Wissenswertes über den spanischen Feldzug von 1807-1813/1814

 

„Spanien ist ein großes Haus –

 Viele gehen hinein und

 Wenige kommen heraus.“ 

 

Dieser kurze aber prägnante Satz eines Schweizers, der in Spanien in der Grande Armee kämpfte, sagt viel über den furchtbaren Krieg in Spanien aus.

Der spanische Feldzug der vom 22. November 1807 bis zum 4. Juni 1814 andauerte, war besser bekannt als „Peninsular War“ und findet sich hauptsächlich in der britischen Literatur wieder. Das ist natürlich nicht verwunderlich, da die damaligen alliierten Streitkräfte, bestehend aus Briten, Spaniern, Portugiesen und Kontingenten aus Hannoveranern und Braunschweigern nach zähem Ringen die napoleonischen Truppen besiegten.

Auf der französischen Seite war der spanische Feldzug eher unpopulär. So manche  Niederlage und die militärische Unfähigkeit, den Feind zu schlagen, sorgten dafür, dass bis heute nur wenig über die Geschehnisse aus französischer Sicht (Memoiren von Zeitzeugen) geschrieben wurden. 

Zum Teil liegt das auch daran, dass Napoleon in Spanien nur ein kurzweiliges Intermezzo in Spanien gegeben hatte. Nachdem er mit seiner Grande Armee 1808 in Madrid einmarschiert und die spanische Armee fast vollständig vernichtet war, verblieb nur noch ein britisches Expeditionsheer unter General Moore als ernst zunehmender Gegner übrig. Dieser musste sich anhand der französischen Übermacht jedoch geschlagen geben und nach dem Rückzugsgefecht bei La Coruña am 16. Januar 1809 (Er fiel bei diesem Gefecht) wieder einschiffen.

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Karte über den Einmarsch der 8ème de Ligne nach Spanien im Oktober 1808 und dem Rückzug im Dezember 1813 (Durch eine rote Linie gekennzeichnet). Die wichtigsten Gefechte und Schlachten während des fünfjährigen Ringens sind markiert. Das kleine Bild mit dem Regimentsadler der 8ème zeigt den Verlust desselbigen in der Schlacht von Chiclana/Barrosa am 5. März 1811. Der blaue Pfeil kennzeichnet den Weg von einigen Soldaten der 8ème, die nach der verlorenen Schlacht von Bailén zu den Gefängnisschiffen vor Cadiz gebracht wurden. Nachdem die Franzosen die Stadt 1810 belagerten sind die Gefangenen auf die berüchtigte Insel Carbrera gebracht worden.

Da die Österreicher aber Anfang 1809 mobil machten, sah sich Napoleon gezwungen mit Teilen seiner Armee sofort gen Osten in Richtung Österreich zu marschieren. Den spanischen Kriegsschauplatz überließ er seinem Bruder Joseph, den er zum König von Spanien ernannt hatte und seinen Marschällen. Napoleon sollte nie wieder einen Fuß auf Spanien setzen.

Nun richtete er seinen Fokus, nachdem er die Österreicher in sehr verlustreichen Schlachten besiegt hatte, nach Russland. Der unselige Russlandfeldzug 1812 und die daraus resultierenden Befreiungskriege 1813/1814 mit der Abdankung des Kaisers sind hinlänglich bekannt.

Tschakoblech der 8ème aus der Schlacht von Vitoria 21. Juni 1813

Was aber passierte währenddessen in Spanien? Eine ausführliche Dokumentation mit allen Einzelheiten würde natürlich den Rahmen sprengen.  Tatsache jedoch ist, dass der Krieg in Spanien für die französischen Truppen und ihre Verbündeten sehr verlustreich war.  Insgesamt waren ca. 800.000 Soldaten während des Konflikts in Spanien und Portugal eingesetzt (Wehrpflichtige, Freiwillige und ausländische Kontingente). In Bezug auf die Verluste der französischen Truppen, einschließlich der Todesfälle durch Krankheiten (Krätze, Typhus, Ruhr) , Wunden, Gefangene, die in Gefangenschaft gestorben waren, geht man mittlerweile von einer Zahl zwischen 200.000 und 300.000 Mann aus.  Im Herbst 1810 befanden sich in den französischen Militärhospitälern von Spanien 43.000 Kranke und Verletzte. Täglich starben von diesen Unglücklichen 300 Soldaten. Nach Oberst Schepeler, der in englischen Diensten stand wurden in den Hospitälern von Madrid von Januar 1809 bis Juli 1810 24.000  tote Soldaten und 8.000 nicht mehr einsetzbare Soldaten gezählt (nach Episodos Nacionales,Tomo 5, Juan Martin „Empeconado“, Batalla de los Arapiles, Madrid ISBN 84-407-1453 von Benito Perez Galdos, Seite 105 und Seite 107).

Marbot spricht von 200.000 französischen Truppen und über 60.000 Truppen aus Italien, Polen, den deutschen Rheinbundstaaten und aus der Schweiz. Rein statistisch kehrte somit fast jeder Dritte nicht in sein Heimatland zurück!

Noch während dieses unseligen Krieges machte unter den französischen Soldaten folgender Spruch die Runde:

„Gold und Silber für die Generäle und Gräber für uns.“ *

* Quelle Historisches National Archiv, Spanien:
655. Noticias confidenciales sobre sucesos políticos y militares referidos a nuestras
tropas y de los enemigos. Según el informe de 27 de abril desde El Puerto de Santa
María. AHN Diversos-Colecciones, 82, N. 32.

Für Spanien selber war der Krieg eine Katastrophe. Bei der Volkszählung der spanischen menschlichen Verluste und angesichts der Art des Kampfes ist es in vielen Fällen sehr schwierig, die militärischen Opfer von den zivilen zu trennen. Aktuelle Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass die Zahl der Todesfälle in den Reihen der Armee, der Navy und der „Guerilla“ bei 250.000 Männern lagen.
 
Die negativen Auswirkungen dieses Konflikts auf die Gesamtbevölkerung Spaniens sind jedoch nicht nur den unmittelbaren Auswirkungen von Schlachten und kämpfen vorbehalten. Die Epidemien und die langen Zeiträume der Hungersnot, die sowohl die Kämpfer als auch die Zivilbevölkerung betrafen, forderten einen sehr hohen Preis am spanischen Volk.  Die Verluste können auf rund 650.000 Menschen geschätzt werden. Die Jahre, die die höchste Sterblichkeitsraten hatten, waren 1809 und 1812. 
 
Zu diesen furchtbaren Verlusten kam noch die Verheerung des Landes hinzu.
 
Die Verluste bei der alliierten Armee waren ebenfalls beträchtlich. So starben allein 21.412 portugiesische Soldaten während des gesamten Krieges. Ca. 3.650 Mann starben in den Schlachten, aber allein 17.762 Mann an den Nachwirkungen von Verwundungen oder Krankheiten!      
 
Die restlichen Alliierten, bestehend aus Briten, Hannoveranern und Braunschweigern hatten Verluste in Höhe von 30.000 bis 35.000 Mann in den Schlachten zu beklagen. Die Verluste an tödlichen Verwundungen und Krankheiten werden auf das dreifache geschätzt!*
 

* Quellen: http://www.ambulance1809-gardeimperiale.be/historique_01, http://www.napoleonprisonnier.com/napoleon/espagne_bilan.html, http://www.editions-harmattan.fr/auteurs/article_pop.asp?no=8185&no_artiste=13383

Da unser Regiment, die 8ème, fast über 5 Jahre an diesem Feldzug teilgenommen hat, wollen wir aus dieser Perspektive die Geschehnisse dieses Krieges der Öffentlichkeit gern etwas näher bringen. Tauchen Sie mit der 8ème in die Vergangenheit und erleben Sie den Feldzug in Spanien von vor über 200 Jahren.

Lesen Sie, wie der Bataillonschef Vigo-Roussillon den Krieg in Spanien erlebt, der 5. März 1811 der Schicksalstag für die 8ème wird, die geographische Lage Spaniens mit ihren Festungen, die Belagerung von Cádiz und Vieles mehr. Dieser Teil unserer Webseite wird durch weitere Berichte vervollständigt.

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Grenadiere der 8ème

Bitte klicken Sie die jeweiligen Links auf unserer Webseite an.

Die Schicksalsschlacht bei Barrosa/Chiclana

Einsatzorte des 8ème Régiment de Ligne während des spanischen Feldzuges 1808-1813

Die Militärkommission der 8eme

Die Festungen Spaniens 

Das Los der französischen Gefangenenen von 1808 bis 1814

Die Besoldung des 1 . Armeekorps unter Marschall Victor während der Belagerung von Càdiz

Die Bodegas „Hidalgo La Gitana“, „San Francisco“, „Sanchez Ayala“ und der Sherry

Kämpfe mit den Guerillas 

Ein Bericht von Lieutenant Jules Aliberty:

Die Offiziere der 8eme

Vigo-Roussillon und der spanische Feldzug

Die erfolglose Belagerung der Stadt Tarifa

2. Adlerträger der 8ème um 1813

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