8ème: 8ème Régiment de Ligne - Regimentsgeschichte Die 8eme im Detail Teil 2




Die Schlacht bei Lübeck

Es wurde offiziell nach der Schlacht von Barrosa berichtet, daß der Regimentsadler der 8ème verbissen und mit viel Mut von der Fahneneskorte verteidigt wurde. In den Rapporten, die die Offiziere ihren Vorgesetzten nach der Schlacht vorlegen mußten, wurde berichtet, wie der 1. Adlerträger Guillemain und der 2. Adlerträger Debette bei dem Kampf um den Regimentsadler gefallen sind. Später wurde noch behauptet, daß der Adler nicht im Kampf verloren, sondern durch eine Kanonenkugel zerstört wurde.

Die Wahrheit sah anders aus. Durch Zufall bin ich damals auf die Uniformtafel 186 LE PLUMET von Rigo gestoßen, der über die Geschehnisse vom 05.03.1811 und der Fahnensektion berichtete. Seine Quellen  bezogen sich aus den Regimentsberichten  der französischen Armee in Vincenens, aus den Dokumentationen von P. Charrie und aus der Collection von P. Druène. Sie konnten also nicht zweifelhaft sein. Nach der Übersetzung aus dem französischen ins deutsche kamen folgende neue Erkenntnisse zutage: 

Der Verlust des Adlers war für das Regiment die größte Schande, die es gab. Er konnte das Ende einer Karriere eines Colonels oder Bataillonschefs sein, da er für das Regiment verantwortlich war. In den offiziellen Rapporten versuchten sie dann Umstände, die nicht dem Regiment zur Ehre gereichten, zu verfälschen, ja zu verschweigen.

Als Beispiel sei die Regimentsgeschichte der 8ème während der spanischen Feldzuges 1811 genannt. Nach dem siegreichem Feldzug in Preußen und Polen marschiert das 1. Armeekorps unter Marschall Victor, dem Herzog von Belluno, nach Spanien.

Bei der Schlacht am 05.03.1811 bei der kleinen andalusischen Stadt Chiclana geht man wirksam gegen die britischen Truppen vor, fest an den Sieg glaubend. Aber für die 8ème sollte diese Schlacht der schwarze Tag in der Regimentsgeschichte sein. Der Adler ging verloren und der Colonel Autié fiel.

Aus dem Rapport entnahm man nun Folgendes:  „Überraschend wurde das 1. Bataillon durch den Gegenangriff der Allierten zurückgeworfen, wo es aufgrund von großen Büschen kein Karreé bilden konnte. Aufgeteilt in kleinen Gruppen kämpfte Jeder verzweifelt. Die Gruppe um die Fahnensektion wurde besonders hart von den Soldaten des 87. Regiments Prince of Wales Irish Fusiliers umkämpft. Fähnrich Edward Keogh, der den Adlerträger Guillemain tötete, nahm das Enbleme der 8ème an sich. Die restliche Fahnensektion und weitere Soldaten des 8. Regiments tragen einen furchtbaren Kampf Mann gegen Mann aus. Sieben französische Offiziere und Unteroffiziere fanden dabei den Heldentod. Endlich gingen die Engländer als Sieger hervor. Der Sergeant Masterton nimmt den Regimentsadler triumphierend hinter die Linien.“

Wahrlich, dies ist eine schöne Geschichte. Aber die Archive sagen etwas anderes aus. Edmé Guillemain, der erste Adlerträger, starb nicht bei den Kampf um den Regimentsadler. Er wurde nur an der rechten Hand verwundet. Außerdem wurde er am 20.07.1811 zum Capitaine befördert. Im Juli 1814, immer noch sehr lebendig, findet man ihn bei dem wieder neu gegründetem 8. Regiment, diesmal in den Diensten von Ludwig XVIII.

Etienne Debette, zweiter Adlerträger der 8ème, der lieber sterben wollte, als das er die Fahne dem Feind überläßt, hatte sich nach der Wegnahme des Adlers schwer verwundet zurückgezogen. Doch hatte er nicht mehr die Möglichkeit, die Scharte wieder auszuwetzen. Am 11.06.1812 verstarb er im Hospital Sanlucar am Fieber.

Der Grenadier Nicolas Badré wurde im Jahre 1809 als dritter Adlerträger ernannt, da sein Vorgänger Louis le Maheux im Hospital in Madrid verschied. Badré, der zwar keine Verwundungen am 05.03.1811 erhielt, gehörte laut den Berichten zu den Offizieren und Unteroffizieren, die den Heldentod gefunden haben. Er wurde am 13.06.1811 offiziell ersetzt. Aus dem 1.300 km entfernten Palast von Saint-Cloud ernannte Napoleon per Dekret Jean Laudry, Grenadier aus dem 3. Bataillo, zum künftigen 3. Adlerträger. Nicolas Badré hingegen wurde wieder in seine alte Grenadierkompanie vom 3. Bataillon versetzt.

Zum Abschluß sei erwähnt, daß sich die Grenadiere Laudry und Badré bis zur Abdankung Napoleons gut geführt haben. Wie Guillemain, dienten sie am 21.07.1814 in dem neu aufgestelltem 8. Regiment de Ligne.

Wie kein anderer, verstand es Napoleon aus dem Adler das Kostbarste des Regiments zu machen Ihn tragen zu dürfen, war für einen Soldaten  die höchste Ehre. Der Adler wurde zum Wahrzeichen des Kaiserreichs. Ihn im Kampf zu verlieren, bedeutete die größte Schande eines Regiments. Man kann daher nur zu gut verstehen, warum die Regimentschefs beim Verlust des Adlers sich zu solchen „blumenreichen“ Schilderungen gezwungen sahen.

Am 16.03.1811, 11 Tage nach der Schlacht von Barrosa., wurde die 8ème einstweilen vom Bataillonschef Roussillon des 2. Bataillons kommandiert. Zu diesem Zeitpunkt wußte man nicht, wo der Bataillonschef Lanusse verblieben ist. Die beiden ersten Bataillone, nun mehr aus 25 Offizieren und 867 Soldaten  bestehend, kehrten nach Puerto Réal zurück, wo sie mit den Grenadieren und Voltigeuren des 3. Bataillons untergebracht wurden. Nachdem die Reihen verstärkt wurden, ordnete Marschall Victor an, daß die 4 Füsilierkompanien des 3. Bataillons zur Verstärkung an die französischen Zentrumsarmee abgehen solle. Das 4. Bataillon wurde Teil des 9. Armeekorps, welches künftig als Reserve der Portugiesischen Armee diente.

Abbildungen
Detailansicht des Regimentsadlers mit Fahne und Fahnensektion der 8ème um 1811 (nach Rigo)

Linke Abbildung (2. Adlerträger Sergeant-Major Etienne Debette):

Der 2. Adlerträger Etienne Debette war zum Zeitpunkt der Schlacht 35 Jahre alt und 1,73m groß. Er wurde am 11. September 1775 in Flammand, in der Nähe von Lille geboren. Am 16.09.1793 hatte er sich als Freiwilliger verpflichtet und wurde als Grenadier im 2. Bataillon der 8. Halbrigade eingeteilt. Nach einer mustergültigen Haltung im Regiment sollte Debette zum Souslieutenant Befördert werden. Offiziere mußten aber lesen und schreiben können. Daher wurde er per Dekret vom 28.10.1810 zum 2. Adlerträger befördert. Wie schon erwähnt, ist er am 11. Juni 1812 im Hospital von Sanlucar am Fieber verstorben. Debette hatte an der rechten Hand am 25.03.1799  beim Gefecht um Hochach eine Verwundung erhalten, die erst am 12. November des gleichen Jahres ausheilte. Nach glaubwürdigen Berichten sollte der 3. Adlerträger Nicolas Badré den Posten des 2. Adlerträgers übernehmen. Aber nach der Affäre bei Barrosa war das offiziell nicht mehr möglich. Um weitere Diskussionen eine Ende zu bereiten wurde im Verwaltungsbericht des 8. Regiments festgehalten, daß der bei der Schlacht der Regimentsadler durch eine Kanonenkugel zerstört wurde.

Der 2. und 3. Adlerträger trugen bemerkenswerte Waffen, nämlich die Hellebarde mit spitz zulaufender Klinge. Der 2. Adlerträger trug an seiner Hellebarde ein rotes Fähnlein, während der 3. Adlerträger ein weißes Fähnlein an seiner Hellebarde hatte. Außerdem führten Sie je zwei Pistolen, die nach orientalischer Art in einem Etui vor der Brust steckte. Anders als bei den meisten Linienregimentern, die Füsiliere für den  2. und 3. Adlerträger stellten, wurden bei dem 8. Regiment de Ligne aus ihren  Grenadierkompanien die Ehrenposten bestimmt.

Die Wahl der 2,11 m langen Hellebarde, die übrigens per Dekret vom 18. September 1809 offiziell eingeführt wurde, war im Kampf Mann gegen Mann eine gefährliche Waffe. Mit der spitz zulaufenden Klinge konnte man feindliche Kavalleristen aus dem Sattel heben, mit dem Haken konnte der feindliche Infanterist sofort niedergestreckt werden.

Es ist schwer zu sagen, wann für die französischen Regimenter in Spanien diese wirksame Waffe eingeführt wurde. Höchstwahrscheinlich  waren die 2. und 3. Adlerträger des 8ème mit der Hellebarde bei Barrosa schon ausgerüstet. Belegt ist, das die Hellebarde in der Schlacht bei den Arapilen vom 22. Juli 1812 getragen und verlorengingen (22. und 62. Regiment de Ligne).

Rechte Abbildung (1. Adlerträger Lieutenant Edmé Guillemain): 

Der 1. Adlerträger Lieutenant Edmé Guillemain war zum Zeitpunkt der Schlacht 33 Jahre alt. Er wurde am 21. März 1777 in der Nähe von Brion geboren. Am 15.03.1794 ist er in die Armee eingetreten und diente in der 3. Halbbrigade. Am 23.09.1799 wurde er zum Caporal befördert. Langsam steigt er die Karriereleiter hoch. Am 3. März 1807 wurde er zum Souslieutenant ernannt. Durch seine heroische Führung seiner Soldaten in der Schlacht von Friedland erhielt er am 20.10.1807 den Legion d´Honneur und wurde am 22. November 1808 zum Lieutenant befördert. Per kaiserlichem Dekret wurde er am 15.01.1809 zum 1. Adlerträger des 8. Regiments de Ligne ernannt.

Am 20.07.1811, nun mehr Capitaine verläuft sich seine Spur. In den Dokumenten und den verschiedenen Berichten waren bis zum 21.07.1814 keine Einträge mehr über ihn zu verzeichnen. Wie bereits erwähnt, trat er an diesem Tage dem 8. Regiment de Ligne erneut bei. Guillemain erhielt seine erste Verwundung am 18.05.1794. Am 22.05.1795 wurde er an seiner linken Hand verwundet, die erst am 14. Juni auskurierte. Schmerzhafte Verwundungen erhielt er am 25. September 1809, wahrscheinlich bei Kämpfen gegen spanische Partisanen, am rechten Fuß. An der rechten Hand wurde er am 05.03.1811 bei Barrosa verwundet. Das Verhalten von Guillemain bei der Verteidigung des Regimentsadlers war sonderbar und wird nie ganz aufzuklären sein. Im Vergleich dazu war die Haltung des Caporal-Fourrier Daigroud vom 3. Regiment de Ligne oder Sergeant-Major Broudes und Deschamps von der 15. Leichten bei Austerlitz 1805 geradezu heldenhaft.

A (Fahne des 1. Bataillons):

Stirnseite der Bataillonsfahne vom 8. Regiment de Ligne (Größe 0,80 m x 0,80 m).

B (Fahne des 1. Bataillons, Rückseite):

Rückseite der Bataillonsfahne. Die Fahne war Richtungs- und Sammelpunkt des Bataillons. Der Fahnenstoff wurde auch für die Fahnenstange verwendet. Dort wurde er mit vergoldeten Nägel befestigt. Der Adler und die Fahne waren bei Austerlitz 1805, in der Schlacht von Halle und Lübeck 1806, bei Mohrungen und Friedland 1807 und 1808 bei Espinosa bei seinem Regiment, bevor es in der Schlacht von Barrosa entrissen wurde.

C (Regimentsadler):

Seine Höhe betrug 0,31 m und wog 1.850 Gramm. Er bestand aus Goldbronze und hatte, als die 8ème im September 1808 nach Paris kam von der Bevölkerung den Lorbeerkranz erhalten. 378 Lorbeerkränze wurden angefertigt. Davon waren 19 Stück für die Kaisergarde bestimmt. 39 Stück wurden an die Regimenter überreicht, die an dem 1. Polenfeldzug teilgenommen hatten. Die restlichen 320 Kränze gingen nach der Rückkehr der Bourbonen 1814 verloren.

Im Triumphzug am 18. Mai 1811 nach der verlorenen Schlacht bei Barrosa, wurde der Regimentsadler der 8ème durch die Straßen von London präsentiert. Anschließend kam er in die Kapelle von Chelsea und wurde dort aufbewahrt. Im April 1852 wurde er gestohlen und ist nie wieder aufgetaucht.

D (Tschako des Lieutenant Guillemain):

Die Verzierungen an dem Tschako von Lieutenant Guillemain waren nur den Offizieren des 8. Regiments de Ligne vorbehalten. Man beachte den Pompon des Taschakos – er ist weiß, da der 1. Adlerträger und seine Eskorte zum Regimentsstab gehörten.

E (Uniformrock des Lieutenant Guillemain):

Der Uniformrock des Lieutenant Guillemain, der sogenannte Surtout. Er wurde oft von den Offizieren während des Feldzuges getragen, da er sehr bequem war.               

F (Offiziersschmuck):

G (Bärenfellmütze mit Mützenschirm):

Diese Kopfbedeckung wurde von den Grenadieren des 8. Regiments de Ligne getragen. Man beachte den Mützenschirm, der nur so für die 8ème bestimmt war. Der Tschako wurde 1812 eingeführt. Während des Feldzuges wurde der Federstutz an der Scheide des Sabre Briquets festgebunden, während der Behang in den Tournister verstaut wurde.

H (Uniformrock):

Dieser wurde von den Sergeant-Majors Debette und Badré getragen. Nach dem Dekret vom 18. September 1809 hatten der 2. und 3. Adlerträger auf beiden Armen je 4 Chevrons zu tragen.

I (Pistolenetui):

Dieses Pistolenetui Oriental wurden für die 2. und 3. Adlerträger per Dekret vom 18. September 1809 zur persönlichen Verteidigung eingeführt.

J (Gendameriepistolen):

Die Gendameriepistolen, Model IX, Länge 0,25 m wurden in das Pistolenetui gesteckt.


Quellen:

RIGO - LE PLUMET Planche 186



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