Die Uniformserie aus dem Otto Manuskript 1807

Ein gewisser Major Otto von Baden hatte die Grande Armée 1807 in einzigartigen Illustrationen festgehalten. Sie sind weltbekannt als das sogenannten Otto-Manuskript.  Diese Bilder sind beispielos in Ihrer Darstellung und bestechen durch die originalgetreuen, kleinen Details der Kleidung und Ausrüstung der französischen Soldaten Napoleons. Auch hat sich der Künstler mit der 8ème de Ligne näher befasst, was unsere Gruppe sehr gefreut hat.  Die Bilder eignen sich somit sehr gut für unser Hobby im Reenactment. Sie dienten so zum Beispiel als Vorlage für unsere Uniformen. Aber auch für die Bemalung von Figuren sind sie einfach unverzichtbar.          

Der britische Buchautor Guy C., Jr. Dempsey hat in seinem 1995 veröffentlichen Buch, auf welches wir sehr gern hinweisen, zu den Bildern aus dem Otto-Manuskript entsprechend dazu wissenswerte Informationen zu den Uniformen kommentiert. Es lohnt also für jeden Militärinteressierten dieser Epoche sich dieses Buch zu erwerben. In der Quellenangabe können sich über den Verlag und die ISBN-Nummer  informieren.

Unsere Gruppe möchte nun auf dieser Seite die Bilder aus dem Otto-Manuskript zur 8ème de Ligne präsentieren:

Tambour Major der 8ème de Ligne um 1807

Tambour Major vom 8ème de Ligne um 1807

Die prächtige Uniform des Tambour Majors entspricht den bisherigen Studien von typischen napoleonischen Militäruniformen. Mit goldener Spitze besetzt und grossen schmückenden Federn fällt der Zweispitz recht gewaltig aus. Bemerkenswert sind die gefärbten Federn (Eigentlich müssten sie weiss sein wie bei den Marschällen Frankreichs). Die Kokarde entspricht möglicherweise nicht den Vorschriften, denn sie besteht nur aus einem roten Ring. Sie kann aber auch durch den goldenenen Steg verdeckt sein. Die Farbe des Uniformrocks ist schwer zu bestimmen. Sie liegt zwischen dunklem Purpur und Bodensatz von Rotwein. Die Schoßumschläge (echte) des Rockes sind von Innen rot, genauso wie der Kragen und die geraden Rabatten.  Ansonsten ist die Uniform typisch überladen mit goldener Spitze für einen Tambour Major.  Möglicherweise handelt es sich bei diesem Tambour Major der 8ème de Ligne um einen Sergeanten, da der der Kragen mit zwei goldenen Linien versehen ist.   

Der Tambourstab ist mit einer silbernern Kette verziert. Sie wurde von der Spitze des Stabes bis zu der gravierten Kugel gewickelt. Der Tambourstab wurde auch als Hieb- und Stichwaffe in einem möglichen Nahkampf verwendet.  Der Säbel des Tambour Majors ist bemerkenswert. Der Korb ist silber und hat vier Äste. Die Säbelscheide hingegen ist schlicht schwarz. Der Schwertgürtel wird über die Schulter getragen  und ist reich mit Ornamenten verziert. Die Stulpenstiefel fallen hingegen zu der prächtigen Uniform eher schlicht aus.     

Sappeur der 8ème de Ligne um 1807

Sappeur vom 8ème de Ligne um 1807

Der helle Glanz des Sappeurs in seinem weißen Uniformrock muss ein großer Kontrast zum Tambour Major an der Spitze der Marschkolonne des 8. Linienregiments gewesen sein. Auffallend sind die aus Mangel der korrekten Knöpfe die messingfarbenen Knöpfe an der Uniform. Nach Regimentsorder vom Januar 1807 sollte der Sappeur wie folgt gekleidet sein: Weißer Uniformrock mit weißen (siberfarbenen) Metallknöpfen. Die Ärmelaufschläge, der Kragen und die Paspelierung sollen grün sein.

Die Epauletten, der Federstutz und der Behang, die alle in rot gehalten sind, geben dem Sappeur ein martialisches Aussehen. Die Ornamente in Form von gekreuzten Äxten auf dem rechten Arm des  Sappeurs fällt dagegen sehr schlicht aus.  Auffällig ist, dass an der Bärenfellmütze kein Kokarde befestigt ist. Dieser Sappeur ist einer der Wenigen, die mehrere Raquettes (rechte Seite der Bärenfellmütze) haben. 

Die Handschuhe sowie die Lederschürze des Sappeurs sind nicht standardgemäss. Möglich wäre eine Übernahme vom Feind. Das würde auch die dunkelgehaltene Schürze erklären, denn in der französischen Armee waren die Lederschürzen im Allgemeinen geweisst. Die Trageweise der Schürze ist sehr ungewöhnlich. Sie wird über den gesamten Uniformrock getragen. Somit bleibt der Schwertgürtel mit der typisch mit einer Granate verzierten Schnalle unsichtbar. Bei der Axt handelt es sich um eine einfache Ausführung.
 
Nachbildung der Sappeursuniform aus dem Jahr 2008 bei Waterloo. Zur Erstellung dieser Uniform diente uns das obige Bild aus dem Otto-Manuskript zur Vorlage. Hier wurde auch der grüne Kragen, die grünen Ärmelaufschläge und die grüne Paspelierung berücksichtigt. Die Lederschürze ist allerdings standardgemäß geweisst. Der Sappeur trägt eine Überhose.

 

Offizier und Grenadier der 8ème de Ligne um 1807

Offizier und Grenadier von der 8ème de Ligne um 1807
Offizier.
 
Der elegante Uniformrock gleicht erstaunlicherweise dem Rock des einfachen Grenadiers. Dürfte aber aus kostspielerigem Stoff sein. Der Offizier erscheint imposant durch die getragene Bärenfellmütze. Der befestigte Messingschild an der Mütze fällt übernormal groß aus, anders als bei den anderen Regimentern. Besonders auffällig ist der Augenschirm an der Bärenfellmütze. 
 
Die Klinge des leicht gekrümmten Säbels ist gebläut.  Die Breite der Klinge lässt darauf schliessen, dass sie zweischneidig ist.  Diese Waffe wurde bevorzugt von den Offizieren der Elite-Kompanien getragen. Das Säbel-Bandelier wurde bemerkenswerterweise über der Schulter getragen.  Ungewönhlich ist auch, dass der Offizier mit bloßen Händen dargestellt ist. Er trägt normalerweise im Dienst immer weiße oder cremefarbene Handschuhe.  Auch kann man deutlich die roten Patten auf den  Ärmelaufschlägen erkennen. 
 

Grenadier.

Der Grenadier gehört mit dem Offizier zur selben Kompanie. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Uniformröcke sehr ähneln. Der Rock des Grenadiers dürfte aber aus wesentlich gröberem Baumwollstoff gewesen sein.  
 
Die Abbildung zeigt alles in Allem die typische Uniform eines französischen Grenadiers der Linieninfanterie der frühen Kaiserzeit. Mit seiner Bärenfellmütze, den  roten Epauletten, Infanteriesäbel mit dem roten Schwertknoten (Dragonne), roten Behang und einen gewaltigen Federstutz sieht er er sehr imposant aus.  Erstaunlicherweise ist auch wie beim Sappeur eine Kokarde an der Bärenfellmütze nicht zu erkennen. Auffällig ist natürlich auch hier der grosse Messingschild und der Augenschirm an der Bärenfellmütze.    
 
Der Grenadier trägt keine Patten an den Ärmelaufschlägen, wie es ansonsten üblich ist.  Zur Bärenfellmütze trägt der Grenadier zusätzlich einen Zweispitz (auf dem Bild hier nicht zu sehen).
Caporal der Grenadiere 2016 bei Jena in der Uniform nach dem Otto-Manuskript. Im Feld wurden üblicherweise Überhosen getragen, die die unterschiedlichsten Farben hatten.

 

Offizier der Volitgeure der 8ème de Ligne um 1807 

 

Offizier der Voltigeure der 8ème de Ligne um 1807

Die gesamte Bilderserie in Bezug auf das 8. Regiment zeigt, wie nur ein paar grundlegende Varianten die Uniform verändern können innerhalb einer einzigen Einheit.  Dadurch schaut die Uniform des Offiziers der Voltigeure anders aus als die des Offizieres der Grenadiere.  Bis auf die Kopfbedeckung und dem Kragen (Bei den Voltigeuren immer gelb) sind die Uniformen allerdings identisch. Allerdings sind die 3 „Reserveknöpfe“ an der linken Rabatte, wie sie bei der Truppe getragen wurde, falsch.  Der Kragen hat eher eine leicht bräunliche statt eine gelbliche Farbe. 

Der Tschako  scheint etwas höher als das 1806er Modell zu sein. Die Kinnriemen sind vergoldet und der Tschako ist am oberen Rand mit Goldringen verziert. Diese Verzierungen sind für einen Offizier der Linieninfanterie recht ungewöhnlich.  Ungewöhnlich ist auch das Tschakoblech, welches bedeutend von demTschakoblech der Truppe abweicht.  Sie ist allerdings identisch mit dem Tschakoblech des Offiziers der Füsiliere.  Ganz offensichtlich trugen Offiziere und Mannschaften unterschiedliche Taschakobleche.  Auffällig ist natürlich der grüne grosse Federstutz des Offiziers, der wie bei der Truppe auch getragen wird..
 
Die Tragweise des Ringkragens (Gorget) ist nicht erkennbar. Man sieht auf dem Bild nicht, ob und wie er befestigt wurde. Ausserdem scheinen die Epauletten unterschíedlich breit zu sein. Vielleicht liegt es auch an der Haltung des Offiziers.    
 
Voltigeur und Füsilier der 8ème de Ligne um 1807
 
Voltigeur und Füsilier der 8ème de Ligne um 1807

Voltigeur.

Der Voltigeur ist anhand des gelben Kragens leicht erkennbar. Der Kragen selber ist farblich stärker ausgeprägt als bei dem Offizier. Der Tschakobehang besteht aus gelben und grünen Schnüren. Der Federstutz, der Schwertknoten (Dragonne) und die Epauletten sind grün gehalten. Charakteristisch ist die Form des Tschakoblechs.   

Die blaue Patte an den Ärmelaufschlägen ist bemerkenswert, da sie beim Offizier der Voltigeure rot ist.  Dieser Soldat trägt das Modell 1777 einer Steinschlossmuskete, die die Standardwaffe des französischen Infanteristen war.  Eigentlich hätte der Voltigeur eine kürzere Muskete tragen müssen, da die Männer dieser Elitekompanien meist kleiner waren.  Der Künstler gibt die Musketen sehr präzise in seinen Bildern wieder.

Ein Voltigeur der 8ème, hier noch mit einem Zweispitz als Kopfbedeckung. Quelle: www.austerlitz.org

Füsilier.

Dieser Soldat weckt ein besonderes Interesse, weil es ein Füsilier zeigt, der einen Zweispitz zeigt.  Diese Kopfbedeckung wurde in der Grande Armee bis 1806 getragen. Offensichtlich gehörte  die 8ème  zu den Einheiten, wo der Wechsel der Kopfbedeckung 1807 noch nicht vollzogen wurde. 
 
Der Zweispitz geriet zunehmend in Kritik, weil er den Träger weder vor den natürlichen Elementen noch vor Schlägen auf dem Kopf schützte.  Dazu verformte er sich schnell bei schlechtem Wetter und  verschliss relativ schnell. Somit war ein einheitliches und martialisches Aussehen unter Napoleons Truppen nicht möglich.   
 
Die Farbe des Pompons weist auf die 3. Füsilierkompanie hin. Wie jeder Füsilier trägt der Soldat nur ein Bandelier. Der Infanteriesäbel war nur den Elitekompanien vorbehalten. Da die Bajonettscheide nicht  vorn am Bandelier angebracht ist, befindet sie sich hinten. Der Füsilier sollte vorschriftsmässig eigentlich glatt rasiert sein, wie  auf dem Bild zu sehen ist, ist dies aber nicht der Fall.    
 
Füsiliere der 1. Kompanie der 8ème. Quelle www.austerlitz.org
 

Offizier und Füsilier der 8ème de Ligne um 1807

Offizier und Füsilier der 8ème de Ligne um 1807

 

Offizier.

Das ist das einzige Bild aus der Otto-Serie, welches einen Offizier zeigt, der statt eines seiner Kompanie zugehörigen Federstutzes einen weißen trägt. Die Farbe Weiss ist allein dem Regimentschef, seinem Stellvertreter, den Bataillonschefs sowie den Offizieren des Stabes vorbehalten.  Reich verziert ist der Tschako mit vergoldeten Ringen am oberen Ende sowie mit einem vergoldeten Federstutzhalter. Der Tschako sowie das Tschakoblech ähnelt dem des Offiziers der Voltigeure.

Fehlerhaft werden wieder die drei Reserveknöpfe an der unteren linken Rabatte gezeigt.  Entgegen den Vorschriften trägt der Offizier einen Schnurrbart.  Darüber hinaus wird er korrekt  mit den weißen Handschuhen dargestellt. 

Füsilier.

Angesichts der großen Abweichungen der Kleidungsvorschriften in der Napoleonischen Armee ist es nicht verwunderlich, dass dieser Füsilier eine besondere Art eines Pompons auf seinem Tschako trägt. Es scheint eine Houpette zu sein, die aber nur aus einem weißen Ring besteht. Vermutlich handelt es sich um einen Soldaten aus dem Depot, der gerade bei seinem Regiment angekommen ist.  Abgesehen vom Tschako, der dem des Volitgeurs gleicht, ist die Farbe des Tschakobehangs  eine ganz andere. Diese ist nicht wie bei den Füsilieren normalerweise rein weiß, sondern teilweise grau gefärbt. 
 
Darüber hinaus sind die Patten auf den Ärmelaufschlägen rot und die Knöpfe  an den Schulterklappen aussen statt innen angebracht.  Auffällig ist auch die Kolbenplatte der Muskete, die eine Schraube zeigt.   
 
Originaluniform eines Füsiliers de r8ème um 1807-1811 aus dem Musée de l’Emperi.

 

 Quelle:    

 

 Napoleon’s Soldiers: The Grande Armee of 1807 As Depicted in the Paintings of the Otto Manuscript: The Grand Army of 1807 Depicted in the Paintings of the Otto Manuscript (Englisch) Gebundene Ausgabe – März 1995 von Guy C., Jr. Dempsey (Autor)

Verlag: Weidenfeld Military; Auflage: Second Edition (März 1995)

Sprache: Englisch

ISBN-10: 1854092421

ISBN-13: 978-1854092427

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8ème Régiment de Ligne – Toujours en avant! (Immer vorwärts!)