Wie der Bataillonschef Vigo-Roussillon den Feldzug in Spanien erlebte – Vierter und letzter Teil – Vom Feldzug in Andalusien bis zur Rückkehr

Francois Vigo-Roussillon, Kommandeur des 2. Bataillons der 8ème.

Der Feldzug von Andalusien 1811

Während das 1. Armeekorps unter Marschall Victor allein die Belagerung oder eher die Blockade von Càdiz fortsetzte, war es in Spanien zu ernsten Schwierigkeiten gekommen.  Napoleon, der immer noch entschlossen war, die Engländer vor allem aus Portugal zu verjagen, hatte diese Aufgabe im Mai 1810 Marschall Masséna anvertraut. Masséna hatte rund 80,000 Mann zur Verfügung. Im Oktober nach anfänglichen Erfolgen war Marschall Masséna mit seinen drei Armeekorps von 65.000 Mann vor den Linien von Torres-Vedras (Torres-Vedras deckte den Zugang nach Lissabon) zum Stillstand verdammt. Die Verteidigungslinien waren einfach durch weitere Hilfe nicht zu durchbrechen. Hinzu kamen grosse Versorgungsschwierigkeiten seiner Armee, denn die Engländer und Portugiesen hatten auf ihren Rückzug nach Torres Vedras die umliegenden Häuser in Brand gesteckt, alles Essbare mitgenommen und die Brunnen vergiftet. Mittlerweile bestand seine Armee nur noch aus rund 36.000 Mann. Sechs Monate sollte nun Masséna vor Torres Vedras ausharren ohne nennenswerte Erfolge zu erzielen..

Karte über die Verteidungslinien von Torres Vedras. Die errichteten Linien von Torres Vedras bildeten ein Rückzugsgebiet für die britisch-portugiesische Armee und sollten den Vormarsch des Marschalls Masséna endgültig aufhalten. Der Marschall wartete vergeblich auf Verstärkung. Nach einem glücklosen Versuch bei Sobral de Monte Agraço am 14. Oktober 1810 wagte er dabei keine weiteren Angriffe auf die Stellungen. Anfang Mai 1811 zogen die Angreifer entmutigt ab und wurden schließlich von Wellington im Oktober 1811 endgültig hinter die portugiesischen Grenzen gedrängt.

Zu Beginn des Jahres 1811 wollte er nochmals die gewaltigen Befestigungen angreifen und die Engländer ins Meer werfen, wenn eine andere französische Armee vom linken Ufer des Tejo her Lissabon angreifen würde. Der Kaiser hatte für diese Operation die Armee von Andalusien, also das 1. Armeekorps unter Marschall Victor dazu bestimmt und Marschall Soult entsprechende Befehle erteilt. Aber Soult gab nur Marschall Mortier den Befehl vorzurücken (Das Scheitern der portugiesischen Kampagne war zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Undisziplin des Marschalls Ney mit Marschall Masséna und den Generälen in Bezug auf die Marschälle enstanden ist. Das Gleiche galt für Marschall Soult, der sich absolut weigerte, Marschall Masséna zu Hilfe zukommen – Anmerkungen des Autors). Schon bald ließ er aber Mortier halten unter dem Vorwand, die Festung von Badajoz zu belagern. Die Festung wurde am 11. März von den Spaniern an Marschall Mortier übergeben. Für Marschall Massèna kam jedoch keine Hilfe. Noch vor der Übergabe der Festung Badajoz ereignete sich jedoch ein Unglück in Andalusien, von dem wir nun berichten wollen.

Die Engländer hatten währendessen zu Anfang des Jahres die Gefahr des Zusammenschlusses der Armeen Massèna´s  und Soult´s vor Lissabon erkannt, die auf beiden Seiten des Tejo´s operierten. Sie beschlossen deshalb, die andalusische Armee unter Marschall Victor im Süden massiv unter Druck zu setzen, in dem sie die Orte Murcia, Granada, Gibraltar und Cadiz weiter verstärkten. So konnte Soult, nachdem er mit Mortier die wichtige Festung Badajoz eingenommen hatte , Massèna nicht unterstützen. Es drohte sonst eine Invasion!

In Italien, um die Eroberung seines Königreichs abzuschließen, musste Murat Sizilien erobern, welches von den Engländern besetzt wurde. Leider gab Murat Anfang Februar 1811 diese Expedition auf. Die Engländer hatten, nach dem sie davon wind bekommen hatten sofort aus Sizilien 4.000 oder 5.000 Männer von ihren besten Truppen nach Gibraltar verschifft.  Diese Truppen vereinigten sich mit anderen Verbänden, die sich bereits in Gibraltar befanden. Im Lager von San Roque kamen noch 12.000 Spanier hinzu , so daß die anglo-spanische Armee  auf eine Gesamtstärke von 20.000 Männer anwuchs.

Lassen wir nun wieder Vigo-Roussillon zu Wort kommen: “ Unser Korps (Gemeint ist das 1. Armeekorps unter dem Befehl von Marschall Victor), welches allein die Belagerung der Stadt Càdiz oblag)  war durch die Belagerung selbst und den Krankheiten des vorhergehenden Sommers stark geschwächt worden. Es konnte nur noch eine Kampfkraft von 8.000 Männern aufweisen.

Das 4. Armeekorps unter General Sébastiani, welches sich zwischen den Städten Granada, Sevilla und Càdiz versammelt hatte, sollte uns unterstützen. Die Engländer, die uns dieser Hilfe berauben wollten, schickten nun das spanische Armeekorps unter General Blake in Richtung Murcia. Zu unserem Unglück konzentrierte Sébastiani sofort sein gesamtes Korps und marschierte gen Murcia und ließ uns allein“.

Am 1. März 1811 befanden sich somit die beiden Marschälle Soult und Mortier vor Badajoz und das 4. Armeekorps unter Sébastiani war in Murcia. Das 1. Armeekorps unter Victor war vor Càdiz. Die andalusische Armee, wie auch das 1. Armeekorps nun genannt wurde, war über eine Länge von 150 lieues (ca. 600 km) verstreut. Es war nun ganz offensichtlich, dass  die andalusische Armee allein der starken Garnison in Càdiz, unterstützt von einer großen Flotte und der anglo-spanischen Armee in San Roque gegenüber stand. Marschall Soult hatte, wenn auch spät, die Gefahr in der sich die andalusischen Armee nun befand, erkannt. Er versuchte nun, die Belagerung von Badajoz voranzutreiben um Marschall Victor zu Hilfe zu kommen.

Es war also zu erwarten, dass unmittelbar bei dieser Lage der Franzosen ein Angriff der Alliierten über das Meer erfolgen würde um den Belagerungsring von Càdiz aufzubrechen. „Wir waren sehr besorgt um den wertvollen Belagerungspark, den wir ein Jahr lang mühsam aufgebaut hatten und um das immense Belagerungsmaterial. Der gesamte Generalsstab bangte nun um den Ausgang der Belagerung bei Badajoz“, wie Vigo-Roussillon in seinem Tagebuch treffend formulierte.

Die anglo-spanische Armee marschierte nun am 1. März mit einer Stärke von ungefähr 20,000 Mann von San Roque in Richtung Medina-Sidonia. Sie zog dann zum Ufer des Meeres  durch die Stadt Conil und gelangte schließlich zu dem alten Turm von Barrosa. Hier sollte eine Verbindung zu der Garnison in Càdiz hergestellt werden. Am 3. März in der Frühe hatte eine Vorausabteilung der Garnison aus Càdiz eine Brücke über den Sancti-Petri-Kanal geschlagen und anschließend den Kanal überquert.  Aber der Vormarsch kam zu früh. Die gegnerische Vorausabteilung wurde von Soldaten der Division Vilatte überrascht, die sich auf der Insel Léon befanden. Schnell wurde der Gegner wieder zurückgetrieben. Dieser erfolglose Vorstoß hatte  den Engländern mindestens 500 Mann an Verlusten gekostet, die im Gefecht umkamen oder ertranken.

Am 4. März erfuhr Marschall Victor, dass die anglo-englische Armee in Vejer de la Frontera angekommen sei und beschloss mit seinem Korps direkt nach Chiclana zu marschieren um den Gegner dort anzugreifen.  Lassen wir Vigo-Roussillon wieder zu Wort kommen:  „Nachdem der Herzog von Belluno (Marschall Victor) die Verteidigungsanlagen und Batterien vor Càdiz ausreichend geschützt hatte, versammelten sich die restlichen Soldaten seines Korps, die noch verfügbar waren. Unsere 2. Division war so stark reduziert und umfasste nur die Regimenter der 8ème, der 54ème  und vier Kompanien der 45ème. Wir übernachteten in der Nähe der Farm Guéra, hinter dem Ort Medina-Sedonia“.

Das riesige Gut Cortijo de Guerra welches Vigo-Roussillon in seinem Tagebuch erwähnt hat. Hier biwakierte die 2. Division Leval am 4. März 1811. Später wurde das Gut als Militärlager von den Franzosen genutzt. Quelle: https://es.airbnb.com/rooms/16567100

Die Schlacht bei Barrosa/Chiclana

Die in der Geschichte zitierten Schlachten sind im Allgemeinen diejenigene, in denen sich die größten Kräfte gegenüberstehen. Diese sind aber nicht immer die umstrittensten, die blutigsten und die furchtbarsten in ihren Ergebnissen. In Barrosa (Chiclana)  machten die Franzosen und die Engländer etwa ein Drittel der beteiligten Streitkräfte aus.  Trotz der Niederlage rettete unser erbitteter Widerstand immerhin uns vor der Demütigung, den grosses Belagerungsring ringsum Càdiz mit seinem Material aufzugeben und zu verlassen (Den genauen Ablauf der Schlacht bei Barrosa / Chiclana am 5. März 1811 können Sie sich gern hier ansehen).

Hier kommt nun wieder Vigo-Roussillon zu Wort: „Am 5.  März verließen wir unser großes Morgenbiwak. Wir machten uns auf den Weg zu der Stadt Chiclana, mit dem Befehl, den Zugang zur Stadt zu sichern. Wir kamen eilig dorthin und hatten die Stadt schon eingenommen, als wir zu unserer Rechten Schüsse vernahmen auf der Seite des Santi-Petri-Kanals. Wir marschierten weiter, bis wir auf den Weg  „Conil-Pinienwald“ stiessen und schwenkten dann rechts in Richtung Pinienwald ab.  Wir fanden dort Truppen aus der 1. Division Ruffin, die sich bereits mit den Briten beschäftigten. Ohne anzuhalten, formierten wir uns in Divisionskolonnen und gingen weiter vor. Wir haben die Engländer vor uns wahrgenommen. Sie waren ca. 5.000 oder 6.000 Mann stark (Englisch oder Englisch-Portugiesisch). Es war die Nachhut der anglo-spanischen Armee. Das war so ziemlich das Einzige, was wir im Moment zu sehen bekamen.

Die Feinde waren ebenfalls in Bewegung und steuerten auf eine Brücke zu, die die Garnison von Càdiz am Tag zuvor auf Santi-Petri geworfen hatte. Ebenfalls  haben dort zwei Kompanien Voltigeure von unserer 3. Division ein Bataillon der spanischen Königsgarde gefangengenommen.

Die spanische Armee war bereits in der Nähe dieser Brücke eingetroffen. Sie zählte etwa 14.000 Mann. Die Truppen der beiden Nationen schienen auf die Insel Leon übersetzen zu wollen. Da sich eine große Distanz zwischen den Spaniern und der Nachhut der Engländer befand,  glaubte Marschall Victor,  so meine Einschätzung, die Engländer getrennt schlagen zu können, bevor sie von den Spaniern unterstützt wurden. Er eilte und wollte angreifen, ohne auf seine Artillerie zu warten.  Diese konnte jedoch so schnell nicht folgen, denn alle Pferde der Artillerie waren bei diesen Wegen sehr erschöpft. Außerdem war unsere Artillerie gezwungen worden, einen großen Umweg zu machen, um einen sumpfigen Bach zu überqueren. Von der ersten Demonstration der Engländer gegen Medina-Sidonia getäuscht, hatte Marschall Victor am 3. März seine  gesamte Kavallerie und 3.000 Mann bester Infanterie dem Feind entgegen geschickt. So waren wir ohne Artillerie und Kavallerie nun auf uns alleine gestellt und der Herzog von Belluno traf in seiner Eile die schlimmsten Befehle.

Nachdem  die 1. Division Ruffin einen Sumpf umgehen musste, marschierte sie nun auf den Bauernhof namens La Casa-Blanca zu. Sie verfolgte die Engländer, die nun zum Meer zurückgingen. Ruffin griff nun den dazwischenliegenden Hügel (Cerro del Puerco) an, auf den sich mehrere feindliche Bataillone und Artillerie Stellung bezogen hatte. Auch unsere Division ging direkt auf diesen Hügel zu.

Der Herzog von Belluno, der vor uns eine Schwadron englischer Kavallerie entdeckte, nahm nun an, dass dies die Spitze feindlicher Kavallerie war. Er ließ unser  8. Règiment de Ligne und ein Bataillon der 54ème de Ligne sofort in Bataillonskarrees formieren (Insgesamt 3 Karrees). Während wir dieses Manöver durchführten, ging der englische linke Flügel (Brigade Wheatley) auf uns zu. Die feindliche Artillerie (4 Geschütze) feuerte indessen auf unsere Karrees. Der Marschall sah dies und war dann plötzlich verschwunden. 

Der General Laplane, Kommandeur 1. Brigade, war ebenfalls nicht auffindbar. Unser Regiment war in Unordnung geraten. Die englische Infanterielinie marschierte auf uns zu. Ich sagte zu unserem Colonel, Herrn Autié, dass wir in der Karreeformation Gefahr laufen, überflügelt zu werden und wir uns dann kaum verteidigen könnten. Der Colonel antwortete, dass ihm ein General entprechende Befehle geben solle. Wir konnten allerdings keinen finden.  Schließlich befahl der Colonel, die Karrees aufzulösen und Divisionskolonnen zu bilden. Dies sollte so schnell wie möglich geschehen. Kaum war unser 1. Bataillon (Lanusse) in Bewegung, als der Colonel rief „À Droite en bataille“ (Rechts zur Schlacht formieren!). Dieser Befehl war für mein Bataillon und das das dahinterliegende Bataillon der 54ème de Ligne unmöglich auszuführen. So entstand eine gewisse Unordnung.  

Schwere Kämpfe während der Schlacht von Barrosa/Chiclana am 5. März 1811.

Ich hatte während des Beschusses kaum mein Bataillon unter den größten Schwierigkeiten in die gewünschte Postion gebracht, als portugiesische Tirailleurs uns ebenfalls unter Feuer nahmen. Sie gingen einem Verband (20. Portugiesisches Infanterieregiment) voraus um uns anzugreifen. Ich blieb bei meinem Bataillon und befahl alle zehn Schritte Salvenfeuer auf den Feind abzugeben. Die Portugiesen erlitten so große Verluste, dass sie kurzerhand flohen.

Ich rannte einem Offizier zu Pferd hinterher, den ich retten wollte. Ich hatte ihn bald erreicht. Es war der Colonel des 20. Regiments. Der Name war Mr. Busch, ein Engländer. Er wurde durch zwei Schüsse verletzt. Ich übergab ihn einem Unteroffizier von meinem Bataillon, der selbst verwundet war und empfahl ihm, den Engländer zu versorgen.

Eine neue Infanterie-Linie, diesmal eine englische (2. Bataillon vom 67. Linienregiment), rückte auf unser Regiment zu. Die Engländer kamen nur langsam auf uns zu, da sie häufig anhielten um sich wieder zu formieren. Die feindliche Artillerie beschoss uns nun mit Kartätschen. Das 1. Bataillon unseres Regiments geriet in schweres Feuer.  Ich befahl meinem Bataillon noch nicht zu feuern. Erst als die Engländer nahe an uns heran waren, befehligte ich eine Bataillonssalve abzugeben. Die Reste des feindlichen Regiments zogen sich nach der Salve augenblicklich zurück.

Ich schlug dem Colonel Autiè nun vor, dass ich mit meinen Voltigeuren die feindlichen Kanonen angreife, während mein restliches Bataillon die feindliche Infanterie, die sich gerade wieder formierte, mit dem Bajonett   fortjagen sollte. Der Angriff wäre sicherlich gelungen, aber der Colonel wagte nicht, den Befehl dazu zu geben. So erhielt mein Bataillon durch das Kartätschenfeuer Verluste ohne das wir entsprechend antworten konnten. Endlich, aber viel zu spät, befahl Colonel Autiè den Angriff.

Die Briten erwarteten nun unseren Angriff. Ich legte die Pistole auf meine Schulter, um sicherzustellen, dass niemand vor meinem Kommando feuern würde. Das 1. Bataillon unseres Regiments (Unter dem Befehl von Lanusse) und ein Bataillon der 54ème de Ligne kamen langsam, aber in Unordnung voran. Ich bemerkte schnell, dass die beiden Bataillone nicht mit mir Schritt halten konnten, da sie bereits sich ein schweres Gefecht mit der feindlichen Infanterie lieferten. Ich musste also anhalten und auf sie warten. Mittlerweile bildete sich vor meinem Bataillon eine Angriffssäule. Ich hatte geplant, diesen Angriff auf mich zukommen zu lassen. Aber dazu hätten auch meinen Flanken entsprechend gedeckt sein müssen.

Einbruch in das 1. Bataillon der 8ème de Ligne. Das Schicksal nimmt seinen Lauf…

In diesem Moment ging der gesamte linke Flügel der Engländer zum Angriff über und ich sah plötzlich das 1. Bataillon, das auf meiner linken Seite stand, in dem ich an der rechten Flanke vorbeimarschierte und nun plötzlich hinter meinem Bataillon agierte. Ich fragte Kommandant Lanusse, was diese Bewegung denn bedeuten sollte. Er antwortete, dass es so gewollt wäre und der Colonel getötet wurde. Ich verstand nun unsere verzweifelte Situation. Ein sofortiger Angriff auf die feindlichen Reihen hätte uns die Möglichkeit gegeben, zu widerstehen. Aber ein entsprechender Befehl wurde nicht gegeben.

Ich hatte mein Bataillon nach den Verlusten seit Beginn der Schlacht leidlich wieder geordnet. Meinen Soldaten hatte ich den Befehl gegeben, dass sie sich für einen Bajonettangriff bereit halten sollten. Zuerst sollten sie nach 10 Schritten eine Salve abgeben und dann ohne erneut wieder die Musketen zu laden, angreifen. Sie versprachen mir, diese Reihenfolge einzuhalten.

Ich sah die englische Linie auf der Höhe von etwa sechzig Schritt auf uns langsam zukommen ohne dass gefeuert wurde. Es schien unmöglich, dem Feind zu widerstehen, da ich nicht genügend Männer hatte. In meiner Verzweiflung wollte ich mit meinem Pferd zu einem englischen Offizier reiten, der wie ich glaubte, der Colonel des Regimentes war. Mit meinem Degen wollte ich ihn vor den Augen seiner Soldaten durchbohren, aber ich gab den Versuch auf. Dieser Offizier hielt seinen Hut in der Hand und sprach mit seinen Soldaten. Seine Gelassenheit hatte eine gewisse Ruhe und Würde, so das ich wieder zu meinem Bataillon zurück ritt.

An der Spitze meiner Männer näherte ich mich dem Feind als plötzlich ein englischer Jäger auf mich schoß. Die Kugel durschlug meine Ferse am rechten Fuß und trat zwischen dem großen und meinem nächsten Zeh wieder heraus. Mein ganzer Fuß war dadurch in seiner gesamten Länge gebrochen.     

Ich blutete stark. Mein rechter Steigbügel war von der Kugel durchtrennt. Lange konnte ich mich daher nicht mehr auf meinem Pferd halten. Ich ließ mich deshalb zur Seite hinabgleiten und landete mit meinem linken Fuß auf dem Boden. Nun versuchte ich zu meinem Bataillon zu kommen um den Feuerbefehl zu geben zu können. Aber das Gelände war mit hohen Gräsern bedeckt und erschwerte mein Fortkommen. Die Schmerzen ärgerten mich und ich versuchte mich selber anzufeuern. Schließlich war ich doch erst 36 Jahre. Aber es half nichts. Die Schmerzen waren doch zu groß und ich konnte somit mein Bataillon nicht erreichen. Ich setzte mich nun auf den Boden und befahl „Feuer!“ Der Rauch hielt meine Soldaten davon ab, mich zu sehen. Ich blieb nun inmitten des furchtbarsten Bajonettkampfes, den ich je gesehen hatte, auf dem Boden sitzen. Ich rief verzweifelt mir zu helfen, bis endlich zwei meiner Soldaten auf mich zukamen. Sie nahmen mich unter meine Arme, aber einer von ihnen wurde sofort getötet, der andere verwundet. Die Reste meines Bataillons, die Gefahr liefen umgangen zu werden, rückten nun zurück. Nach einer kräftigen Salve, wiederum von dem 87. englischen Regiment, brach mein Bataillon zusammen und flüchtete.

Ich hatte zuletzt auf dem Schlachtfeld unter den Toten und Verwundeten gestanden, mein Schwert in der Hand. Ein englischer Unteroffizier, der nicht bemerkt hatte, dass ich verwundet war, bemühte sich, mich mit seinem Sponton zu durchbohren. Er schien betrunken zu sein. Ich bemerkte seine schwankenden Bewegungen. Ich hätte ihn leicht töten können. Ich beschränkte mich aber darauf, ihn mit meiner Dragonne (Quaste) meines Degens ins Gesicht zu schlagen, was ihn allmählich ernüchtert hatte. Ein englischer Offizier, der dies sah, sagte zu mir auf Französisch:

„Sire, Sie können sich nicht mehr verteidigen. Sie sind allein. Ich bitte Sie, sich zu ergeben.“

„Ich tue es“, antwortete ich ihm. „Und zum Beweis, hier ist mein Schwert, aber sag dem Teufel da, dass er mich in Ruhe lässt.“ Das tat er.

Als der Sergeant sah, dass ich schwer verwundet war, bat er herzlich um Verzeihung. Er rief Soldaten an, ließ mich aufstehen und wollte mich behandeln. Schließlich setzten sie mich auf zwei Musketen und brachten mich so zu einem Ambulanzwagen der Engländer, um verbunden zu werden. Die Schlacht war beendet. Die beiden Armeen hatten sich getrennt.

Eine Vivandiére versorgt einen französischen Grenadier.

Was ich befürchtet hatte, war eingetreten. Das 1. Bataillon unseres Regiments, welches sich hinter meinem Bataillon befand, stieß, nachdem es mit den Briten gekämpft hatte, mit meinen Männern zusammen und es entstand dadurch das größte Chaos. Beim letzten Angriff der Engländer wurde der Adlerträger des 1. Bataillons getötet und dessen Adler genommen. Viele tapfere Männer unseres Regiments versuchten den Adler wieder zu entreißen und fanden so einen glorreichen Tod. Dieser Adler wurde von den Engländern teuer erkauft. Viele ihrer Offiziere zahlten mit der Wegnahme mit ihrem Leben. Aber schließlich gewannen sie die Oberhand.

Einen ähnlichen Rückschlag hatte auch unsere die 1. Division erlitten. Sie war erschöpft und zog sich vom Schlachtfeld zurück. General Ruffin, der sie befehligte, General Chaudron-Rousseau und viele andere waren tot. Zahlreiche Verletzte, fünf Kanonen mit Ausrüstung sind in die Hände der Engländer gefallen.

Später als Gefangener erfuhr ich dann, wie hoch die Verluste meines Regiments in der Schlacht von Barrosa waren. Es zählte, am Morgen 1.200 Mann. Der Colonel Autiè und der Bataillonschef Lanusse vom 1. Bataillon wurden getötet, ich wurde verwundet und gefangen genommen. 17 Offiziere und 934 Unteroffiziere und Soldaten wurden getötet oder verwundet. Was für eine Katastrophe!

En arrivant

Fortsetzung folgt!

Zurück

8ème Régiment de Ligne – Toujours en avant! (Immer vorwärts!)