Die Struktur der Grande Armée von 1804 –1815 – Die Kavallerie

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Husarenabteilung bei der Aufklärung

Die Kavallerie stellt den adligen Teil der Grande Armée dar. Sie genießt ein enormes Prestige und die brillianten Taten, die ihre Geschichte in hellem Glanz erstrahlen lassen, sind zur Legende geworden. Unvergessen ist der 7. Februar 1807, als die Kavallerie unter Marschall Murat durch ihre Angriffe die Grande Armée rettete.  Am 18. Juni 1815 bei Waterloo ritt sie heldenmütige Attacken, die seinesgleichen suchte.

Die Aufgaben der Kavallerie sind mannigfaltig. Ihr fielen nicht nur die Aufgaben der Aufklärung und Verfolgung zu, sondern sie wurde zu einer respekteinflößenden Waffe im Gefecht und in der Schlacht. Ihre verfeinerte Taktik und straffe Organisation machte sie zu einer fast unverzichtbaren Ergänzung der Infanterie.

  1. Organisation
    • Die Eskadron (Schwadron)
      Sie ist mit dem Bataillon der Infanterie vergleichbar und somit die kleinste taktische Einheit. Generell besteht sie aus zwei Kompanien, jede wiederum zu je zwei Zügen. Eine Kompanie umfasst ca. 100 Mann, die Eskadron besteht somit aus ca. 200 Mann. Die volle Stärke wurde aber nie ganz erreicht (außer bei der Garde). Die Kompanie bestand aus einem Rittmeister (Capitaine), einem Oberleutnant, einem Leutnant, vier Oberwachtmeister (maréchal des logis chef), vier Wachtmeister (maréchaux des logis), einem Fourrier, acht Unteroffiziere (sergeants), einem Trompeter und 82 Reiter.
    • Das Regiment
      Das Kavallerie-Regiment bestand in der Regel aus zwei bis fünf Eskadronen und wurde von einem Oberst (Colonel) kommandiert. Die Stärke eines Regiments schwankte zwischen 400 bis 500 Mann. In jedem Regiment gab es eine Elitekompanie. Diese sollte stets am rechten Flügel reiten und das Gegenstück zu der Grenadierkompanie bei der Infanterie darstellen. Von den beiden Kompanien der 1. Eskadron rangierte sie an erster Stelle.
    • polnischer UlanDie Brigade
      Die Kavallerie-Brigade bestand aus zwei oder drei Regimentern, normalerweise alle vom gleichen Kavallerietyp. Je größer die Regimenter waren, desto weniger Regimenter hatte die Brigade. Eine Kavallerie-Brigade wurde von einem Géneral de Brigade (Brigade-General) befehligt.
    • Die Division
      Eine Kavallerie-Division besteht fast immer aus zwei Brigaden, manchmal verschiedenen Typs. Sie wurde von einem Géneral de Division (Divisions-General) kommandiert.
    • Das Kavalleriekorps
      Zwei oder mehrere Kavallerie-Divisionen wurden manchmal zur Bildung eines Korps verwendet. Sehr oft stellten diese Korps die Reserve für Durchbrüche dar und enthielten einen hohen Anteil an schwerer und Linienkavallerie. Kavalleriekorps wurden normalerweise von einem Géneral de Division oder einem Marschall kommandiert.
  2. Verschiedene Arten von Kavallerie
    Helm und Kürass eines Karabiniers

    • Leichte Kavallerie
      Die leichte Kavallerie in der Grande Armée bestand aus den Husaren, Chevau-léger-lanciers und Chasseur à chéval. Wie der Name sagt, bestand sie aus leicht bewaffneten Männern, die im Idealfall mit schnellen und ausdauernden Pferden beritten waren. Die vielen Aufgaben der leichten Kavallerie zehren während eines Feldzuges sehr stark an den Kräften der Reiter und mehr noch an denen ihrer Pferde. Diese Aufgaben sind das Aufspüren des Feindes, die Aufklärung, das Verschleiern der Bewegungen eigener Verbände, Gefechte, die Verfolgung eines geschlagenen Feindes, Schutz eines eigenen Rückzuges. Die Effektivstärken leichter Kavallerie sinkt während eines Feldzuges wesentlich schneller als die der anderen Waffen, speziell aufgrund erschöpfter Pferde. Von dieser Waffe, die selbst im Vergleich zu anderen Kavallerie das größte Prestige hat, wird immer mehr verlangt als von anderen. Im Allgemeinen ist die leichte Kavallerie ausgebildet, um sowohl in geschlossenen, als auch in offenen Formationen zu agieren. In den meisten Fällen ist sie mit Säbel und Pistolen, oft mit einer Kavalleriemuskete ausgerüstet. Die Chevau-léger-lanciers wurden zusätzlich mit einer Lanze versehen.
    • Linien-Kavallerie
      Die Rolle der Linien-Kavallerie wird zwischen der schweren und der leichten Kavallerie eingestuft. Wenn nötig, sollte die Linien-Kavallerie abgesessen die Aufgaben der Infanterie übernehmen. Diese Rolle führte der Dragoner in der Grande Armée sehr gut aus. Besonders in Spanien waren die Dragoner gefürchtete Gegner. Der Dragoner wurden mit dem Pallasch, Pistole und einem Karabiner ausgerüstet.
Eine Patrouille Chausseurs à Cheval nach Rousselot
  • Schwere Kavallerie
    Die schwere Kavallerie ist der Inbegriff der Stoßtruppen. Sie wurde fast ausschließlich für den Kampf Mann gegen Mann verwendet, sowohl gegen feindliche Kavallerie, als auch Infanterie. Der schwere Kavallerist, bewaffnet mit dem Pallasch, Pistolen und Karabiner,  unterscheidet sich von der restlichen Kavallerie ist erster Linie durch den Helm und den Kürass. Er ist mit einem großen Pferd beritten und manövriert fast ausschließlich in Massen bei vernichtenden Angriffen obwohl er auch bestimmte Aufgaben der leichten Kavallerie übernehmen kann. In der Regel galt es aber als Verschwendung diese Waffe vor einer Schlacht bereits einzusetzen. In der Grande Armée nahmen die Kürassiere und Karabiniers die Aufgaben der schweren Kavallerie war.
  • Die Garde
    Uniformen der GardeulanenWie bei der Infanterie, so schuf Napoleon Gardeeinheiten innerhalb der Kavallerie. Die Garde wurde aus den besten Teilen der Kavallerie gebildet. Sie vertrat fast alle Kavallerietypen. Angefangen mit den Reitenden Grenadieren und Reitenden Gardejägern mit einer Schwadron Mamelucken, später den Gardeulanen und Gardedragonern. Hinzu kamen dann noch die Reitenden Elite-Gendarmen, Bergische Lanciers, litauische Tataren und Eclaireurs. Die Tataren waren bei den polnischen Ulanen eingegliedert. In den späten Jahres des Kaiserreichs wurden dann noch die sogenannte Ehrengarde, bestehend aus vier Regimentern, in dieses Elitekorps aufgenommen.
    Die reitenden Grenadiere bei Eylau
    Die Reitenden Gardejäger (Chasseurs de la Garde au chéval) hatten die ehrenvolle Aufgabe die Leibwache des Kaisers zu stellen.
  1. Die Formationen der Kavallerie
    • Grundsätzliches
      Die Formationen der Kavallerie, abhängig von der zu lösenden Aufgabe, konnten sehr unterschiedlich ausfallen. Es wird klar werden, daß geschlossene Formationen den Effekt eines Angriffes verstärken, während eine mehr oder weniger offene Formation für Aufgaben notwendig wird, die normalerweise der leichten Kavallerie des vorbehalten sind.
    • Die Kolonne
      Diese Formation wurde eigentlich nur für das Annähern an eine Position gewählt, selten im Gefecht. Sie gibt nicht den selben Vorteil der erhöhten Stoßkraft wie bei der Infanterie. Wie bei der Infanterie gab es verschieden Formen der Kolonne: Kolonne zu Vieren (jede Reihe zu je 4 Reitern), Zugskolonne (pro Reihe eine halbe Eskadron), Kompanie bzw. Divisionskolonne (jede Reihe in Breite einer halben Eskadron). In diesen Fall versteht man unter der Division zwei Züge oder eine Kompanie). In jedem Fall standen die Reiter in zwei Gliedern, was gleich bedeutend ist, daß eine Eskadron von 100 Reitern in Zugskolonne eine Breite von etwa einem Dutzend Reitern hatte.
    • Die Linie
      Dies ist die beste Gefechtsformation, in der die Eskadron zu zwei Gliedern die breitest mögliche Front einnimmt. Ein Regiment kann seine verschiedenen sich in Linienformation befindenden Eskadrons in einer durchgängigen Linie, einzeln nacheinander in einer Eskadronskolonne, oder diagonal zueinander versetzt in Bewegungsrichtung, der sogenannten Echelonformation, anordnen.
      Kürassiere beim Angriff in der Linienformation bei Waterloo
    • Die offene Ordnung
      Diese Ordnung, auch oftmals Tirailleurformation genannt, wird für Aufklärungen und ähnliche Aufgaben eingenommen, manchmal aber auch im Gefecht, um den Gegner zu belästigen. Dies geschieht oftmals durch das Feuern aus dem Sattel. Große Verluste ruft diese Aktion nicht hervor. Der aber so provozierte Ärger kann aber beim Feind vorteilhafte Konsequenzen nach sich ziehen.  Zwei oder mehrere Kavallerie-Divisionen wurden manchmal zur Bildung eines Korps verwendet. Sehr oft stellten diese Korps die Reserve für Durchbrüche dar und enthielten einen hohen Anteil an schwerer und Linienkavallerie. Kavalleriekorps wurden normalerweise von einem Géneral de Division oder einem Marschall kommandiert.

Zum Abschluss möchten wir Ihnen einen Kavallerieangriff der Garde Republicaine zeigen, der genau wie bei den oben beschriebenen Formationen vorgetragen wurde:

  

 

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Quellen:
Grundsätzliche Organisation der Armeen – Laurent Deneu
Die Armee Napoleons – H.C.B. Rogers
La Grande Armée – Die Geschichte der Armee Napoleons
– Miguel Ángel Martín Más

8ème Régiment de Ligne – Toujours en avant! (Immer vorwärts!)