesen hatte, ihn zu behandeln, hatte er deshalb um Erlaubnis gebeten,  am Fuße eines Baumes zu ruhen. Der Unteroffizier hatte ihn dann bandagiert, weil er selbst verwundet war.  Danach war der Unteroffizier verschwunden und hat ihn nicht wiedergesehen. Als die Engländer das Schlachtfeld besetzt hatten wurde er von seinen Leuten zum Ambulanzwagen geführt.

Colonel Busch bot mir ein Bett in dem Haus an, das er auf der Insel Léon bewohnte. Ich nahm dieses Angebot dankbar an. Er gab nun Zeichen,  um zur Stadt aufzubrechen und wollte, dass ich von seiner Suite in einem Mantel getragen ebenfalls in die Stadt gebracht werde. Die Engländer waren dazu bereit, aber  die Soldaten meines Regiments wollten nicht, dass ich von jemand anderem als von ihnen getragen werde. Diese Zuneigung meiner Männer berührte mich sehr und ich ließ sie gewähren.

Ich hatte ja  bereits erwähnt, dass das Schlachtfeld mit Heidekraut und Dornenbüschen bedeckt war. Da meine Männer sehr geschwächt waren, konnten sie mich im Mantel, der mir als Trage diente, nur in geringer Höhe tragen. Dadurch konnte der Mantel und meine Hose mich nicht lange vor diesen Dornen schützen. Also stand ich wieder auf und sofort begannen an meinem Fuß wieder die grausamen Schmerzen.  Aber ich biss die Zähne zusammen und wollte Colonel Busch folgen, der vor mir getragen wurde. Dieser konnte uns vor den Spaniern (Häufig kam es vor, dass die Spanier verwundete Franzosen auf dem Schlachtfeld töteten.) beschützen.

Bevor ich den Santi-Petri-Kanal passierte, sah ich, wie das spanische Korps sich in einer schlechten Position befand.  Der Kanal war im Rücken dieses Korps und als Rückzugsmöglichkeit war nur eine behelfsmässige Brücke vorhanden. Wären die Engländer besiegt worden, wären alle Spanier ertrunken, getötet oder gefangen genommen worden. Vielleicht wäre auch dann die Insel Léon zur gleichen Zeit genommen worden. Hätten die Spanier die Engländern unterstützt, wäre unsere Armee gezwungen gewesen, unsere Soldaten zu evakuieren und die Belagerung von Càdiz aufzugeben.

In Barrosa, wie vorher in Medelin, hatte der Herzog von Belluno den Sieg verspielt. Er hatte seine ganze Kavallerie und 3.000 Mann bester Infanterie nach Medina-Sidonia geschickt, wo es keine Feinde gab.

Ein Sieg über die Nachhut der Engländer, die sich noch auf dem Schlachtfeld befand, wäre sicher gewesen, wenn er seine ganze Kraft bei sich behalten und er in der Nacht des Kampfes einige Voltigeurkompanien auf das Schlachtfeld geschickt hätte. Dadurch wären die Verwundeten beider Armeen und alle Trophäen in seiner Hand gewesen, die sich noch auf dem Schlachtfeld befanden. Die Feinde, die mehr als 2.000 Mann verloren hatten, eilten nun auf die Insel Léon, während Marschall Victor, der glaubte, alles verloren zu haben, sich ebenfalls zurückzog.

Nachdem ich an einem Boot am Santi-Petri-Kanal vorbeigekommen war, wurde ich in ein Zelt verwiesen, in dem Feldchirurgen Verwundete verbanden. Obwohl ich auf meinen bereits verbundenen Fuß hinwies, musste ich mich trotzdem in das Zelt begeben.  Ich wurde auf den Boden gelegt und es wurde dunkel. Das Zelt wurde nur schwach beleuchtet. Ein tollpatschiger Feldchirurg trat versehentlich beim Hereinkommen auf meinem verletzten Fuß, was zu einer Blutung führte. Einer meiner Männer hatte mir seine Tasche geliehen, um sie mir unter den Kopf zu legen. Aber ein Spanier nahm sie mir. Einen Augenblick später kam ein weiterer Spanier zu mir, klopfte auf meine Epauletten fragte ob diese aus Silber wären.  Als Antwort habe ich dem Dieb einen großen Schlag ins Gesicht versetzt. Das half.

Die spanischen Feldchirurgen wollten  das ich auf einer nicht sehr vertrauenserweckender Pferdekutsche auf die Insel Leon gebracht werde. Ich weigerte mich, weil Colonel Busch mir gesagt hatte, dass er mich abholen würde. Also blieb ich auf dem Boden vor dem Zelt liegen, wo ich zuerst abgesetzt worden war. Endlich kam gegen zehn Uhr abends eine Abteilung von Grenadieren des 20. Englischen Linienregiments (Portugiesisches Infanterieregiment) mit einem Offizier um mich abzuholen. Ich wurde auf eine Trage gelegt, die die Soldaten mitgebracht hatten und wurde damit auf die Insel Léon gebracht. Die Häuser waren beleuchtet, entweder als Zeichen des Sieges oder um den Durchgang der Verwundeten zu erleichtern.

Mehrere Damen näherten sich meiner Trage und boten mir Malaga Wein an. Als ich von Soldaten getragen wurde, hatten sie mich für einen ihrer Offizier gehalten, als ich ihnen dankte, rief aber einer von ihnen: „Ah! Er ist ein Franzose! Wenn ich das vorher gewusst hätte!“

„Nun?“ sagte ein Anderer, „Was macht das? Er ist verletzt und unglücklich!“

„Alles Gute für ihn“, wurde ihm nun daraufhin geantwortet.

Ich kam gegen elf Uhr abends an der Tür des englischen Colonels Busch an. Ich wurde in den Hof gebracht, wo ich dann lange warten musste.  Schließlich kam ein Spanier, um mir zu sagen, dass der Colonel für ihn schon genug sei und ich deswegen nicht auch noch in seinem Haus untergebracht werden könnte. Ich wusste am nächsten Tag, dass der Besitzer des Hauses Spanier war und Einspruch gegen meine Einquartierung erhoben hatte. Die englischen Soldaten waren peinlich berührt.

Ich wurde auf meiner Trage nun ins Krankenhaus gebracht. Auf der Straße wurden wir von einem jungen Engländer angehalten, der als Bürger verkleidet war. Er ließ die Soldaten festnehmen und fragte sie, was geschehen war. Sie erklärten es ihm. Dieser junge Mann bot mir daraufhin sofort ein Bett bei ihm zu Hause an. Er bestand energisch nach meinem anfänglichen Widerstand darauf, dass ich zu ihm gebracht werden sollte. Ich dankte und wir folgten ihm nun zu seinem Haus.

Dieser großzügige Mann gab mir sein Bett, während er das Bett seinens Kammerdieners nahm und gab ihn mir zur freien Verfügung. Er gab  mir seine Kleidung und war sehr fürsorglich. Sein Name war Hervin. Er war Ire und der Cousin von Colonel Busch. Leider verstarb dieser wenige Tage später an den Folgen seiner Verwundungen. Hervin war sehr reich und reiste viel  für seine Ausbildung und zum Vergnügen. Er war gekommen, um den Colonel in Càdiz zu sehen. Der Tod seines Verwandten verkürzte aber seinen Aufenthalt drastisch.

Am 6. März kamen englische Chirurgen zu mir und untersuchten meine Wunde. Sie sagten mir, dass die Knochen zerschmettert waren und das eine Amputation wohl notwendig sein würde. Alles wurde  für eine Operation vorbereitet. Am nächsten Tag sollte es  losgehen.  An diesem Tag jedoch stellte mich Herr Hume, der Chirurg des Herzogs von Wellington, einem anderen älteren Chirurgen vor und bat ihn, sich meine Wunde einmal anzusehen. Er untersuchte mit einer Sonde meine Wunde sehr gründlich und sprach im Anschluß mit Herrn Hume. Ich verstand ihn jedoch nicht, weil er auf Englisch sprach.  Herr Hume übersetzte es mir und sagte:

„Wir werden Ihnen heute nicht das Bein amputieren nach der Meinung meines Kollegen und hoffen, dass Sie es behalten können!“ Und so haben sie mich einfach nur bandagiert.

Am 8.  März wurde mir der Besuch von Lord Stanhope, Aide-de-Camp to the General-in-Chief of the English Army, angekündigt. Er sagte kurz darauf zu mir,  dass der General-in-Chief mich in Kürze besuchen würde. Diese Mitteilung hatte mich sehr überrascht. Ich antwortete, dass der General mir eine sehr große Ehre erweisen würde, aber ich wusste nicht, wer denn dieser General wäre. Der Adjudant lächelte und zog sich zurück. Eine Stunde später erfuhr ich dann, dass es sich bei dem General-in-Chief um seine Exzellenz General Graham, Oberbefehlshaber des britischen Korps in Càdiz, handelte.

General Thomas Graham, Erster Baron von Lynedoch (19. Oktober 1748 – 18. Dezember 1843)

Meine Überraschung war groß, als  ich in der Uniform des Generalleutnants den gleichen Offizier erkannte, den ich zum Zeitpunkt in der Schlacht von Barrosa gesehen hatte.  Dort hatte ich ihn vermeintlich als Colonel ausgemacht und wollte ihn töten. Der General, der mein Erstaunen bemerkte, nahm meine Hand und sagte:

„Nun, Monsieur, wir haben uns auf dem Schlachtfeld hautnah gesehen.  „Es ist wahr, mein General. Aber ich hatte Sie leider in diesem Moment nicht erkannt“, erwiderte ich. „Aber was war dein Plan, als Sie auf mich zukamen?“ Ich sagte es ihm kurz darauf.

Er sagte anerkennend zu mir,  dass er am Tag der Schlacht von Barrosa seine Adjudanten und seine Eskorte hinter die eigenen Linien befohlen hatte, nachdem er ein französisches Regiment bemerkt hatte (gemeint ist die 8ème de Ligne), welches alle Angriffe abwehrte. Deshalb hatte er sich an die Spitze des 87.  englischen Regiments gestellt, um es persönlich gegen den Feind zu führen. Bei diesem entscheidenen Angriff sei er dann auf mich gestossen.

„Ansonsten“, fügte er hinzu, „kann ich Ihnen versichern, dass Sie nichts zu befürchten brauchen. Sie werden hier nichts verpassen. Ich werde alles tun, um Sie für einen Austausch vorzuschlagen. Ich werde Marschall Victor schreiben. In der Zwischenzeit werde ich Ihnen gern finanziell zur Seite stehen. Und wenn Sie wider Erwarten nicht ausgetauscht werden sollten oder ich Sie auf höheren Befehl  nach England zu schicken muß, so steht Ihnen mein Haus in Schottland zur Verfügung. Sie werden dort wie mein eigener Sohn behandelt.“

Ich bedankte mich außerordentlich bei ihm. General Graham war von hoher Statur. Er hatte aufgrund seines Alters weiße Haare, war  aber immer noch wachsam und hatte einen sehr Blick. Er war bereits über sechzig Jahre alt, sein edles und offenes Auftreten zollte  Respekt, auch auf dem Schlachtfeld.

Nachdem der General draußen war, betrat er kurz darauf mein Zimmer mit einem Mann, der gut Französisch sprach. Er fragte mich in meiner Muttersprache, ob ich der verwundete Colonel des  8. französischen Regiments sei. „Ja“, sagte ich. „Ich habe den Auftrag, Sie jeden Tag an einen Tisch mit einem sechsteiligen Essbesteck zu bringen.“ „Sie scherzen! Ich habe Fieber und werden nichts essen.“ „Dass spielt keine Rolle,“ erwiderte er. „Sie werden trotzdem immer bedient werden.“ „Aber wer sind Sie“, fragte ich?“ „Ich bin Franzose aus Paris und bin der Butler seiner Exzellenz General Graham. Ich habe Order. Kommen Sie, gehen Sie bitte zum Tisch mit dem Besteck!“ Dieser wurde nun bereitgestellt.

Auf der Insel Léon befanden sich noch mehrere Offiziere der 8ème de Ligne und anderer Regimenter. Einige darunter waren noch verwundet wie etwa durch Bajonettstiche, andere hingegen hatten ihre Wunden bereits auskuriert.  Umso mehr stieg General Graham in meiner Hochachtung, da er uns Offiziere nicht den Spaniern ausgliefert hatte.

Herr Hume, mein Chirurg, hatte aus Angst vor einer Entzündung meiner Wunde beschlossen, dass sie ständig mit kaltem Wasser übergossen wird.  Trotz all der ganzen Vorsichtsmaßnahmen war ich von Tetanus geplagt. Ich konnte sehen, ich konnte hören, aber ich konnte nicht sprechen oder irgendeine Bewegung machen. Herr Hume sagte zu mir:

„Mein Herr. Sie haben den Tetanus. Die einzige Möglichkeit Sie zu retten ist, dass Sie kalte Wasserduschen erhalten.“ Ich konnte nicht mit Ja oder Nein antworten. So wurden die Duschen die ganze Zeit bei mir angewendet.  Während der Nacht wurde das Wasser in einer großen Wanne auf der Terrasse des Hauses gekühlt. Leider war es im März sehr kühl.

Ich wurde im Hof am Fuße der Mauer gestellt. Mein Diener stützte mich dabei. Dann wurde von der Spitze der Terrasse ein Eimer kalten Wassers über meinen Kopf und über meinen ganzen Körper gegossen. Ich hatte furchtbare Schmerzen. Nach dieser Aktion war ich mit meinen Kräften am Ende.  Doch vom zweiten Tag an konnte ich mit einem „Ah!“ mein das Leid ausdrücken.  Am dritten Tag begann ich, freier zu atmen und meine Gliedmaßen konnte ich auch ein wenig bewegen. Am fünften Tag konnte ich auf einem Stuhl sitzen und ich erhielt weitere Duschen. Mit ging es allmählich besser, aber mein Kiefer blieben geschlossen und meine Zähne waren weiterhin aufeinander gepresst. Mit einer Art Hebel wurde der Kiefer etwas auseinander gezogen , damit ich wenigstens mithilfe eines Trichters Haferflocken, Reis, Brühe und vorallem Opium schlucken konnte. Bei dem Opium wurde jede Nacht dann die Dosis erhöht.  

Am fünfzehnten Tag konnte ich endlich meine Kiefer lockern, ein wenig reden und jede Nacht eine Opiumpille schlucken, die so groß  wie eine Haselnuss war. Erst an diesem Tag konnte ich meine Augenlider schließen. Meine Augen waren eingesunken; sie waren rot wie Blut. Dieser schmerzhafte Zustand begann abzunehmen, sobald ich es schaffen konnte, die Augenlider zu schließen. Ich konnte nicht sagen, dass ich schlief, aber unter dem Einfluss des Opiums ruhte ich und ein Wohlbefinden, das ich nicht beschreiben konnte.

Als ich endlich außer Gefahr war, sagte Herr Hume zu mir:

„Sie hatten Tetanus im dritten Grad. Mehrere meiner Verwundeten waren davon betroffen. Sie sind der Einzige, den ich retten konnte.“

Ich kann den Chirurgen nicht erklären, was ich noch nach dreißig Jahren von dieser Krankheit spüre. Wenn ich aber das Wort Tetanus sage oder höre, dann zieht sich mein Kiefer zusammen, meine Zähne pressen aufeinander und ich spreche mit Schwierigkeiten. So als ob ich die ersten Symptome dieser furchterregenden Krankheit wieder spüre.

Am 1. Mai entfernte der Chirurg aus der Wunde vier Knochenfrakturen, zwei Musketenkugeln und kleine Reste von meinem Stiefel. Er sagte zu mir, dass jetzt wohl alles entfernt sei und das ich bald geheilt wäre.  Es war jedoch notwendig, neue Schnitte zu machen um noch mehr Knochensplitter zu entfernen. Natürlich schloß sich dadurch meine Wunde nicht.

Endlich am 5. Juni , nachdem die tägliche Bandage entfernt wurde, sah ich mit angenehmer Überraschung, dass sich meine Wunde geschlossen hatte. Ich hütete jedoch weiterhin das Bett, aus Angst, dass durch das Gehen die Wunde wieder aufbrechen könnte. Einige Zeit später wollte ich aufstehen, aber es war unmöglich für mich zu gehen, auch auf Krücken nicht. Sobald das Blut auf meinen Fuß zuging, musste ich mich hinsetzen und mein Bein strecken. In dieser Stellung verharrte ich eine längere Zeit.

Ich wäre sicherlich meiner Verwundung erlegen, wenn ich nicht so gut behandelt worden und in einem Krankenhaus  behandelt worden wäre. Ausserdem hat mich während der langen Zeit des Leidens Herr Hervin immer wieder unterstützt. Das ich nicht aufgegeben hatte, war allein sein Verdienst. Seine Fürsorge war großartig.  Als ich mich erholte, kam er, um mich abzulenken. Er kam mit einer Peitsche und ich brachte ihm bei, damit umzugehen. Er lernte, eine Peitsche zu schlagen, übte vor mir und zeigte mir dann seine Fortschritte.

Eines Tages sagte ich zu ihm, wie dankbar ich ihm wäre und es bedaure, dass ich mich dafür nicht erkenntlich zeigen könnte.  „Wenn es dazu kommt“, sagte er, „wird es Ihnen möglich sein.“ Erstaunt fragte ich ihn: „Und wie?“ Sprechen Sie schnell!““Sie haben drei Dinge, die ich gern besitzen möchte“. „Wirklich? Welche denn?“ fragte ich. „Sie besitzen  eine Goldmünze aus der Zeit von der Zarin Katharina der Großen. Dann Ihre polnische Mütze und die kleinen Knochen, die Ihnen von Ihrem Fuß entfernt wurden. Ich werde diese Objekte als kostbare Erinnerungen behalten“. Man kann sicherlich gut vorstellen, wie glücklich ich war, ihm diese Bitte sofort zu erfüllen.

Auf diesem Bild von dem Militärmaler Bucquoy ist links der Bataillonschef Vigo-Roussillon mit seiner polnischen Mütze zu sehen. Diese Mütze hat er sich während des 1. Polnischen Feldzuges 1807 beschafft.

Wäre Colonel Busch nicht seinen Verletzungen erlegen, wäre Herr Hervin in Càdiz geblieben. Als ich nun gesund wurde, hielt ihn nichts mehr dort und er wollte nach England zurückkehren. Als wir uns trennten, haben wir Freundschaft geschlossen. Leider dauerte der Krieg noch sehr lange. Zu meinem großen Bedauern habe ich ihn nie wieder gesehen.

Nachdem also Vigo-Roussillons Gesundheit vollständig wieder hergestellt war, wartete er auf einen Gefangenaustausch. Aber weder Marschall Victor noch der Nachfolger von General Graham, General Crook, konnten sich darüber einigen. So blieb Vigo-Roussillon nur die Möglichkeit , die Sache durch eine Flucht zu beschleunigen.  Doch diese schlug fehl, als er in einer Matrosenuniform einem spanischen Wachposten ins Netz ging, der ihn nicht passieren lassen wollte. Kurz darauf wurde er durch die Gassen von Càdiz als vermeintlicher Spion abgeführt. Einige Bewohner der Stadt hatten davon Wind bekommen und ihm übel mitgespielt. Schwer verletzt kam er in ein Gefängnis unter spanischer Bewachung.

Zurück nach Frankreich

Nachdem Vigo-Roussilon wieder einigermaßen zu Kräften kam, plante er erneut die Flucht. In seiner Gefängniszelle bearbeitete er die Gitterstäbe an einem Fenster, durch dass man gut die Bucht von Càdiz sehen konnte.  Er stand kurz vor dem Ausbruch, als plötzlich ein englischer Adjudant seine Gefängniszelle betrat. Dieser erzählte nun Vigo-Roussillon, dass man sich geeinigt hätte und der Gefangenaustausch mit dem Marquis von Casa-Trevino heute noch durchgeführt werden soll. Allerdings wurde ihm aufgetragen, dass der Austausch nur gültig wäre, wenn er verspricht, nicht mehr gegen Engländer und Spanier  künftig zu kämpfen.  Der Bataillonschef war froh, diese Botschaft endlich erhalten zu haben. Schnell packte er seine Habseligkeiten  zusammen und verließ seine Gefängniszelle. Glücklicherweise hatte niemand die Vorbereitungen für den Ausbruch bemerkt!

Es der 8. März 1812. Lassen wir wieder Vigo-Roussillon zu Worte kommen:

Mit dem Schiff „Revenge“ fuhren wir vom Hafen von Càdiz an die Mündung des Flusses Guadalete (Richtung El Puerto de Santa Maria). Allerdings ging die Flut zurück und so mussten wir in ein kleines Beiboot umsteigen.  Aber das Wasser ging so weit zurück, dass das Beiboot vor auf einer Sandbank nahe des Festlandes stoppen musste. Ein französisches Regiment befand sich an diesem Küstenstreifen. Es war die 8ème de Ligne!  Sobald ich von den Soldaten erkannt wurde, verließen sie ihre Reihen, um zu mir zu kommen. Sie kamen zum Beiboot und schleppten es an Land.

Die Schlacht bei Barrosa fand am 5. März 1811 statt. Also habe ich über ein Jahr mein Regiment nicht mehr gesehen! Von den leitenden Offizieren kannte ich keinen, da nur ich diese Schlacht überlebt hatte (Colonel Autiè und der Bataillonschef Lanusse waren gefallen). Einer der neuen Bataillonschefs, Herr Philippon, bot mir Unterkunft in seinem Haus an. Die Soldaten wollten mich dorthin bringen, wie im Triumph. Ich war sehr gerührt von der Treue meiner Soldaten, die ich vor einem Jahr gegen den Feind geführt hatte. Sie rührten mich zu Tränen.

Am 9. März stattete ich Marschall Soult, Herzog von Dalmatien, Oberbefehlshaber der andalusischen Armee, einen Besuch ab.  Er bat mich um einen Bericht. Ein paar Tage später übergab ich ihm einen Brief über alles, was ich während meiner Gefangenschaft gesehen, gehört oder gelernt hatte. Der Marschall sagte mir ein paar Tage später, dass er sehr glücklich gewesen sei, dass ich wieder zurückgekehrt sei.  Er lud mich daraufhin zum Abendessen ein.

Das Gespräch am Abend führten wir hauptsächlich  über meine  Gefangenschaft und der englischen Armee. Der Marschall sagte zu mir: „Sie sind sehr lange bei den Engländern gewesen und haben sie oft reden hören. Ich möchte, dass Sie mir ihre Meinung über unsere Armee, über unsere Generäle und vor allem über mich, mitteilen. Seien Sie ehrlich und verschleiern Sie nichts!“

Nicolas Jean-de-Dieu Soult, Herzog von Dalmatien, Marschall von Frankreich (29. März 1769 -26. November 1851).

Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Um ehrlich zu sein war ich überhaupt darauf vorbereitet. Ich sagte zu ihm:

„Die englischen Offiziere haben immer mit Wertschätzung vor mir über die französische Armee gesprochen. Viele unserer Generäle genießen unter ihnen den brillantesten Ruf. Was Sie betrifft, Sire, sie betrachten Sie als den ersten General Europas, denn…“ Der Marschall unterbrach mich sofort. „Keine Schmeicheleien! Ich habe Sie um die Wahrheit und Offenheit gebeten.“ „Dem werde ich sofort nachkommen, Sire. Aber lassen Sie mich das Eine noch sagen“ erwiderte ich.

„Die Engländer betrachten Sie als einen der ersten Generäle Europas, der auf dem Schlachtfeld immer eine  gute Position und Aufstellung für seine Armee wählt!“ (Das war wahr.) Der Marschall starrte auf seinen Teller und schien mit dieser Antwort nicht unzufrieden zu sein. Ich fuhr fort: „Aber sie verstehen ihre Kampfesweise nicht, Sire.“

Sofort packte mich der Marschall und sagte energisch: „Ich weiß warum! Es ist die Schlacht von Albuera, die die Engländer meinen. Aber es war dieser Spitzbube von Girard (Kommandeur des 5. Armeekorps), der zum Verlust  der Schlacht führte. Statt in Linie zu marschieren griff er ohne meinem Befehl in der Kolonne an.  Ich schickte ihn nach der Schlacht nach Frankreich zurück.“  Ich konnte sehen, wie diese Sache den Marschall immer noch beschäftigte. Kurz darauf fragte er mich, ob ich nach Frankreich gehen wollte, was ich bejahte, denn ich hatte den Engländern mein Ehrenwort gegeben, nicht erneut gegen sie zu kämpfen. „Wann wollen Sie weg?“ „Morgen“, antwortete ich.

Am nächsten Tag gab mir General Gazan den Befehl, zum Regimentsdepot der 8ème de Ligne in Venloo zu gehen (An dieser Stelle sei erwähnt, dass Vigo-Roussillon in seinem Tagebuch mit keiner Silbe den Abschied von seinem Regiment erwähnt. Dies ist sehr merkwürdig, da er ansonsten alles sehr detailreich beschrieben hat). Er fügte hinzu, dass der Kommissar Marchand mir einen Betrag von 1.500 Francs für Spesen für das vergangene Jahr noch aushändigen werde.  Herr Marchand suchte vergeblich nach diesem Befehl, der nach seinen Worten am Morgen noch unterzeichnet worden war. Er konnte sie nicht finden und sagte mir, dass der Betrag noch nachgeschickt werde. Ich habe diesen Betrag nie erhalten, und die 1.500 Francs gingen mir somit verloren.

Am 11. März 1812 verließ ich das Lager Sainte-Marie in der Nähe von Càdiz, um nach Frankreich zurückzukehren. Der Weg war mittlerweile lang und schwierig für unsere Truppen. Ganz Spanien war in Unruhe; Starke Eskorten, bestehend aus ganzen Regimentern mit Kanonen wurden überall benötigt. Mehrfach waren sie vor unseren Augen in Kämpfen verwickelt .

Wir kamen am 15. Juni in Madrid an und mussten dort am 16. und 17. verweilen. Die Stadt, die stark unter dem Krieg und Unruhen bereits  gelitten hatte,  wurde nun auch von Hungersnöten heimgersucht. Die Guerilla blockierte Madrid ringsherum und viele Häuser lagen in Trümmern. Einige Stadtviertel waren nicht mehr bewohnt und man konnte in jeder Straßenecke Leichen sehen, die nicht abtransportiert wurden.

Ich war in einem sehr schönen Hause untergebracht. Doch bevor ich  meine dortige Wohnung aufsuchte, besuchte ich meinen Landsmann und Freund Colonel Maurin. Er kommandierte ein Regiment der Garde von König Joseph. Maurin lud mich bei sich zum Abendessen ein. Nach dem Essen kehrte ich in meine Wohnung zurück und fand meinen Diener an der Tür. Ich fragte ihn, ob die Pferde gut versorgt sind. Er antwortete mir schlecht gelaunt zurück:

„Es geht den Pferden gut, aber sie wollten mir keine Luzerne (Futterpflanze für Pferde) geben.“ „Merkwürdig“ sagte ich. „Wo sind die Diener?“ „Es gibt keine. Es gibt nur die Herrin des Hauses hier. Sie ist in ihrem Zimmer.“ „Du wirst mich dorthin bringen, ich will mit ihr sprechen!“ Ich war verärgert. Die Wohnung war von der Hausherrin reich an den Wänden verziert. Ich wurde in einen ziemlich schönen Raum geführt, der kaum beleuchtet ware.

„Warum, Madame, wird meinem Diener Luzerne für meine Pferde verweigert?“ Dies Dame zeigte mit ihrer Hand eine Wiege, die in ihrer Nähe war und die ein sterbendes Kind enthielt. Ich sah diese Frau an. Sie war erschreckend dünn und leichenblass. Sie sah meine Verwunderung in meinem Gesicht und erwiderte:

„Es ist drei Tage her, dass ich etwas gegessen habe.diege. Ich habe keine Milch mehr. Mein Sohn und ich werden sterben“. Ich hatte sofort verstanden. Ich rief meinen Diener und ließ ihn nach Fleisch, Brühe, Brot und allem zu suchen, was er finden konnte. Er machte für die  Frau Brühe. Wir ließen sie am Abend und am nächsten Tag unter Aufsicht die Brühe essen. Für das Kind wurde auch etwas gefunden. Wir haben unsere Vorräte und andere Lebensmittel, die wir auftreiben konnten ihnen gegeben. Ihre Diener, die sie verlassen hatten, weil sie sie nicht mehr ernähren konnte, kehren vielleicht wieder zurück. Sie starb nicht während unseres Aufenthalts, aber was wir ihnen ihm gaben, war nicht von langer Dauer. Ich kenne ihren Namen bis heute nicht und wusste nicht, ob sie diese schreckliche Hungersnot in Madrid überlebt hatte.

Wenige Tage vor meiner Ankunft in Madrid hatte ich einen Brief von General Gazan, dem Generalstabschef der Armee Andalusiens, erhalten. Er drückte mir sein Bedauern darüber aus, dass der Gefangenenaustausch nicht vollzogen war. Der Marquis von Casa-Trevino, der für König Joseph Dienste verrichtet hatte, weigerte sich nämlich, nach Càdiz zurückzukehren. Ich hatte es schon befürchtet, also war ich wenig überrascht. Zum Glück war ich materiell frei! Das Versprechen, das ich unterschrieben hatte, dass ich nicht mehr in Spanien dienen sollte, war für mich nun Gesetz.  Ich musste also nur die Reise fortsetzen, um nach Frankreich zu gelangen.

Als wir am 20. Juni in Segovia (nördlich von Madrid) ankamen, erfuhren wir, dass die Armee Portugals (50.000 Mann) unter dem Kommando von Marschall Marmont, auf dem Weg nach Salamanca alle Brücken über den Fluss Douro zerstört hatten. Dadurch kamen wir zunächst auf den Weg nach Valladolid nicht weiter. Wir mussten uns beeilen, da das Gerücht umging, dass die englische Kavallerie in der Nähe war und Marschall Marmont die Verbindung nach Burgos abschneiden wollte.  Erst nachdem unsere Pioniere eine der Brücken wieder repariert hatte,  konnten wir unseren Marsch nach Valldolid fortsetzen. Allerdings saßen wir dort jetzt fest.

Die Armee Portugals, die nun aus Salamanca vertrieben wurde, hatte sich in der Stadt Toro konzentriert. Toro lag nicht weit weg von uns. Sie war durch die Unruhen des Landes  ständig in Kämpfe mit den Guerillabanden in Gefechten verwickelt.  So wie wir nun in Valladolid eingeschlossen waren, erging es der Armee in Toro und sollte ausgehungert werden.  Es gab Banden, die in Valladolid lauerten. Der Gouverneur General D… (Der Name wird von Vigo-Roussillon nicht genannt) konnte nicht ihrer Herr werden, ja er schien mit den Banden zusammenzuarbeiten. General Dombrowski, der unseren Konvoi kommandierte, war empört. Er ging zum Haus des Gouverneurs und es kam zu einer lebhaften Diskussion. Bald wurde ein Duell notwendig. Das Duell wurde mit Pistolen ausgeführt und  General Dombrowski wurde dabei getötet.  Es herrschte nun auch noch Zwietracht nach dem Durcheinander!

Am 24. Juli 1812 griffen die spanischen Guerrillas unter Sorni, Martinez und El-Principe die Stadt Valladolid an, welche sich nun direkt auf der französischen Rückzugslinie befand.  Am 26. Juli , als ich den Kampf mit meinem Fernglas von der Spitze des Glockenturms der Kathedrale beobachtete, sah ich die französische Armee eintreffen. Sie hatte die Schlacht bei den Arapiles (auch die Schlacht bei Salamanca genannt) am 22. Juli an die Engländer verloren. Es wurde berichtet, dass der Marschall Marmont schwer verwundet wurde.

Infanteriekampf während der Schlacht von Salamanca (Arapiles) am 22. Juli 1812. Diese Schlacht war ein wichtiger Sieg für die Alliierten und eine Vorentscheidung im spanischen Halbinselkrieg. Durch den weiteren Vormarsch der Armee Wellingtons westwärts war die Stellung der Franzosen in Andalusien unhaltbar geworden. Bereits schon einen Monat später musste die Belagerung von Cádiz aufgegeben und der Rückzug angetreten werden.

Am 28. Juli wurde beschlossen, Valladolid zu evakuieren und den Rückzug fortzusetzen. Alle  Spanier, die sich bereit erklärt hatten, unter König Joseph zu dienen, waren nun gezwungen, mit ihren Familien der französischen Armee zu folgen, denn die Guerillas machten mit jedem Überläufer kurzen Prozess.  

Am 6. August marschierten wir mit etwa 1.500 Mann starken Eskorte in sehr guter Ordnung, wurden aber durch die englischen und spanischen Gefangenen (etwa 1.200 Mann) und die Verwundeten (etwa 600 Mann), die auf kleinen Ochsenkarren transportiert wurden, aufgehalten. Dazu kamen noch eine große Mengen an zivilem und militärischem Gepäck. Zu den 1.500 Mann an Infanterie hatten wir noch zwei Kanonen, aber keine Kavallerie! Daher sammelte man alle berittenen Offiziere und bildete damit eine berittene Truppe um wenigstens den Anschein von Kavallerie zu erwecken.

Als wir auf die Festung von Pancorbo zukamen, fanden wir die Straße blockiert. Spanische Infanterie hatte sich hinter einer Barrikade verschanzt. Dazwischen befanden sich Kanonen und die Straßenseiten waren von Kavallerie gedeckt. Nun kam es zum Kampf. Unsere Eskorte hatte sich gut geschlagen. Ein niederländisches Regiment, welches ein Teil der Eskorte war, wollte die Verwundeten zurückbringen. Es erlitt aber bei dem Versuch schwere Verluste. 8 Offiziere und 150 Unteroffiziere und Soldaten waren tot oder verwundet. Aber wir passierten nun die Straßensperre und es ging ungestört weiter.

Am 7. August erreichten wir Victoria. Dort mussten wir allerdings auf Truppen warten, die uns nach Frankreich eskortierten sollten. Am 11. August verließen wir mit zwei Infanterieregimentern die Stadt und erreichten am 15. August ohne weitere Geschehnisse Saint-Jean de-Luz. Ein paar Tage später erreichten wir dann Bayonne.

Nun war ich wieder in Frankreich, welches ich fast vier Jahre zuvor verlassen hatte. Es begrüßte mich lachend und gastfreundlich. Ich wurde herzlich begrüßt.  Nachdem ich die letzten 6 Monate nur Not und Verzweiflung in Spanien gesehen habe, war ich froh wieder in Frankreich zu sein. Ja, ich war sogar ein wenig stolz…

Hier verlassen wir nun Vigo-Roussillon. Er sollte Spanien erst 1823 wiedersehen. Am 11. Februar 1813 erhielt Vigo-Roussillon seine Ernennung zum Major und nahm 1814 mit seinem neuen Regiment erfolgreich an der Verteidigung der Stadt Besancon bis zur Abdankung des Kaisers Napoleon teil. Während der „Hundert Tage“ versah er keinen Dienst in der Armee, da er sich dem Bourbonen Luwig XVIII. verpflichtet fühlte. 

Als Colonel des 2ème Regiment de Ligne überschritt er erneut die spanische Grenze im Rahmen der Französischen Invasion nach  Spanien die zur erneuten Wiedereinsetzung des Königs Ferdinand VII. führte. Bis 1832 war er Kommandant dieses Regiments. Dann versah er als Gouverneur der Stadt Grenoble seinen Dienst. 1837 reichte er nach einer 44 jährigen ereignisreichen Dienstzeit seinen wohlverdienten Ruhestand ein. Am 30. März 1844 ist er in Saint-Denis im Alter von 70 Jahren verstorben. 

Die 8ème de Ligne nahm noch weiterhin an der Belagerung der Stadt Càdiz nach Vigo-Roussillons Weggang teil. Am 24. August 1812 musste die Belagerung aufgegeben werden und der lange Rückzug nach Frankreich mit vielen Gefechten und Schlachten begann.  Im Frühjahr 1814 verstärkte das Regiment noch die Armee des Kaiser in Frankreich. Es konnte aber die Kapitulation nicht mehr aufhalten.    

Während der „Hundert Tage“ nahm die 8ème de Ligne an der verhängnisvollen Schlacht von Waterloo teil. Nach der napoleonischen Ära wurde das 8. Regiment d´Ligne wieder aufgestellt. Bitte schauen Sie sich über den weiteren Werdegang dieses Regimentes folgenden Link an: 8. Regiment d´Ligne

   – ENDE –

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8ème Régiment de Ligne – Toujours en avant! (Immer vorwärts!)