Die Struktur der Grande Armée von 1804 –1815 – Die Sondereinheiten

Train de Artillerie, Quelle: bertrand-malvaux.com

Natürlich gab es in der Grande Armee noch weitere Einheiten, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Teilweise gehörten diese Einheiten der Artillerie an, sie sollen jedoch unter diesem Kapitel gesondert kurz beschrieben werden. Es geht hierbei um den Artillerie-Train, das Pionierkorps, das Pontonierskorps, die Ouvriers (Handwerkskolonnen) und natürlich das Sanitätswesen. Ohne diese zusätzlichen Truppenkörper, die häufig eher zweitrangig in vielen Berichten erwähnt wurden, wäre es für die Grande Armée wohl kaum möglich gewesen, eine solch dominierende Rolle auf den Schlachtfeldern Europas zu spielen.

  1. Der Artillerie-Train
    Der Artillerie-Train war zuständig für die Versorgung der Artillerie. Die Trainsoldaten ermöglichten es der französischen Artillerie erst, ihr konstantes Feuer aufrecht zu halten. Die Soldaten bestanden meist aus altgedienten Kavalleristen, die auf andere Weise nicht mehr für den Kampfeinsatz taugten. Auch wurden ausländische Soldaten für diesen Dienst verwendet, die mit Pferden umgehen konnten. In der Regel wohnte der Artillerie-Train eher den Schlachten bei.
  2. Das Pionierkorps (Genie)
    Das Pionierkorps war zuständig für militärische Bauten und Instandhaltung von Befestigungsanlagen. Diese Korps hatte sogar eigene Wagen, die mit Äxten, Schaufeln und Hacken beladen waren. Die Soldaten waren auch mit Dragonermusketen und Bajonetten ausgerüstet. Sie legten Straßen und Wege an und beseitigten Hindernisse. Kompanien dieses Korps wurden den normalen Armeekorps zugeteilt, die auch an militärischen Aktionen beteiligt sein konnten, wie der Einsatz beim Sturm auf die Meierei La Haie Sainte am 18. Juni 1815 bei der Schlacht von Waterloo zeigte. Dem Pionierkorps waren auch die Sappeure und Mineure unterstellt. Die Sappeure waren für das Ausheben von Laufgräben (Sappen) während einer Belagerung zuständig, aber auch für die Errichtung von Schanzen zum Schutz von Geschützbatterien . Die Mineure hingegen waren reine Spezialisten, die ausschließlich bei Belagerungen eingesetzt wurden. Sie waren zuständig für das Graben von Minen und Konterminen und bauten unterirdische Stollen, um später Minen anzulegen und zu sprengen. Diese gefährliche Arbeiten waren häufig in Spanien erforderlich, wie zum Beispiel bei der Belagerung von Saragossa.
  3. Das Pontonnierskorps
    Man kann die Pontonniers nicht erwähnen, ohne den tragischen Übergang über die Beresina im Jahre 1812 zu nennen. Ohne Ihren heroischen Einsatz wären die Reste der Grande Armée gänzlich zugrunde gegangen. Dieses Korps war zuständig für den Brückenbau und hatte entsprechend Ihre  eigene Fahrzeugkolonne. Durch Ihren herausragenden General Éble wurde diese kleine Truppe ein wichtiger Bestandteil in der französischen Armee.
    Zugkolonne von Pontonniers
  4. Ouvriers
    Die Ouvriers (Handwerker) waren für die Herstellung und Wartung des gesamten rollenden Materials der Artillerie zuständig. Sie trugen ebenfalls die Uniform der Artillerie.
  5. Sanitätswesen (Service de Santé)
    Dominique LarreyBereits 1802 schon versuchte Napoleon das Sanitätswesen im Heer zu verbessern. Das Sanitätswesen umfaßte Militärärzte und –chirurgen und –apotheker. Durch den hervorragenden Chefchirurg, Dr. Dominique Larrey entwickelte sich dieser Bereich geradezu vorbildlich, vor allem auch in der Organisation. Unter seiner Federführung wurden leichte Zwei- und Vierspänner eingesetzt, die sogenannten „Fliegenden Lazarette“, die Verbandsmaterial und Tragen mitführten. Sie sammelten Verwundete vom Schlachtfeld ein und brachten sie in Lazarette. Doch trotz dieser Verbesserungen war der medizinische Wissenstand nicht sehr hoch. Hygiene spielte noch keine Rolle und die übliche Behandlung bei schweren Verwundungen war eben bei den betreffenden Gliedmaßen die Amputation. Durch Infektionen sollten meist mehr Männer sterben als durch die direkte Kampfeinwirkung.

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Quellen :
Die Armee Napoleons – H.C.B. Rogers
La Grande Armée – Die Geschichte der Armee Napoleons
– Miguel Ángel Martín Más

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