8ème: 8ème Régiment de Ligne - Regimentsgeschichte Die 8eme im Detail Teil 1




Die Schlacht bei Lübeck

In Spanien herrschte schon seit drei Jahren Krieg, ohne das eine wirkliche Entscheidung gefallen war. Zwar wurden die Spanier mehrfach geschlagen, die britische Armee unter General  Moore  wieder ins Meer gejagt – dennoch hatten die Franzosen das Land an vielen Stellen nicht unter Kontrolle. Schließlich endete das spanische Abenteuer mit den Einmarsch  der Allierten im Frühjahr 1814 nach Frankreich.     

Die Schlacht bei Lübeck Marschall Murat

Für das 8. Regiment de Ligne begann der spanische Feldzug schon recht früh. Am 09.11.1808 schlug das 1. Armeekorps unter Marschall Victor mit Beteiligung des 8. Regiments die galizische Armee unter Blake vernichtend. Der Einzug nach Madrid ließ nicht lange auf sich warten. Aber der Krieg ging weiter. Das 8. Regiment de Ligne kämpfte 1809 in der Schlacht bei  Talavera de la Reine und 1810 bei Sevilla und Trocadero.

Das Frühjahr 1811 sollte aber für das 8. Regiment de Ligne mit einem bösen Erwachen beginnen. Im März wurde die Hafenstadt Càdiz unter dem Marschall Nicolas Jean de Dieu Soult belagert. Soult musste von seiner Armee 20.000 Mann zur Belagerung nach Badajoz abgeben. Aber auch Marschall Victor mußte von seinem rund 15.000 Mann starkem Korps 2.000 Mann zur Belagerung nach Cadiz senden und ca. 3.100 Mann waren noch in Medina Sidonia.

Während der Vorbereitung  zu dieser Belagerung vereinigte sich eine spanische Armee unter General Manuel de la Pena (15.000 Mann ) mit der englischen Armee unter dem Befehl von General-Leutnant Sir Thomas Graham (5.000 Mann) bei Tarifa, die dort ausgeschifft wurde. Diese anglo-spanische  20.000 Mann starke Armee, nun unter dem Oberbefehl von General de la Pena , sollte nun den Belagerungsring um Càdiz von der Küste aus attackieren.

Bei Tagesanbruch des 5. März 1811, erhielt General de la Pena  die Kunde, daß eine französische Division 15 km östlich von Barrosa Stellung bezogen hat. Marschall Victor hatte ebenfalls am Tage zuvor nämlich  Nachricht erhalten, daß sich eine feindliche Armee unbekannter Stärke sich Càdiz näherte. Sofort befehligte er General Vilatte in der Nähe der Straße nach Càdiz Stellung zu beziehen, was dieser auch umgehend befolgte.

Die Straße nach Càdiz und San Fernando ging zwischen einer großen, morastigen Sumpflandschaft und einem dichten Pinienwald hindurch, was einen Angriff fast unmöglich machte.  Ungeachtet seiner erschöpften Männer nach 14 stündigem  Marsch befiehlt la Pena dem General Lardizabal mit seiner Division von 3.000 Mann anzugreifen. Doch General Vilatte schlägt gleich den ersten Angriff wuchtig zurück und die spanischen  Regimenter der Division Lardizabal sind geschlagen.


Einheit der Division Lardizabal beim Angriff gegen französische Division Vilatte
Grenadiere der Division Vilatte erwarten ruhig den Angriff der Spanier

Im Norden werden die Spanier aus dem Almanza-Hohlweg vertrieben und bis zu den spanischen Truppen des Generals Zayas gedrängt, welche auf den Marsch nach Càdiz sind Währenddessen gibt General la Pena den Befehl weiter auf Càdiz vorzugehen. Dabei hat er völlig die beiden anderen französischen Divisionen Leval und Ruffin des 1. Armeekorps übersehen. Er hinterließ zur Sicherung eine Arrieregarde, bestehend aus mehren spanischen Bataillonen und dem britischem Flankenbataillon Brown. Diese Einheiten besetzen einen Berg unweit von Barrosa, der dominierend die Gegend beherrscht und von strategischer Bedeutung ist.

Um 12.30 Uhr befiehlt Marschall Victor den Angriff. Mit der Division Leval versucht er frontal die britische Armee unter Graham zu packen, mit der Division Ruffin greift er den  Berg Cerro del Puerco an.

Als die 1.900 Mann starke Division den Gipfel erreicht, ergreifen die spanischen Bataillone die Flucht und strömen auf der anderen Seite des Berges hinunter. Nur Browne´s Flankenbataillon blieb auf dem Berg zurück und machte Front. Es mußte jedoch ebenfalls vor der Übermacht zurückgehen.

Die kleine Kavallerieabteilung unter Whittingham, nur bestehend aus dem 2. Regiment Husaren der KGL (King´s German Legion), konnte nicht mehr tun, als zu versuchen, den Vorstoß der französischen Dragoner an der Küstenstraße aufzuhalten.

Währenddessen führte nun General Graham im Schutze des Pinienwaldes seine Division zum Fusse des Berges. Durch zwei Guerrillos wurde er von dem Herannahen der Division Leval gewarnt. Am südlichen Ende des Waldes konnte er beobachten, wie die Soldaten der Division Ruffin den Berg eroberten. Um nicht überflügelt zu werden, entscheidet sich Graham zum Gegenangriff. Er befiehlt nun seiner zweiten Brigade unter Wheatley, welche östlich des Pinienwaldes steht, direkt auf die Division Leval vorzurücken. Seine erste Brigade unter Dilke soll nun dem Flankenbataillon Brown zur Hilfe kommen und den Berg wieder nehmen und anschließend am Fuße des Berges eine Verteidigungslinie aufbauen.

Jedes der 5 Bataillone Ruffins hatte nun eine Sturmkolonne gebildet und dringen im „Pas de Charge“ unaufhaltsam vor. Mit der auf den Berghang mitgebrachten Divisionsartillerie erhalten die Briten nun ein äußerst verheerendes Feuer. Innerhalb von wenigen Minuten liegt die Hälfte von Brown´s Bataillon (268 Mann) tot oder verwundet am Boden.

Die Brigade Dilke und die Division Ruffin prallen aufeinander

 Zeitgenössische Darstellung um den Kampf des Adlers des 8. Regiments de Ligne

Doch nun kommt der Gegenangriff der Brigade Dilke mit ihren 1.361 Mann an die Reihe. In der typischen Linienformation erwarten die Briten den Ansturm der Franzosen.

Ohne große eigenen Verluste bringen die Briten durch ihr wohlgezieltes Salvenfeuer die französischen Reihen ins Wanken und schließlich zum Stehen. Hierbei fällt der Divisionsgeneral Ruffin schwerverwundet in die Hände der Briten, wo er später verstarb. Nach weiteren, sich wechselnden Salven fluten die Franzosen nach schweren Verlusten den Berg hinauf und sammeln sich erst wieder auf der anderen Seite am Fuße des Berges.

Zwischenzeitlich bricht nun die Division Leval überraschend durch den Pinienwald und drängt die anglo-portugiesische Schützenlinie zurück. Aber die Brigade Wheatley steht nun mit ihren 2.656 Mann zum Angriff bereit. Wie die Brigade Dilke feuern die Männer Wheatley´s nun wohlgezielt auf die Reihen der Franzosen, die in der Kolonnenformation pro Bataillon die Reihen des Gegners zu durchbrechen versuchen. Die Wucht des französischen Angriffs kommt auch hier durch das Salvenfeuer der Briten zum Stehen.

Im Zentrum von Wheatleys Brigade geht nach heftigem Feuergefecht nun das 2. Bataillon  des 87. Regiments Prince of Wales Irish Fusiliers zum Gegenangriff über. Es erreicht die Intervalle des 1. und 2. Bataillons des 8. Regiments de Ligne. Das erschütterte 1. Bataillon verlor nach einem heftigen Nahkampf seinen Regimentsadler und seinen Colonel Autiè (über die Einzelheiten des Kampfes und der Adler-Eskorte lesen Sie bitte den 2. Teil des Berichtes).

Das 2. Bataillon der 8ème und das dahinterstehende 45. Regiment de Ligne zog sich nach kurzem Widerstand zurück. Auf dem rechten Flügel der Division Leval sah es nicht besser aus. Das 54. Regiment de Ligne und das Bataillon Grenadiere, bestehend aus den kombinierten  Grenadierkompanien der 8ème, 45ème und 54ème werden nach hartem Kampf zurückgeworfen.

Detailansicht der Schlacht bei Barrosa

Die Reste der Division Leval sammelten sich im Norden der Lagune von Campano, zur Linken von der Division Ruffin. Die 8ème bestand nur noch aus 25 Offizieren und 867 Mann. Die Division Vilatte, die der spanischen Division Lardizabal so übel mitgespielt hatte, mußte sich ebenfalls zurückziehen, um nicht überflügelt zu werden.

Nachdem Graham seine Division wieder geordnet hatte, ging er weiter vor. Die Franzosen mußten sich darauf hin bis nach Chiclana zurückziehen. Damit war die Schlacht beendet und der Sieg zugunsten  der Allierten gefallen.

Trotz der schweren Vorwürfe von General Zaya, war General de la Pena nicht in der Lage gewesen, Graham während der Schlacht zu unterstützen. Auch an der Verfolgung der Franzosen beteiligte er sich nicht. Dadurch konnte der Sieg nicht vollständig ausgenutzt werden.

Die Franzosen  hatten schwere Verluste zu beklagen:

  • 244 Tote (darunter Div.-General Ruffin und Brig.-General Chaudron-Rousseau)
  • 1.684 Verwundete
  • 500 Gefangene
  • 134 Vermißte
  • Regimentsadler der 8ème
  • 5 Kanonen

Aber auch für die Allierten waren die Verluste hoch:

  • 201 Tote
  • 1.037 Verwundete (Briten/Portogiesen) und
  • 390 Verwundete Spanier

Der Sieg bei Barrosa hatte für die Allierten keinerlei strategische Auswirkungen gehabt, denn der Belagerungsring von Càdiz konnte nicht aufgebrochen werden. Moralisch gesehen war dieser Sieg jedoch ein großer Erfolg, vor allem für die spanische Armee.

Marschall Victor konnte zu seiner eigenen Überraschung sein Korps nach einer leidlichen Umformierung ungehindert nach Càdiz führen.

Für das 8. Regiment de Ligne ging der Krieg in Spanien bis Ende 1813 weiter. Das Regiment wurde häufig gegen die Guerrillos eingesetzt. Es nahm an der Belagerung von Càdiz teil sowie an vielen Schlachten wie Fuentes de Onoro, Vitoria, Nivelle und Bayonne, die unglücklich für die Franzosen ausgingen. Im Frühjahr 1813 bekam die 8ème einen neuen Regimentsadler. Anfang 1814 marschierte es nach Frankreich um unterstützend mit anderen Regimentern aus Spanien die drohende Niederlage abzuwenden.  

Zeitgenössische Darstellung der Schlacht von Barrosa Aufstellung der Armeen am 05.03.1811

Aufstellung der Armeen am 05.03.1811

Frankreich

Südarmee unter dem Oberbefehl von Marschall Soult

1. Armeekorps Marschall Victor

1. Division Ruffin (1.900 Mann)

9. Leichte Regiment (2. Bataillon)
24. Regiment de Ligne (1.+ 2. Bataillon)
96. Regiment de Ligne (1. Bataillon)
Kombinierte Grenadiere, Grenadierkompanien bestehend aus den Regimentern der 9ème, 24ème und 96ème (Ein Bataillon)

Eine Kompanie Fußartillerie mit Train (ca..180 Mann) mit 8 Kanonen

2.       Division Leval (3.800 Mann)

8. Regiment de Ligne  (1.+ 2. Bataillon) 47 Offiziere, 1.421 Mann
45. Regiment de Ligne (1. Bataillon) In diesem Regiment waren auch Polen rekrutiert
54. Regiment de Ligne (1.+2. Bataillon)
Kombinierte Grenadiere, Grenadierkompanien bestehend aus den Regimentern der 8ème, 45ème und 54ème (Ein Bataillon)

Eine Kompanie Fußartillerie mit Train (ca..180 Mann) mit 8 Kanonen

3.       Division Vilatte (Stärke ?)

27. Leichte Regiment (1. Bataillon)
94. Regiment de Ligne (1.+ 2. Bataillon)
95. Regiment de Ligne (1.+ 2.Bataillon)

Eine Kompanie Fußartillerie mit Train (ca..180 Mann) mit 8 Kanonen

Korpskavallerie (ca.. 540 Mann)

1.   Regiment Dragoner (3 Eskadronen)
2.   Regiment Dragoner (3 Eskadronen)

Eine Kompanie reitenden Artillerie konnte nicht ermittelt werden. Da die Gesamtstückzahl an Kanonen aber mit 24 beziffert wurde (eine Kompanie Fußartillerie besaß in der Regel 8 Kanonen), wurde bei der Korpskavallerie keine Artillerie mitgeführt.

Genietruppen (Stärke ?)

Nach den französischen Archiven wurde die Stärke des 1. Armeekorps vor der Schlacht mit rund 10.700 Mann angegeben.

Nafziger (Quelle Oman) gibt die französische Armee mit ca. 7.170 Mann an. Dafür wird aber die Division Vilatte nicht erwähnt, was sehr eigenartig ist, denn schließlich hat diese Division in der Schlacht ja auch Ihren Anteil gehabt.

Interessant bei der Aufstellung ist, daß auch noch 1811 häufig die Grenadierkompanien aus den Regimentern herausgezogen wurden, um eigene Batallione zu bilden.

"French Army at the Battle of Barrosa 5 March 1811

Division: Général de division Ruffin

2/9th Légère Regiment (15/581)
1/, 2/24th Line Regiment (37/1,156)
1/96th Line Regiment (1)(26/738)
Provisional Grenadier Battalions (2) (See note #1)

Division: Général de division Laval

1/, 2/8th Line Regiment (43/1,425)
1/45th Line Regiment (27/683)
1/, 2/54 Line Regiment (42/1,281)
Provisional Grenadier Battalion (19/530)
Gren. Coy. 3/8th Line Regiment
Gren. Coy. 3/45th Line Regiment
Gren. Coy. 3/54th Line Regiment
Gren. Coy. 3/96th Line Regiment
Gren. Coy. 3/9th Légère Regiment

Cavalry: 1st Dragoon Regiment (21/377)

Artillery: 2 Batteries (8/161)

Notes #1 - These two grenadier battalions were formed from l4 grenadier companies detached from the lst and 2nd battalions of all the seven regiments of Laval's and Ruffin's divisions, including the l6th Légère Regiment, which was absent from the corps. The total strength of these battalions is already provided in the parent battalions, save the l6th Légère Regiment's strength, which was 7 officers and l70 men. The total French strength is, therefore, about 7,170.

Oman, A History of the War in the Peninsula"

Großbritannien/Spanien/Portugal  

Auf dem Papier war der spanische General de la Pena der Oberbefehlshaber. Über die an der Schlacht beteiligten Truppen am 05.03.1811 führte Sir Thomas Graham tatsächlich die Befehle aus.

1.   Brigade Dilke (1.897 Mann)

1.   Garderegiment (2. Bataillon)
2.   Garderegiment (2 Kompanien des 2. Bataillons)
3.   Garderegiment (3 Kompanien  des 2. Bataillons)
95.  Leichte Regiment (2 Kompanien des 2. Bataillons)
Flankenbataillon Brown
bestehend aus dem 9. Linienregiment (2 Kompanien des 2. Bataillons), dem 28. Linienregiment (2 Kompanien des 1. Bataillons) und dem 82. Linienregiment (2 Kompanien des 2. Bataillons)  
2. Brigade Wheatley (2.656 Mann)

28. Linienregiment (1. Bataillon)
67. Linienregiment (2. Bataillon)
87. Linienregiment (2. Bataillon)
Flankenbataillon Barnard
bestehend aus dem 95. Leichten Regiment (3 Kompanien des 3. Bataillons), dem 47. Linienregiment (2 Kompanien des 1. Bataillons) und dem 20. Portogiesischen Linienregiment (4 Kompanien)  

Spanische Division Lardizabal (3.000 Mann)

Linienregiment Campo Mayor (ein Bataillon)
Linienregiment Carmona (ein Bataillon)
Linienregiment Canarias (ein Bataillon)
Linienregiment Murcia (zwei Bataillone)

Divisionskavallerie (206 Mann)

2.       Regiment des Königs Deutschen Legion (2. Eskadron)

Divisionsartillerie (362 Mann)
10 Kanonen

Stab + Sappeure (96 Mann)

Die Gesamtstärke des anglo-spanisch-portugieseschem Korps wurde mit 8.217 Mann und 10 Kanonen beziffert.

Nachbildung des Adlers der 8ème

Quellen:
Smith, Digby – „Napoleons Regiments“
Smith, Digby – „Napoleonic Wars Data Book“
George Nafziger – „Imperial Bayonetts“



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