Wie der Bataillonschef Vigo-Roussillon den Feldzug in Spanien erlebte – Zweiter Teil – Von Madrid bis nach Talavera

Francois Vigo-Roussillon, Kommandeur des 2. Batallions der 8ème

 

Abmarsch aus Madrid

Am 21. Dezember 1808 marschierte die Division Lapisse aus Madrid  ab und machte in der Nacht des gleichen Tages Biwak zusammen mit der kaiserlichen Garde, nahe der Ortschaft Las Rosas. Es wurde gemunkelt, dass der Kaiser Informationen erhalten habe, dass die Engländer Lissabon besetzt haben. Die Konvention von Cintra hat grosse Verstärkungen erhalten. Es gibt darüber hinaus Brückenköpfe an den Mündungen des Mondego und La Coruña. Diese kombinierten Streitkräfte bilden eine Armee von ungefähr 30.000 Mann. Sie dienen als Rückhalt für die portugiesischen und spanischen Aufstände. Angeschlagene und versprengte spanische Truppen aus vorangegangenen Kämpfen versammeln sich ebenfalls um diese Ortschaften.

Der Kaiser hoffte nun, die feindliche Armee durch einen Angriff überraschend vom Meer abzuschneiden um sie dann vernichten zu können. Diese Überlegung des Kaisers war dann auch die Ursache für den plötzlichen und geheimen Abmarsch aller in Spanien befindlichen Armeekorps.

Beschwerlicher Marsch der französischen Armee in der Sierra Guadarrama

Am 22. Dezember kam die Division Lapisse zum berühmten Kloster von San Lorenzo, besser bekannt als der „El Escorial“. Dann ging es am Fluss Guadarrama in Richtung des gleichnamigen Ortes Guadarrama entlang. Die anderen beiden Divisionen des 1. Korps blieben auf Befehl in Madrid.

Gegen Mittag kamen wir in dem Ort Guadarrama. Das Wetter war schrecklich. In der Ebene fiel der Regen und in den Bergen schneite es unaufhörlich. Ein sehr starker Nordwind jagte den Männer der Schnee ins Gesicht. Ein heftiger Schneesturm pfiff durch die Berge so sehr, dass der weitere Übergang sehr schwierig, wenn nicht gar gefährlich wäre, wie die Bergführer meinten.

Die Division Lapisse und die Infanterie der Garde waren nun im Ort Guadarrama, welcher am Fuße eines grossen Berges war. Der Kaiser kam mit der Kavallerie der Garde. Er bemerkte sofort den Tumult, der sich in der Stadt nun bildete. Da der Sturm immer heftiger wurde, wollten die Männer lieber in der Stadt bleiben. Der Kaiser, der den Engländern um jeden Preis zuvorkommen wollte, rief laut aus: „Was! Dieser lächerliche Wind hält euch auf? Los, folgt mir!“ Der Kaiser begab sich sofort zur Spitze der Kolonne. Die Kavallerie mit General Savary folgte im dichten Schnee, dahinter die Infanterie.

Der Berg wurde nach grossen Strapazen überwunden. Die Infanterie passierte das Kloster von San-Raphaële bei Dunkelheit. Die Männer waren nass bis auf die Knochen und völlig erschöpft. Die Kavallerie verbrachte die Nacht draussen im Schnee ohne abzusatteln.

Verfolgt die Engländer!

Tags darauf marschierte die Infanterie so schnell wie es möglich war. Doch der Zustand der Strassen war erbärmlich. Dazu die schlechte Jahreszeit, die den Marsch zusätzlich behinderte. Bei diesem beschwerlichen Marsch blieben zwei Drittel der Infanterie und die Artillerie zurück. So musste der Kaiser die Marschkolonne anhalten lassen um die Nachzügler wieder aufzunehmen. Schließlich wurde der Ort Secca erreicht. Hier war die Bevölkerung nicht geflohen und die französisschen Soldaten wurden relativ gut behandelt.

Am 27. Dezember marschiert die Kolonne auf Benavente zu und überquert den Fluss Duero bei Tordesillas. Der  Ort Castrogonzales wird am 31. Dezember erreicht. Hier stößt die französische Vorhut auf die Nachhut der Engländer. Die Verfolgung erfolgt nun für mehrere Tage Richtung La Coruña, in der Hoffnung den Feind zu einem Kampf zu verleiten.

Eine Abteilung von fünfhundert Chasseurs à Cheval der kaiserlichen Garde, die den Fluß Elza schwimmend überquert hatte, wurde von englischer Kavallerie (ca. 3.000 Mann) überraschend angegriffen. Ihr Colonel Lefebvre-Desnouettes wurde von den Engländern in diesem Handgemenge gefangen genommen. Da die Franzosen zahlenmässig unterlegen waren, mussten sie den Rückzug antreten. Der Rückzug erfolgte auf der gleichen Route. Die Männer waren bei Ankunft der Vorhut völlig erschöpft.

Auf dieser Karte ist der Marsch Napoleons 1808 (violett), worunter sich auch die 8ème befand, sehr gut ersichtlich.

Am 1. Januar 1809 erreichte die Armee den Fluss Elza. Um den Vormarsch zu verzögern, hatten die Engländer die dortige Brücke gesprengt. Nur mit grosser Mühe wurde der Fluss  überquert. Die sehr steilen Ufer wurden mit Hilfe von Leitern erklommen. Der Übergang fand in der Nacht statt, was die Angelegenheit keinesfalls einfacher machte.

Das Wetter war entsetzlich und der Bach schwoll durch die schweren Regenfälle zu einem reissenden Fluss an. Nur durch die Disziplin der Männer und den Drang, den Feind endlich zu schlagen, ließ dieses Hindernis überwinden.

Die Armee näherte sich Benavente. Zwei Meilen vor dieser Stadt war es notwendig, den Fluss Orbega zu überqueren. Die Soldaten waren bis zu den Achseln im Wasser. Die Kälte war entsetzlich. Das Wasser aus geschmolzenem Schnee war eisig. Die Männer waren ganz nass und als sie an das Dorf Alija angekommen waren, wurde alles Brennbare in die Biwakfeuer geworfen um sich halbwegs auftzuwärmen.

Am 2. Januar wurde die Verfolgung wieder aufgenommen. Am 3. Januar befand sich zum Erstaunen Aller die Marschkolonne auf der grossen Straße Richtung Vallodolid, wo das Hauptquartier des Kaisers war. Der Kaiser hatte wichtige Neuigkeiten erhalten.

Die Briten hatten gehofft, Marschall Soult mit seinem Korps in Burgos am 24. Dezember anzugreifen, da sie wussten, dass Soult vom der Hauptarmee getrennt war. Es war ein Köder, den ihnen den Kaiser zugeworfen hatte. Aber die Briten tappten nicht in die Falle. Einen Tag zuvor, bevor Marschall Ney mit seinem Korps, der auf sie zumarschierte um sie in die Zange zu nehmen, angreifen konnte, stoppten die Engländer am 24. Dezember in Carrión ihren Marsch und zogen sich am nächsten Tag nach La Coruña zurück. Die Natur des Landes erlaubte Ihnen aber nur einen sehr langsamen Rückzug.

Der Kaiser, der zuerst gehofft hatte, den Feind mit seiner Armee bei Burgos überraschend anzugreifen um ihn dann bis nach Astorga zu treiben und zu vernichten, musste seinen Plan nun aufgeben.

Am 2. Januar, als er in Astorga angekommen war, erhielt er einen Brief aus Frankreich deren Wortlaut sofort veröffentlicht wurde. Österreich rüstet auf und Russland sieht tatenlos zu. Es war eindeutig, dass der Krieg mit Österreich an der Donau in den ersten Frühlingstagen stattfinden würde.

Grenadiere der 8ème beim beschwerlichen Marsch durch Spanien.

Der Kaiser gab dann Marschall Soult den Befehl die Verfolgung der Engländer voran zu treiben. Marschall Ney sollte ihn dabei unterstützen. Die Engländer glaubte er schon besiegt und kehrte nach Valladolid zurück. Von dort traf er Vorbereitungen für den Krieg gegen Österreich. Mit seiner Garde machte er sich auf den Weg nach Frankreich. Der Kaiser selbst war am 22. Januar wieder in Paris.

Das Gros des 8ème Regiment de Ligne sollte weiterhin in Spanien bleiben. Das neu aufgestellte 4. Bataillon der 8ème sollte an den verheerenden Schlachten von Aspern und Wagram in Österreich teilnehmen.   

Vigo-Roussillon wunderte sich später nur, nachdem der Feldzug in Österreich mit dem Sieg in Wagram endete, der Kaiser als bizarres Ergebnis Marie-Louise, Erzherzogin von Österreich, im Jahre 1810 ehelichtete.

Es ist bekannt, dass Marschall Soult die Engländer hatte entkommen lassen. Aber der Kaiser hatte selbst verfügt, dass künftig Soult (nicht mehr Jourdan) den Oberbefehl über die französische Armee in Spanien erhielt. Marschall Ney wurde ihm zur Verfügung gestellt.

Die 20.000 Mann der englischen Armee befanden sich bereits in großer Unordnung, gefolgt von den vortrefflichen 30.000 Mann Soult´s. Die Streitmacht von Sir John Moore lief die größte Gefahr vernichtet zu werden, da nach ihrer Ankunft in La Coruña, die Flotte, die sie aufnehmen sollte, erst spät kommen sollte. Aber Marschall Soult verlor 3 wertvolle Tage in Lugo und 4 weitere Tage vor La Coruña ohne das er es wagte, die Engländer anzugreifen. Sie entkamen.

Vor der Abreise aus Valladolid hatte Napoleon entschieden, dass die Division Desolles zurück nach Madrid abmarschieren sollte. Die Division Lapisse, die getrennt vom 1. Armeekorps (Das 1. Armeekorps befand sich mittlerweile in der Provinz Alt-Kastilien) war, wurde bald ins obere Tal des Tejo gesandt, um Madrid westwärts zu decken. Aber nun weiter zum Kriegstagebuch von Vigo-Roussillons, welches sich mit der Einnahme von d´Alcantara, der Einnahme von Zamora´s und einer der wichtigtsten Schlachten des Krieges, nämlich der Schlacht von Talavera, befasste.

Die Entscheidungsschlacht von Talavera

Joseph war wieder König in Madrid. Napoleon gab ihm, als Chef des Generalstabes, oder eher militärischen Mentor, Marschall Jourdan zur Seite. Die Divison Lapisse war endlich wieder vereint mit dem 1. Armeekorps Korps, welches noch immer unter dem Kommando von Marschall Victor stand. General Sébastiani ersetzte den bisherigen Kommandeur Marschall Lefebvre, der in Toledo das 4. Armeekorps befehligte.

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Joseph Bonaparte, König von Spanien und Bruder des Kaisers Napoleon

Marschall Soult marschierte über Vigo mit seinem Armeekorp nach Oporto. General Moore wurde in La Coruña getötet. Neuer Kommandeur über die britischen Truppen in Portugal war Sir Arthur Wellesley. Es wurde dort eine britisch-portugiesische Armee gebildet, die durch die spanische Armee verstärkt wurde. Diese befand sich nun im Tejo-Tal.

Seit mehr als einem Monat hatte die 8ème in Almaraz am Ufer des Flusses Tejo ihr Quartier. Nun bereitete man sich auf den bestehenden Marsch vor. In der Nacht vom 20. Juni 1809 wurde die aus Booten bestehende Brücke, an der ständig gearbeitet wurde, gänzlich abgebrochen. Tags zuvor erschienen Guerillas unter Don Gregorio De La Cuesta am linken Flussufer. Mit der Nachhut der 8ème gab es Scharmützel aber ohne Ergebnisse.

Am 21 Juni überquerte das 1. Armeekorps den Fluss Tietar (Nebenfluss des Tejo) und blieb dort. Auf dem weiteren Weg nach Oropeza wurde jeden Tag biwakiert.

Das Armeekorps litt furchtbar an Hunger. Mehl war zwar vorhanden, aber auf Grund der vielen Märsche reichte kaum die Zeit, um ausreichend Brot für die Soldaten zu backen. Und in den Häusern, wo grosse Backöfen meist vorhanden waren, durfte nicht gebacken werden, da diese Häuser häufig von ranghohen Offizieren als Quartier genutzt und diese nicht gestört werden wollten. Die Beschwerden und Unzufriedenheit der Soldaten nahmen mit jedem Tage zu.

Es war tagsüber sehr heiß und trotzdem wurde am Tag marschiert.  Vigo-Roussillon konnte nicht verstehen, warum nicht in der Nacht marschiert wurde.  Gerade am Mittag  schien die Sonne unbarmherzig. Am Wegesrand lagen schon viele tote und kranke Soldaten. Sie wurden hinter der marschierenden Armee auf Karren zusammengepfercht . Viele der Kranken starben vor Erschöpfung, da es an Wasser und Proviant mangelte.

Der Kaiser war erstaunt über die hohe Anzahl an Verlusten, waren doch nach seiner Meinung der französischen Soldat am Besten ausgebildet. Am 25. Juni erreichte das Korps Oropeza. Am 26. Juni biwakierte es in der Gegend von Talavera.  Am 28. Juni kamen die 8èm de Ligne durch die Stadt am Fluss Tejo, etwa eine Meile, wo der Fluss Alberchein in den Tejo mündet.  Die Stadt liegt ganz auf dem rechten Ufer des Flusses Tejo. Die 8ème überquerten den Fluss Alberche und nahm Stellung in dem Winkel, des Tejo und des Alberche.  In dem vorhandene Wald war der Boden dort mit sehr viel Unterholz bedeckt, so daß sich die Soldaten  Laubhütten bauten konnten.  In der Division Lapisse gab es 12 Infanterie-Regimenter  (16ème légère, 8ème, 45ème und 54ème de Ligne), jedes zu 3 Bataillonen stark. Sie war mit 6.862 Mann die stärkste Division im 1. Armeekorps. Entsprechend wurden Gassen zwischen den Bataillonen gebaut . Zur Rechten befand sich der Fluss und zur Linken die grosse Strasse.  Selbst an die Küchen wurde gedacht.  Bei dem Ort Cazalegas wurde so mehr als drei Wochen gelagert. 

König Joseph kam aus Madrid in das Lager des 1. Armeekorps und hielt eine Parade ab.  Es schien, als ob sich die englisch-porugiesische Armee uner Wellesley und die spanischen Truppen unter Cuesta und Venegas Gregorio Richtung sich vereinigen würden und in Richtung Madrid marschieren wollten.  Am 22. Juli stand die Avantgarde des Feindes  vor Talavera. Die 1. Infanterie-Division unter General Ruffin , die vor Talavera Stellung bezogen hatte, zog sich nach einer ganztätigen Kannonade eine Meile zurück, wo sie wieder Verbindung zum Armeekorps hatte und biwakierte dort. Talavera wurde vom Feind besetzt.
 
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Marschall Victor, Befehlshaber des 1. Armeekorps
Die englische Armee , die unter dem Befehl von Sir Wellesley stand, marschierte aus Placensia kommend nach Talavera. Dort vereinigte sie sich mit der spanischen  Armee unter General Cuesta.  Die feindliche Armee bestand nun aus etwa 60.000 Mann, darunter 26.000  Briten und Portugiesen. Marschall Victor verfügte über  nur noch 22.000 Mann. Am 23. Juli begnügte man sich lediglich mit einer Kannonade auf beiden Seiten.  Am 24. Juli  zog sich das 1. Armekorps in der Nacht zurück. Die 8ème de Ligne ging durch den Ort Santa-Ollala, wo sie ein Scharmützel mit der Kavallerie der feindlichen Vorhut hatte.
 
In  dem Ort Torrijos wurde dann campiert.  Am nächsten Tag,  wartete das 1. Armeekorps auf Verstärkungen und die 8ème nahm eine Position auf dem linken Ufer eines Baches ein, der seine Quelle in  Sierra de Guadarrama hatte und die entsprechend seinen Namen trug.  Eine Brücke sicherte den Übergang.  In der Nacht erreichte das 4. Armeekorps unter General Sebastiani mit ca. 15.000 und 30 Kanonen, die Kavallerie-Reserve unter General Latour-Maubourg mit ca. 5.200 Mann und 12 Kanonen und die Garnison aus Madrid unter dem Befehl des Generals Dessoles das Camp des 1. Armeekorps. Mit ihm kam der König Joseph, der Marschall Jourdan und die Garde des Königs direkt von Madrid aus. Die Garnison hatte eine Stärke von ca. 5.000 Mann und 14 Kanonen.  Insgesamt bestand die französische Armee nun aus rund 45.000 Mann und 104 Kanonen unter dem offiziellen Oberbefehl von König Joseph (Ordre de Bataille de la Bataille de Talavera). Nach Ankunft dieser Verstärkung gingen die Franzosen nun zur Offensive über.  Am 26. Juli marschierte die Infanterie in Divisionskolonnen vor.  Aber der Feind kam nicht in Sicht.  Der Ort Santa-Ollala wurde wieder passiert.
 
Der 27. Juli
 
Am nächsten Tag, den  27. Juli  setzte die Armee ihre Bewegung fort in der gleichen Marschordnung wie am Vortag. Die Infanterie litt bei dem Marsch sehr unter der heißen Sonne. Als die Franzosen in der Höhe am ehemaligen Biwak in Cazalegas angekommen waren, wurden feindliche Scharfschützen entdeckt, die auf die Vorhut schossen.  Als das Gros der französischen Truppen die feindliche Vorpostenkette erreicht hatte, wurde während des Ladens die Trommeln von allen Tambours geschlagen. Vigo-Roussillon schrieb in seinem Tagebuch später, dass er den unerträglichen Lärm bei seinem Bataillon nach einem Vorwand gestoppt hatte.
 
In der gehabten Marschordnung (Divisionskolonne) wie am Vortage marschierten die Franzosen zum Ufer des Flusses Alberche.  Das 16. leichte Infanterieregiment war an der Spitze der Division Lapisse, die Linienregimenter der 8ème, der 45ème und der 54ème marschierten dahinter. Versteckt im Unterholz auf der anderen Flussseite eröffnete eine britische Einheit plötzlich und unerwartet das Feuer vor allem auf die 16ème légère, die sich tapfer wehrte aber doch einige Verluste hinnehmen musste.  Dieses erste Kampfgeschehen zeigte nun die Positionen des Feindes und bestimmte die weiteren Bewegungen des 1.
Armeekorps unter Marschall Victor.
 
Bereits am 27. Juli 1809 kam es zu einem kleineren Zusammenstoß zwischen den feindlichen Armeen, als die britische Infanterie nahe den Ruinen von Casa de las Salinas Position bezog. Etwa um zwei Uhr nachmittags rückte französische Infanterie vor, um in dem zerklüfteten Gelände, das obendrein noch mit Olivenbäumen und Wald durchzogen war, Stellung zu beziehen. Die britische Brigade Donkin sowie Teile der Brigade MacKenzie wurden von der französischen Division Lapisse‘ überrascht. Die beiden Regimenter der Brigade Donkin wurden ebenso überrannt wie ein weiteres britisches Infanterieregiment. Nur mit Mühe gelang es, die britischen Soldaten in einer Auffangstellung zu sammeln. Als sich britische Kavallerie näherte, verlangsamte sich der französische Angriff. Die Pause nutzten die britischen Truppen, um sich in die Hügelkette zurückzuziehen. Dieses kleine Gefecht kostete 100 französische Gefallene und Verwundete, während 400 britische Soldaten starben, verwundet wurden oder in Gefangenschaft gerieten. Die Franzosen gingen im Anschluss gegenüber der alliierten Armee in Stellung. Auf der Übersicht sieht man auch gut die Angriffsweise des 1. Armeekorps. Quelle: Wikipedia
 Nachdem die Division den Fluss Alberche überquert hatte, wurde der Feind bis zur Höhe von Talavera zurückgedrängt.  Dabei wurde weiterhin in der selben Schlachtordnung marschiert,  trotz des sich veränderten Geländes.  Die Artillerie der Franzosen feuerte noch bis zum Abend hinein in die Stellungen des Gegners.
 
Tor zur Stadt Talavera (zeitgenössische Zeichnung)
 
Die französische Infanterie hatte nun ihrerseits ihre Stellungen erreicht und bereitete sich nun auf einen Angriff vor.  Allerdings, so schrieb Vigo- Roussillon später, stellten die Kommandeure ihre Einheiten in gefährlicher Art und Weise wieder sehr dicht auf. Das lud den Gegner regelrecht zum geballten Salvenfeuer ein.
 
Die Franzosen gingen nun gegen den Cerro de Medellín vor und versuchten diesen zu besetzen, um diese vorteilhafte Position für den nächsten Tag zu sichern. Gegen neun Uhr abends überquerten Teile der französischen Infanterie-Division Lapisse den Höhenkamm und überrannten die Infanterie-Brigade der King’s German Legion (KGL) unter Oberst Löw. Die 8ème de Ligne war an diesem Angriff beteiligt, denn Vigo-Roussillon schrieb in seinem Tagebuch später, dass der Gegner bei diesem Angriff einige Verluste an Toten und Verwundeten hatte hinnehmen müssen. Aus der zweiten Linie marschierte unter Befehl von Major General Rowland Hill die Brigade Stewart vor und trieb im Nahkampf binnen kürzester Zeit die Franzosen wieder vom Hügelkamm.
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Übersicht der beteiligten Truppen in der Schlacht von Talavera. Hiers sieht man auch die Stellung der Division Lapisse, die mehrfach versucht hat, den Berg Cerro de Medellin einzunehmen.

Vigo-Roussillon schreibt, dass kurz danach der Mond aufging. Die Franzosen konnten gut die englische Armee überblicken, während die Engländer die Stellung der Franzosen nicht so gut ausmachen konnten. Eine dauerhafte Besetzung des Cerro de Meddelin unterblieb, da sich König Joseph, der sich noch in im alten Lager von Cazalegas befand, zu keinen weiteren Angriff entschliessen konnte..  Der Abend des 27. Juli endete somit ohne weitere Ereignisse.

Der 28. Juli

Die Morgenattacke
 

Gegen fünf Uhr morgens eröffneten in der Nacht aufgestellte französische Batterien das Feuer auf die britischen Stellungen. Eine halbe Stunde später begann dann auch die französische Infanterie vorzugehen. Dabei gerieten die Franzosen bald in das Feuer der vorgeschobenen leichten Infanterie. Diese ließ sich zurückfallen, bereitete aber den vorrückenden 5.000 Franzosen der Division Ruffin die ersten Verluste. Auf Musketenreichweite feuerte die britische Infanterie eine vernichtende Salve, die dem französischen Vormarsch ein abruptes Ende setze. In den kommenden Minuten folgte ein reines Feuergefecht auf engstem Raum, bis die britische Infanterie der Division Sherbrooke zum Bajonettangriff vorging, und die Franzosen überhastet flohen.

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Die 24ème de Ligne der 1. Division Ruffin auf der Anhöhe des Cerro de Medellin. Das 29. Linienregiment (Worcestershire) der Briten geht zum Gegenangriff über. Quelle: http://www.worcestershireregiment.com/wr.php?main=inc/h_talavera

Die Nachmittagsattacken

Gegen zwei Uhr nachmittags wurden 4.600 deutsche Soldaten der Division Leval des Rheinbundes gegen das alliierte Zentrum geschickt. Diesen gelang es, die vorgeschobenen britischen Posten zurückzudrängen, doch scheiterte der Angriff an einer befestigten spanischen Artilleriestellung mit zehn Geschützen und dem Feuer der britischen Infanterie. Die badischen Bataillone wurden durch die Artillerie schwer getroffen. In dieser Situation ging die britische Brigade unter Henry Frederick Campbell zum Gegenangriff vor, wobei Teile der Division Leval überrannt wurden. Dadurch wurde auch der Rest der Division, der nahezu unbehelligt mit den Spaniern gekämpft hatte, ebenfalls zum Rückzug gezwungen.

Um drei Uhr nachmittags erfolgte ein erneuter französischer Angriff durch die Divisionen Lapisse und Sebastiani auf das britische Zentrum und insbesondere auf die Truppen der 1. britischen Infanterie-Division. Alle vier Brigaden warteten bis zum letzten Moment, bis sie auf kürzeste Distanz das Feuer auf die Franzosen eröffneten und dann sofort mit dem Bajonett angriffen. Allein die Verluste durch die geschlossene Salve waren katastrophal auch der badische Generalmajor Heinrich von Porbeck fiel bei dem Angriff. Gegen vier Uhr nachmittags wurde die Division Leval erneut zum Sturmangriff vorgeschickt. Auch diesmal wurden die deutschen Rheinbundtruppen durch Salvenfeuer im Anmarsch dezimiert, dem ein Bajonettangriff in Verbindung mit einer Kavallerieattacke der Spanier ein Ende setze. Die Division Leval zog sich ungeordnet zurück. Derweil stoppte die Division Sebastiani den von der 1. britischen Infanterie-Division vorgetragenen Angriff.

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Französische Linieninfanterie im Kampf bei der Schlacht von Talavera. Quelle: http://www.fotolibra.com/gallery/670296/victoria-cross-gallery-battle-of-teb/like/

Gemeinsam mit den Resten der Division Lapisse und Reserven gingen die Franzosen alsbald zum Gegenangriff über. Im Rückzug auf Ihre alte Position wehrten sich die britischen Truppen verzweifelt. Ein Zusammenbrechen der britischen Front konnten nur die Reserven der Brigade MacKenzie verhindern, die in die erste Linie gezogen worden waren und sich der Übermacht der Franzosen für fast 45 Minuten nahezu alleine stellten. Nachdem die französischen Truppen zudem von der britischen Kavallerie angegriffen wurden, brach dieser Angriff zusammen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die britischen Reserven der Brigaden Mackenzie und Donkin auf der einen Seite und die Franzosen andererseits nahezu ausgelöscht. Den Briten gelang es, ihre aufgelöste Infanterie in der zweiten Linie wieder zu sammeln. Der französische Gegenangriff der Division Lapisse verzögerte sich, während die zum Rückzug gezwungenen britischen Bataillone gesammelt wurden. Auf kürzeste Entfernung trugen beide Seiten einen Nahkampf aus, den die Franzosen schließlich verloren gaben, nachdem die französische Division Sebastiani den Rückzug angetreten hatte. Nach vier Uhr nachmittags versuchten die Franzosen, die Höhenzüge nordwärts zu umgehen. Ein Kavallerieangriff der Briten brach allerdings zusammen. Dennoch traten die Franzosen gegen 20 Uhr den Rückzug an, da sie glaubten, an ihren Flanken umgangen worden zu sein. Quelle: Wikipedia

Soweit der offizielle Bericht zur Schlacht von Talavera vom 28. Juli 1809. Aber wie erlebte Vigo-Roussillon als Kommandeur des 2. Bataillons der 8ème das Geschehen?  Hart ging er mit den Kommandeuren der Armee ins Gericht.  Die  Marschälle Jourdan und Victor gingen siegesgewiß in die Schlacht und bisher hatte die französische Armee fast immer gesiegt und keine ernsthaften Rückschläge hinnehmen müssen.  Die Sorglosigkeit, mit der die Marschälle ihre Truppen bei Talavera führten,  sollte böse Folgen haben. 

Präzise gab er die Stellungen der Allierten wieder:  Auf dem rechten Flügel der feindlichen Armee befanden sich die Spanier unter dem Befehl von General Cuesta.  Der rechte Flügel befand sich am Fluss Tejo und der Stadt Talavera. Talavera selbst bot Schutz für die Spanier. Eine Redoute war auf dem Weg nach Toledo gebaut worden. Vor der Mitte der Front befand sich ein Wald von Olivenbäumen. Links vom Zentrum war ein Aquädukt, der der  Straße von Talavera am Berg folgte. Dieser Äquadukt, bildete eine Art von Verschanzung, die fast überall durch den Wald ging und war dadurch nur schwer zu sehen. Der linke Flügel der Spanier befand sich auf einer kleinen Bergkuppe mit einer abgelegenen Farm und dominierte die dortige, weite Ebene. Die spanische Kavallerie befand sich hinter diesem Flügel. 

An der derselben Farm begann die englische Frontlinie.  Die Verteidungsmaßnahmen wurden dort mit größter Sorgfalt betrieben.  Die Verteidigungslinie folgte genau den Schlängelungen eines Pfades, der an einem Bach grenzte.  Der Pfad selber wurde durch eine Reihe von Brustwehren zu den Bergen hin ergänzt, gespickt mit einigen Geschützen.  In der Mitte und der linken Seite der englischen Frontlinie befand sich ein große Ebene, die sich über mehrere Terrassen ausbreitete. An ihrer Stirnseite lag eine sehr tiefe Schlucht, die nur schwer zu überqueren war.  Auf der linken Seite war hingegen eine große Bergkuppe, die den höchsten Punkt des Schlachtfeldes ausmachte. Jenseits des Berges, fast senkrecht zu der englischen Linie, befand sich ein Tal, das zum Tejo führte. Es war der einzige Schwachpunkt dieser gesamten englischen Stellung , denn in diesem Tal befand sich ein Arm des Flusses Tejo, der ausgetrocknet war. Hier befand sich die komplette englische Kavallerie. Dazu besetzten ein paar portugiesische Einheiten den Berg. Es wurde geschätzt, daß die Stärke der englischen und spanischen Truppen bei ungefähr 65.000 Mann lag, während die Franzosen ca. 45.000 Mann ausmachten.

Abwartende Soldaten vom 1. Armeekorps vor der Schlacht von Talavera
Die französische Linie war dagegen nicht durchgehend, sondern mehrfach durchbrochen. Auf ihrer rechten Seite  und vor der Bergkuppe, die die französische Armee am Vortag nicht halten konnte, befand sich  die 1. Division Ruffin des 1. Korps, formiert zur Kolonne. Die 3. Division unter Villatte, direkt hinter der Division Ruffin, bildetete die Reserve von Marschall Victor. Die Kavallerie war weit rechts (von der Division Lapisse aus gesehen), an der Mündung des Tales , welches von der englischen Kavallerie besetzt war. Die 2 . Division Lapisse, von der die 8ème nun ein Teil war,  befand sich ganz in der Nähe gegenüber dem englischem Zentrum. Eine riesige Schlucht, schmal und tief, war vor ihr.  In dieser Stellung hatte das 1. Armeekorps die Nacht zuvor verbracht.
 
Das 4. Armeekorps unter Sébastiani, die Garde und die Reserve von König Joseph befanden sich eine Lieue (ca. 3,898 m)  hinter den Fluss Alberche. Marschall Victor wollte sofort angreifen, aber Marschall Jourdan wartete noch auf die Ankunft von Marschall Soult und seinen 3 Armeekorps. Er sollte bei Ankunft die englischen Linien im Rücken angreifen. So stritten beide Marschälle untereinander über den Zeitpunkt des Angriffes und König Jospeh als Commandeur en chef, war nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen.  Die Soldaten der Armee bemerkten die Uneinigkeit ihrer Kommandeure und es machte sich nun Mißtrauen und Unsicherheit breit.
 
Der Tag brach an.  Die Regimentschefs der Division Lapisse baten ihren Kommandeur, ihre Formationen auseinanderziehen zu dürfen, damit sie weniger dem Feuer der gegnerischem Artillerie ausgesetzt wären. Aus irgendeinem Grund brauchte aber Lapisse unendlich lange, diesen Befehl zu erteilen.  Die Divisionsartillerie, bestehend aus zwölf Geschützen, stellte sich vor die Front der Infanterie auf, wo diese die Nacht zuvor verbracht hatten.   Am Rande der riesigen Schlacht wurden die Bewegungen der Engländer gewahr und die französische  Artillerie begann zu feuern. Das war das Signal für den Beginn der Schlacht.  
 
Auf der Rechten der Division Lapisse rückte nach dem Artilleriebeschuß die 1. Division Ruffin vor.  Der Cerro de Medellin sollte genommen werden. Die 9ème légère marschierte voraus und befand sich unmittelbar im schweren Feuergefecht mit britischen leichten Infanterieeinheiten, die zur Hauptkampflinie der Briten zurückwichen. Die ersten Verluste waren zu verzeichnen.  Kurz darauf erreichte das Gros der Division Ruffin die leichten Infanteristen der 9ème und diese wiederum marschierten vorweg und erreichten  die Hauptkampflinie des Gegners. Hier war die Division am Tage zuvor schon einmal auf der Anhöhe , konnte sie aber aufgrund der Übermacht des Gegners nicht halten und musste den Rückzug antreten. 
 
Die 9ème im schweren Feuergefecht gegen britische Einheiten. Quelle: militär.org.ua
 
Die 9ème griff nun ungestüm die Linie der Briten an und nahm sogar dabei 2 Geschütze des Gegners ein.  Allerdings wurde der Angriff nur schwach von den dahinter marschierenden  Linienregimentern (24ème und 96ème) unterstützt. Grund dafür waren die verlustreichen Kämpfe am Vortage. Die Briten durch Reserven verstärkt, gingen nun zum Gegenangriff über.  General Wellesey sah, dass die Division Lapisse Ruffin wegen der grossen Schlucht nicht rechtzeitig unterstützen konnte.  Nach einer verheerenden  Musketensalve griffen die Briten mit dem Bajonett an und vertrieben die Soldaten der Division Ruffin wieder zum Ausgangspunkt ihres Angriffes zurück. Durch die französische Artillerie konnte der weitere  Angriff der Briten jedoch gestoppt werden.
 
Der Angriff von Ruffin war schlecht vorbereitet.  Er hätte berücksichtigen müssen, dass ihm Lapisse nicht zur Hilfe kommen konnte. Die Schlucht war nur schwer zu passieren. Stattdessen ist er geradewegs in sein Verderben marschiert, so Vigo-Roussilon. 
 
Wie auch immer, die Schlacht war nun im vollen Gange und konnte nicht mehr hinausgezögert werden. Das 4. Armeekorps unter Sebastiani war noch nicht eingetroffen. Es befand sich vom Schlachtfeld noch weit entfernt. Zum Glück waren die Briten und Spanier defensiv eingestellt und hatten von ihren Stellungen aus nicht erkannt, dass das 1. Armeekorps Victors am frühen Morgen allein auf sich gestellt war. Dies hätte sehr kritische Auswirkungen für die Franzosen haben können, denn zu diesem Zeitpunkt war die alliierte Armee den Franzosen zahlenmässig weit überlegen.     
 
General Wellesley, der den Eifer der französischen Truppen kannte, tat gut daran, sich in der Schlacht weiterhin defensiv zu verhalten. Dies stärkte sogar seine  Position. Würde er die Stellungen der Franzosen angegriffen haben, wäre es ihm wahrscheinlich genauso schlecht wie den Franzosen ergangen, denn die tiefe Schlucht war ein ernstes Hindernis.  Darüber hinaus wären die Korps der Marschälle Mortier, Soult und Ney in den nächsten Tage zur Unterstützung gekommen, wenn man entsprechende Befehle erteilt hätte. Ein koordinierter Angriff aller französischen Korps wäre für General Wellesley das „Aus“ gewesen.  Statt anzugreifen, hätte das 1. Armeekorps lieber seine Stellung verteidigen sollen.  Die Marschälle führten ihre Befehle nur zögerlich aus. Es fehlte die führende Hand. Der Kaiser hätte in Person vor Ort sein müssen.
 
Die Division Lapisse mit dem 8. Regiment de Ligne blieb während der Schlacht hinter ihrer Artillerie. Durch den Beschuß der feindlichen Artillerie entstanden einige Verluste. Die 8ème formierte sich in Linie um weitere Verluste zu vermeiden. Nach einiger Zeit ebbte das Musketenfeuer der Briten ab. Sie hatten ihre Linien neu formiert und verstärkten sie an ihren den Flügeln. Nachdem die 1. Division Ruffin noch zweimal vergeblich angegriffen hatte, wurde die Brustwehr durch vier Geschütze sogar noch verstärkt.
 
Die 8ème und die 2. Divison Lapisse standen weiterhin angriffsbereit in ihrer Stellung. Dies dauerte bis  15:00 Uhr nachmittags (Merkwürdigerweise erwähnt Vigo-Roussillon in seinem Tagebuch nicht, dass die Division Leval um 14:00 Uhr einen alleinigen Angriff vornahm, wie oben beschrieben. Demnach wäre das Korps Sébastiani also viel früher schon eingetroffen). Wir halten die Version von Vigo-Roussilon für wahrscheinlicher, da er mit seinem Bataillon noch keinerlei Feindberühung hatte und somit Zeit hatte, das Schlachtfeld und die Umgebung gut zu beobachten).  Endlich kam das 4. Armeekorps unter dem Befehl von General Horace Sébastiani anmarschiert. Er führte sein Korps durch die Weinberge. Dabei wurde das Korps von der britischen Artillerie beschossen. Die Wege waren dort sehr beschwerlich. Zur linken Seite von Lapisse´s Division befand sich nun die Division Sébastiani und dann im Anschluss die Division Leval, die grösstenteils aus Soldaten des deutschen Rheinbundes bestand.  Zur Linken der Division Leval war der Fluss Tejo, der damit den Flügel der französsichen Stellung sicherte. Der Uferrand wurde mit Tiraileuren besetzt. Milhaud´s Kavallerie-Reserve sicherte am anderen Ufer des Tejo zusätzlich diese Flanke.
 
Als das 4. Armeekorps seine Stellung eingenommen hatte, begannen die französischen Angriffe erneut  Leider wurden auch diese Angriffe schlecht ausgeführt.
 
Die 1. Division Ruffin hatte den ursprünglichen Plan , den Cerro de Medellin frontal zu erobern, aufgegeben.  Sie versuchte nun den Berg von der linken Seite her zu besteigen und von dort den Gegner zu bekämpfen. Nur langsam kam sie aber in Richtung des Tales voran.  Die 3. Division unter Villatte stand in Kolonne vor der englisch-spanischen Kavallerie. Die Division Lapisse,  ein Bataillon Grenadiere (bestehend aus den Grenadierkompanien der Regimenter 8ème, 45ème und 54ème) und das gesamte 4. Armeekorps griffen das Zentrum sowie den rechten Flügel der Briten an.  Das Bataillon Grenadiere wurde von einem Offizier aus dem Stabe Marschall Victors befehligt.   
 
Die 8ème greift an!
Das 4. Armeekorps mit Ihren Divisionen Sébastiani und Leval durchquerte in Kolonne den Wald von Olivenbäumen, der vom Feind besetzt war.  Nach kurzem Gefecht wurde der Wald von den Franzosen eingenomme. Dieser Kampf war aber verlustreich. Dann setzten beide Divisionen in ihren Marsch fort und kamen zu der  Ebene, wo ein Bauernhof stand. Dieser Bauernhof war verbarrikadiert und schützte gleichzeitig die rechte Flanke der Briten.  Als die Divisonen bis auf 46 Meter an die Front der Briten angekommen waren, empfingen sie eine mörderische Musketensalve, verstärkt durch einige spanische Geschütze. Binnen von Sekunden wurde viele Soldaten verwundet und getötet.  Die Division Leval hatte hierbei besonders große Verluste erlitten.  Nach etwa einer halben Stunde schwerer Kämpfe zog sich das 4. Armeekorps wieder zurück. 
 
Währenddessen überquerte die Division Lapisse nach einigen Strapazen die Schlucht, die sie vom Feind getrennt hatte.  Sie ging dabei in zwei Linien vor.  Die erste Linie bestand aus der 16ème légère und der 45ème de Ligne.  Die zweite Linie bestand aus der 8ème und 54ème de Ligne. Sobald die erste Linie die Schlucht überquert hatte, erhielt sie ein schweres Feuer von der Infanterie und Artillerie des Gegners und störte so den weiteren Vormarsch. Der Durchgang durch die Schlucht wurde dadurch chaotisch, da die Offiziere kaum Herr wurden, ihre Trupppen wieder zu ordnen. 
 
Auch bei der zweiten Linie, angeführt von der 8ème, gab es ein großen Durcheinander. Teile von der ersten Linie waren immer noch nicht durch die Schlucht und drängten das 3. Bataillon der 8ème mit ihrem Kommandeur Antoine Develle in die Enge.  Der Gegner hat so genügend Zeit zum Nachladen. Vigo-Roussillon konnte beobachten, wie Develle im Bemühen, seine Leute wieder zu ordnen, von der nächsten Salve tödlich getroffen wurde und zu Boden sank. Auch General Lapisse sollte bei einem der späteren Angriffe fallen (Er wurde an der Spitze der 16ème Légère schwer verwundet, danach mit dem Krankentransport nach Santa Olalla gebracht, wo er zwei Tage später darauf verstarb).
 
 
Obwohl die 8ème und 54ème von der restlichen Division isoliert waren, kamen sie allmählich vorwärts. Vigo-Roussillon´s Bataillon verließ endlich die Schlucht und formierte sich auf der anderen Seite unter dem Feuer der britischen Artillerie. Eine feindliche Kolonne Infanterie marschierte auf Vigo-Roussillon zu.  Das Bataillon der 8ème hatte sich bereits zur Linie formiert. Aufmerksam wartete Vigo-Roussillon so also auf den Moment, sobald sich die gegnerische Kolonne sich entfalten würde.  Als die gegnerische Kolonne (2. Bataillon des 83. Regiment of Foot) bis auf 60 Schritt herankam, eröffnete Vigo-Roussillon das Feuer. Diese Salve musste verheerend gewesen sein, denn es wurden nach Vigo-Roussillon nur wenige Männer beim Gegner verwundet. Die meisten von ihnen samt ihrem Colonel  wurden am Kopf oder in die Brust getroffen.  Nachdem das feindliche Bataillion bezwungen wurde, stürmte Vigo-Roussillon mit seinem Bataillon in die entstandene Lücke. Das 1. und 3. Bataillon der 8ème folgten dem Beispiel.      
 
Soldaten des 2. Bataillons der 8ème beim Bajonettangriff.
Vigo-Roussillon kam sofort ins Gefecht mit vier Bataillonen der englischen Gardeinfanterie und des Königs deutschen Legon (KGL). Die 8ème und 54ème, unterstützt von der eigenen Artillerie; ergänzten damit den Kampf der 1. Brigade der Divison Lapisse. Der Gegner aber konnte aufgrund der erhöhten Position  die 8ème und die 54ème schnelll ausmachen. Plötzlich verlangsamte eine Schlucht (Nebenfluss des Tejo) den Bajonettangriff, der ansonsten erfolgreich gewesen wäre.  Die Briten nahmen die Verzögerung zum Anlass sich zurückzuziehen, um nicht abgeschnitten zu werden. Der Rückzug ging in guter Ordnung vonstatten. Aber als die 54ème, die die 8ème deckte, herankam, wurde es mörderisch. Sofort feuerte die 54ème auf den Gegner. Unterstützt von der 8ème und  einigen mitgebrachten Geschützen brach der Rückzug der Briten in ein heiloses Durcheinander aus.     
 
Wenn dieser Moment genutzt worden wäre um weiter anzugreifen, hätte das den Sieg bedeutet. Durch den vorangegangen Angriff klaffte eine große Lücke beim Gegner. Zehn feindliche Geschütze wurde erobert. Es hätte nur die  3. Divison Villatte den weiteren Vormarsch unterstützen müssen. Aber Marschall Jourdan sah dazu keine Veranlassung, obwohl Marschall Victor ihn darum bat.  
 
Die 3. Division blieb als rechter Flankenschutz bestehen um die Attacken der alliierten Kavallerie abzuwehren. Einige französische Generäle  kritisierten diese Entscheidung. Auf der anderen Seite war Villatte ein Störfaktor und die Alliierten mussten zu Recht befürchten, umgangen zu werden.  Sie zahlten für die mehrfach erfolglos durchgeführten Kavallerieangriffe einen hohen Preis.  So wurden die englischen 23.  leichten Dragoner fast völlig aufgerieben bei den Angriffen auf die Karrees der französischen Infanterie und den Gegenangriffen der Division-Kavallerie unter dem Befehl von General Merlin. 
 
So entstand nach dem letzten Angriff auf das Zentrum der Briten und dem im Anschluß bestehenden Feuergefecht ein gewisse Pattsituation. Nun sollte die  Kavallerie-Reserve unter dem General Latour-Maubourg den entscheidenen Durchbruch erzielen.  Zur Bewegungslosigkeit während der Schlacht verdammt, wurde die Kavallerie von der britischen Artillerie schwer beschossen. Die Verluste waren hoch, weil sie zu Kolonnen formiert wurde. Ein großer Fehler. Darüber hinaus hatte schon die Infanterie mit dem Gelände beim den Angriffen einige Schwierigkeiten gehabt. Nun sollte die Kavallerie auf demselben Teil des Schlachtfeldes Ihren Angriff vortragen. Noch nie wurde diese gefährliche Waffe so sträflich und unnütz eingesetzt wie bei Talavera, so Vigo-Roussillon.
Marschall Jean-Baptiste Jourdan, Generalstabschef. Quelle: Wikipedia
Der größte Teil der Französischen Armee , die gegen die Alliierten gekämpft hatte, wurde zwar zurückgedrängt , aber sie behielt ihre Positionen inne, die sie am Anfang der Schlacht eingenommen hatte und das bei einer zahlenmässigen Unterlegenheit.  Die Briten hatten große Verluste erlitten und hatten alle ihre Einheiten bei der Schlacht eingesetzt.  Die Franzosen hatten noch die 3. Division Villatte vom 1. Armeekorps Victor, die Kavallerie-Reserve unter Latour-Maubourg und die Garnison Madrid mit der Garde unter dem Befehl von General Dessolles in Reserve. So wäre also auf ein Generalangriff zu hoffen, der dann die Entscheidung zugunsten der Franzosen gebracht hätte. Marschall Victor, der noch der unternehmungslustige von den Kommandeuren war, schlug König Joseph vor, die Schlacht am nächsten Tage fortzusetzen., Aber der König,  der unter dem Einfluss von Marschall Jourdan stand, entschied sich für den Rückzug.      
 
Am Abend nach der Schlacht zählte Vigo-Roussillons 2. Bataillon noch 25 Offiziere und 480 Unteroffiziere und Mannschaften.  Er hatte nach seinen Angaben 14 Offiziere und 192 Unteroffiziere und Mannschaften verloren (Siehe auch die Gesamtverluste der 8ème in der Schlacht). Er selber erhielt am Ende der Schlacht durch eine Musketenkugel am linken Fußknöchel eine heftige Prellung.  Dank seiner dicken Stiefel wurde der Aufprall der Kugel abgemildert. Dennoch war diese Prellung sehr schmerzhaft. Da er beritten war, begab er sich kurze Zeit später zum ehemaligen Camp Cazalegas, wo die Prellung behandelt wurde.
 
Der König entschied,  den Kampf nicht zu erneuern. Marschall Victor hatte mit seinem Korps die Nacht auf dem Schlachtfeld verbracht und dann den Rückzug angetreten. Der Gegner verhielt sich völlig ruhig.
 
Die Zaghaftigkeit des Königs und die Unentschlossenheit des Marschalls Jourdan hatten die feindliche Armee gerettet. Auch der viel zu begonnene Angriff des Marschall Victor am 28. Juli machte die Sache nicht besser.  Letztendlich trug die Entscheidung Napoleons, der die Marschälle Mortier und Ney unter dem Befehl von Soult stellte, nicht gerade zur Besserung der Situation bei. Denn Marschall Soult sah keine Veranlassung, Marschall Jourdan zu unterstützen, so Vigo-Roussillon.
Wenn Soult mit Mortier und Ney, so wie es vereinbart war, im Rücken der Alliierten rechtzeitig erschienen wäre, wäre es mit Wellesley und den spanischen Verbündeten vorbei gewesen.     
 
Noch lange nach der Schlacht von Talavera gab es große Kontroversen zwischen dem König Joseph und den Marschällen. Der von Napoleon am 18. August verfasste Brief an den Kriegsminister beschrieb klar die Misere, die sich am 27./28. Juli 1809 ereignete. Er schrieb: „Welch´ große Chance haben wir verpasst! Dreißigtausend Engländer, weit entfernt von der Küste Spaniens, konnten von 100.000 Mann der besten Truppen der Welt nicht geschlagen werden ! Mein Gott! Was ist das für eine Armee, die keine Führung besitzt?“ Und diese Gelegenheit war bereits die Zweite! In Spanien hatte uns das Glück verlassen, so Vigo-Roussillon.
 
Am 10. August kehrte Vigo-Roussillon nach Talavera zurück,  wo das 1.  Armeekorps diesen Ort am 29. Juli verlassen hatte. Hier hatten sich die Engländer um die 4.000 verwundeten Männer des Korps aufopferungsvoll gekümmert. Von den Ärzten erfuhr er, dass  der Verlust der englisch-spanischen Armee ca. 10.000 Mann, meist Engländer, betrug.
 
Ende des zweiten Teils ->
 

Quelle:

Vigo-Roussillon (François). Grenadier de l’Empire. Journal de campagne (1793-1837), 1981, pp. 29-30

 

 

 

 

 

8ème Régiment de Ligne – Toujours en avant! (Immer vorwärts!)