Über 20.000 km auf Schuster´s Rappen – Die 8ème marschiert durch Europa !

Ein Voltigeur der 8ème auf dem Marsch im Frühjahrsfeldzug von 1814

Die 8ème de Ligne war eines der Regimenter, welches nicht am unglückseligen Russlandfeldzug von 1812 teilgenommen hat. Dennoch waren die Marschleistungen dieses Regiments mehr als beachtlich. So hat es in den Jahren von 1792 bis 1815 eine Distanz von ca. 20.908 km absolviert! Dies ist jedoch nur ein grobe Schätzung, wahrscheinlich waren diese viel größer.

Allein in Spanien, wo das Regiment an die 5 Jahre ständig im Kriegseinsatz (In Spanien herrschte von 1808 bis Anfang 1814 ununterbrochen Krieg) war, müssen unheimlich viele Kilometer zusammengekommen sein.  Wie viele es schätzungsweise waren, lässt sich allein schon wegen der ständigen Einsätze gegen die spanische Guerilla nur schwer in Erfahrung bringen.

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Wir sind deshalb von den Orten der Gefechte, Schlachten und anderweitigen Aufenthalten, die in Tagebüchern und Rapporten der Armee  erwähnt worden sind, ausgegangen. Dazu haben wir bei den uns bisher bekannten Offizieren ebenfalls nachgesehen.  Sehr hilfreich war das Kriegstagebuch von Vigo-Roussillon, der von 1808-1811 Chef vom 2. Bataillon der 8ème war. Allein der Marsch von Paris nach Bayonne an der spanischen Grenze betrug 722 km. Die Marschleistung der französischen Infanterie betrug zwischen 30-40 km am Tag!

Besonders aufgefallen ist uns aber der Offizier Lieutenant Jacques Philippe Baillet. Mit 17 Jahren ist er bei der 8ème de Ligne am 25. September 1792 als gemeiner Soldat eingetreten. Er hat an allen Gefechten und Schlachten in den Feldzügen von 1805-1807 (Österreich und Preußen) und 1808-1813 (Spanien) teilgenommen. Dabei hat er den unglückseligen Rückzug von der Aufhebung der Belagerung von Cádiz bis an die spanische Grenze und sogar noch den Frühjahrsfeldzug 1814 in Frankreich mitgemacht. Und das alles zu Fuß! Eine unglaubliche Leistung. Selbst am letzten Feldzug Napoleons 1815 hat er teilgenommen.

Um sich ein Bild über die Marschleistungen der 8ème de Ligne zu machen, haben wir eine Karte von Europa angefertigt. Hier sind die Orte von Schlachten angegeben sowie auch Unterkünfte, wie etwa Berlin, wo sich das Regiment längere Zeit aufhielt. Der Depotstandort der 8ème ist ebenfalls eingetragen.

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Karte über die Märsche der 8ème, die zwischen den Jahren von 1792 bis 1815 erfolgten. Die Schlachten, an denen die 8ème beteiligt war, sind angegeben. Die Gefechte und Scharmützel wurden weitestgehend ausgelassen. Die Karte wäre ansonsten unübersichtlich und damit nicht gut in diesem Maßstab lesbar gewesen. Die rote gekennzeichnete Linie markiert den längsten Marsch (mit Unterbrechungen) der 8ème. Sie führt von Tilsit (1807) bis nach Càdiz (1810). Diese Route hat eine Strecke von rund 3.400 km!

Zu guter Letzt sei auf die Beschreibung der Marschleistungen der einzelnen Waffengattungen von Heinrich von Brandt* hingewiesen, der Folgendes in seinem Buch „Grundzüge der Taktik der drei Waffen: Infanterie, Kavallerie und Artillerie“ aus dem Jahre 1833 (Wir haben den Originaltext belassen.) festgehalten hat:

„Ein Marsch von fünf Meilen (Eine damalige französische Meile (lieue metrique) betrug rund 4 km) wird von der Infanterie in zehn bis dreizehn Stunden zurückgelegt werden können Ein Marsch dieser Art dürfte drei Stunden Ruhe verlangen. Wie diese eingetheilt werden müssen, hängt zu sehr von der Localität mit ab um von Hause aus darüber zu bestimmen Artillerie und Kavallerie wer den zur Zurücklegung derselben Distanz neun bis zwölf Stunden bedürfen, besonders wenn sie nicht einmarschirt sind. Ueber drei Tage wird ein Marsch dieser Art nicht dauern dürfen ohne nachtheilig auf die Truppen zu wirken.

Ein Marsch von sechs Meilen wird eine Ruhe von drei bis vier Stunden erheischen, die Zeit selbst welche nöthig seyn dürfte um diesen Weg zurück zulegen, wird mit durch Localverhältnisse bestimmt werden.  Sind diese nicht zu ungünstig. so werden für die Infanterie zwölf bis sechzehn und für Kavallerie und Artillerie elf bis dreizehn Stunden erforderlich seyn. Sieben Meilen werden dieselbe Erholungszeit wie Märsche von sechs Meilen verlangen, doch wird deren Zurücklegung im Allgemeinen wohl vier Stunden mehr Zeit erfordern.  Sind die Truppen gemischt und wächst deren Zahl, so treten natürlich auch andere Verhältnisse ein. Durch eine gute Marschdisziplin kann zwar sehr viel zur Beschleunigung der Märsche beigetragen werden, doch wachsen bei größeren Colonnen besonders wenn Parke Bagage etc. hinzukommen, die Zeitdauer der Märsche die Unordnung dabei in einem so abnormen Verhältniß, daß man auch durch die genauesten Calcüls selten ein richtiges Resultat erhalten wird.

Eine Marschzeit von achtzehn Stunden ist so lange die Eintheilung nach Marschtagen beibehalten wird, das Maximum. Ein Marsch von 8 Meilen ist unter günstigen Umständen in achtzehn Stunden auch noch ganz füglich ausführbar und wird unter außerordentlichen Umständen bei militairischen Bewegungen noch immer mit in’s Cal cül gezogen werden können, wenn sonst die Truppen durch vorhergehende Märsche oder Fatiguen nicht gänzlich entkräftet wurden.

Auf künstlich beschleunigten Märschen zu denen man Wagen Schlitten etc benutzen kann wird man zehn Meilen in achtzehn Stunden zurücklegen können. Bei den beschleunigten Märschen dieser Art jedoch welche die Franzosen im Innern des Kaiserreichs auf diese Art machten, haben sie innerhalb vier und zwanzig Stunden nie mehr als acht bis zehn Lieues zurückgelegt. Im Norden werden dergleichen Unternehmungen des besseren Fuhrwerks wegen unbedingt ein besseres Resultat geben. Zu dieser Art von Märschen wird ein gewisses Geschick erfordert das man der Regel nach erst erlangt, wenn es zu spät ist. Das Plaziren der Mannschaften auf Wagen besonders des Nachts, das Empfangen und Abfahren der Fuhrwerke etc verursachen nur zu häufig Zeitverlust und Confusion, die man mitunter auch bei dem besten Willen nicht immer verhindern kann. 

Auf Verlängerung der Märsche wirken folgende Verhältnisse besonders:

Eine schlechte Marschdisziplin.

Der dadurch herbeigeführte Zeitverlust kann nicht richtig  geschätzt werden,  in dem er sich täglich und unter allen Verhältnissen anders offenbaren wird.

Schlechte Wege

Führt der Weg über Berge oder ist man genöthigt viel zu steigen so darf man annehmen daß man selbst bei gutem Wet ter und sonst nicht ungünstigen Terrainverhältnis sen zur Zurücklegung einer Meile wenigstens 10 bis 15 Minuten mehr brauchen wird als eben 174 f angenommen ward Ist der Boden aber aufge weicht gleiten die Soldaten beim Marschiren noch öfters aus ist er vielleicht obenein noch zähe so kann der Zeitverlust schon bei Beginn des Marsches auf das Doppelte der obigen Annahme ange schlagen werden ist der Marsch groß sinken die Soldaten bis an die Knöchel ein wie z B vor der Schlacht von Pultusk 1807 so kann gar kein Calcül Satt finden Im Jahre 1806 brachten die französischen Corps von Ney und Lannes als sie unter solchen Verhältnissen durch Kujawien gin gen auf zwei Meilen gewöhnlich den ganzen Tag zu 3

Die Stärke der Colonnen

Wir sahen bereits, wie sich dieß bis zu einer Division gestaltet. Soll mehr wie eine Division auf einer Straße marschiren, so geschieht dieß am besten, wenn Intervalle zwischen den Divisionen sind. Diese werden wenn der Feind nicht in der Nähe ist, am zweckmäßigsten der Bequemlichkeit der Marschirenden gemäß geordnet. In Gegenwart des Feindes pflegt man wohl eine Achtel oder wenn es seyn kann, eine Viertel Meile Distanz zwischen den Divisionen zu lassen Der Zeitbedarf für den Marsch der Colonne wächst mit ihrer Größe, wenn sie in einer Colonne marschiren müssen. 30,000 Mann werden ganz abstrahirt von ihrem Troß, ihrem Train etc wenn sie in einer Colonne marschiren ein Drittel mehr Zeit bedürfen, wie eine Division um ein und dieselbe Distanz zu erreichen wenn sie in Sectionen und etwa ein Viertel mehr, wenn sie in Zügen marschiren. Hierbei versteht es sich von selbst, daß sonst keine Localverhältnisse den Marsch verzögern. Für noch größere Truppenmassen muß man die Hälfte oder zwei Drittel der Zeit mehr annehmen als eine Division gebrauchen würde dieselbe Distanz zurückzulegen. Daß durch eine zweckmäßige Marschdisziplin darauf hingewirkt werden muß, überall Ordnung zu erhalten und somit Beschleunigung des Marsches zu bewirken, bedarf wohl keiner Erwähnung. Auch haben wir bereits gesehen, wie viel und wie wenig hierin geleistet werden kann…“

* August Heinrich von Brandt studierte seit 1805 Rechtswissenschaft und wurde 1807 Fähnrich bei einem der neuformierten provisorischen Bataillone, die gegen Napoleon aufgestellt wurden. Er erhielt nach dem Frieden von Tilsit den Abschied, weil seine Heimat dem Herzogtum Warschau einverleibt worden war, das zur französischen Interessensphäre zählte. Deshalb trat er 1808 in das 2. polnische Weichselregiment ein, ging mit nach Spanien und kämpfte dort mit Auszeichnung. Er kannte sich über die französsiche Armee sehr gut aus. Im Krieg Napoleons gegen Russland wurde Brandt zum Kapitän-Adjutant-Major befördert. Bei Leipzig wurde er schwer verwundet und fiel in russische Gefangenschaft.

Quelle:

https://books.google.de/books?id=MIJDAAAAcAAJ&pg=PA114&lpg=PA114&dq=Marschzeiten+der+Artillerie+zu+Fu%C3%9F&source=bl&ots=TvIY3wN1IP&sig=1BQmD02i3S96DvDYANrQbUrPtl0&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiZ16PJhpPVAhVCnBoKHa9jDPEQ6AEIQzAJ#v=onepage&q=Marschzeiten%20der%20Artillerie%20zu%20Fu%C3%9F&f=false

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Brandt

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8ème Régiment de Ligne – Toujours en avant! (Immer vorwärts!)